IAN CHENGS DIGITALE KUNST IM ESPACE VUITTON

Courtesy of the artist and Fonation Louis Vuitton
Courtesy of the artist and Fonation Louis Vuitton

Jenseits der „Grenzen zwischen Kunst und künstlerischer Intelligenz“ positionieren sich die innovativen Digitalkunstwerke, die der US-amerikanische Künstler IAN CHENG als „live simulations“ nach den Prinzipien des Videospieldesigns, der Kognitionswissenschaft sowie der Improvisation“ entwickelt, um den stetigen Wandel darzustellen, der unsere Epoche charakterisiert. Simulationen, die er als „neurologisches Fitness-Studio“ bezeichnet, in dem die Zuschauer „Gefühle der Irritation, Angst und kognitiver Dissonanz trainieren können“.

IAN CHENG, der 1984 in Los Angeles geboren wurde und in New York lebt, ist der diesjährige Träger vom „Preis für das filmische Gesamtwerk“, der 2017 zum dritten Mal für Werke zeitgenössischer Künstler verliehen wird, die an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und bewegtem Bild arbeiten. Gestiftet wurde der Preis von der FONDATION LOUIS VUITTON im Rahmen vom alle zwei Jahre stattfindenden Münchner Festival des zeitgenössischen Kunst- und Filmschaffens KINO DER KUNST.

Die FONDATION VUITTON hat ihren Hauptsitz in einem vom Architekten Frank Gehry entworfenen Pariser Palast, der bereits als Architekturbeispiel unserer Zeit gilt. International vertreten wird sie von vier assoziierten „Kunsträumen“ in Paris, Peking, Tokio und München, wo ausschließlich Oeuvres aus eigenen Sammlungen zeitgenössischer Kunst gezeigt werden.

Courtesy of the artist and Fonation Louis Vuitton

In den Galerieräumen des seit zwei Jahren bestehenden Espace Culturel Louis Vuitton in der Maximilianstraße 2a ist IAN CHENGS erste Einzelschau auf deutschen Boden zu sehen, darunter zwei neue Werke aus seiner bereits im New Yorker MoMAPS1 gezeigten Emissary Trilogy (2015-17). „Emissary Forks At Perfection“ bildet das mittlere Kapitel seiner „live-simulation“-Reihe, die in der unteren Galerie als „Panorama-Projektion“ zu sehen ist. Darin simuliert wird eine „fruchtbare darwinistische Spielwiese“, der eine „künstliche Intelligenz vorsteht“. In einer in der weit entfernten Vergangenheit beginnenden und in der fernen Zukunft endenden Erzählung lässt die künstliche Intelligenz einen Menschen aus dem 21. Jahrhunderts wieder auferstehen und in eine nicht mehr zu erkennende Welt aussetzen. Gefolgt wird er von „Shiba Emissary“, einer „Superform der Hunderasse“, der sich einen Eindruck des „in Stresssituationen handelnden Menschen“ verschaffen soll. Eine direkte Verbindung zwischen dem Shiba-Gesandten und dem Zuschauer wird durch „Emissary Forks for You“ (2016), einer Weiterentwicklung von „Emissary Forks At Perfection“, hergestellt. Es handelt sich um eine AR-Simulation, die extra für das „Tango Tablet“ von Google entwickelt wurde. Sie erlaubt dem Besucher, das Tablet als Portal innerhalb vom Espace Vuitton einzusetzen und somit dem Shiba-Gesandten zu folgen. Der Verkaufsraum verwandelt sich somit in eine „Naturkulisse“, wo der Besucher „unwillkürlich“ in die Rolle von Shibas eigenem Haustier schlüpft.

Als Led-Screen im Raumformat wird in der oberen Galerieebene Chengs frühere Simulation „Thousand Island Thousand Laws“ (2013) vorgeführt. Mal Protagonisten, mal Nebenfiguren oder einfache Staffage sind ein „Schütze aus dem Videospiel., eine Reiherschar und eine pflanzenreiche Insel“, die „endlose Vermischungen und Mutationen eingehen“.

Courtesy of the artist and Fonation Louis Vuitton

Die Präsentation gehört zum Programm „Hors-les-murs“ (Außerhalb der Mauern) der FONDATION und ist Teil des internationalen Kulturengagements der MAISON LOUIS VUITTON, deren Ausstellungen Besucherzahlen in Millionenhöhe weltweit zu verzeichnen haben. Sie ist bis zum 09.09.2017 öffentlich zugänglich bei freiem Eintritt Mo-FR 12-19 Uhr; SA 10-19 Uhr. www.louisvuitton.com

 

Über Anna Zanco-Prestel 178 Artikel
Dr. Anna Zanco-Prestel, hat Literaturwissenschaften (Deutsch, Französisch und Italienisch) und Kunstgeschichte in Venedig, Heidelberg und München studiert. Publizistin und Herausgeberin mit Schwerpunkt Exilforschung. U.d. Publikationen: Erika Mann, Briefe und Antworten 1922 – 69 (Ellermann/DTV/Mondadori). Seit 1990 auch als Kulturkoordinatorin tätig und ab 2000 Vorsitzende des von ihr in München gegründeten Kulturvereins Pro Arte e.V.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.