Vor 35 Jahren erschoss Billy Kearse einen Polizisten mit 13 Kugeln aus dessen Dienstwaffe. Jetzt wurde das Todesurteil im US-Bundesstaat Florida vollstreckt. Seine Anwälte hatten bis zum Schluss um Gnade ersucht. Es war die fünfte Hinrichtung in den USA in diesem Jahr. Von Helmut Ortner.
Der Gerechtigkeit wurde genüge getan, das Urteil vollstreckt: Billy Leon Kearse wurde am 3. März um 18.24 Uhr (Ortszeit, 00.24 Uhr MEZ) im Bundesgefängnis in Raiford durch eine Giftspritze hingerichtet, wie die Justizbehörden von Florida mitteilten. Der 53-jährige Kearse hatte im Jahr 1991 den Polizisten Danny Parrish bei einer Verkehrskontrolle erschossen. Der damals erst 18-Jährige befand sich auf Bewährung und fürchtete offenbar, wegen eines Verkehrsdelikts in Haft zu müssen. Gerichtsunterlagen zufolge hatte Parrish Kearse im Januar 1991 angehalten, weil dieser in einer Einbahnstraße in die falsche Richtung gefahren war. Als Kearse keinen gültigen Führerschein vorweisen konnte, forderte Parrish ihn auf auszusteigen und versuchte, ihn zu fesseln. Dabei kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Kaearse den Polizisten mit 13 Kugeln aus dessen Dienstwaffe erschoss, die er in einem Handgemenge an sich gebracht hatte. Ein Taxifahrer hörte die Schüsse und rief über das Funkgerät des Polizisten Hilfe, doch Parrish starb später im Krankenhaus. Parrish wurde nur 29 Jahre alt.
Kearse wurde ursprünglich wegen Mordes ersten Grades und Raubüberfalls mit einer Schusswaffe verurteilt und 1991 zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof von Florida stellte später fest, dass das Gericht den Geschworenen bestimmte Informationen über erschwerende Umstände vorenthalten hatte, und ordnete eine neue Urteilsverkündung an. Kearse wurde 1997 erneut zum Tode verurteilt.
Bis zuletzt hatten die Anwälte von Kearseversucht, die Hinrichtung mit Verweis auf den Geisteszustand ihres Mandanten zu verhindern. Doch mit diesem Vorhaben scheiterten sie in allen Instanzen. Es war die fünfte Hinrichtung in den USA in diesem Jahr und die dritte in Florida. Erst vor wenigen Tagen war die Todesstrafe gegen Melvin Trotter vollstreckt worden, der fast 40 Jahre in Haft saß, nachdem er im Jahr 1986 eine 70-jährige Lebensmittelladenbesitzerin bei einemRaubüberfall auf ihren Laden in Palmetto in Florida getötet hatte. Seit Jahresbeginn war außerdem in den Bundesstaaten Texas und Oklahoma jeweils ein Mensch hingerichtet worden. Imvergangenen Jahr waren in den USA 47 Menschen hingerichtet worden, die meisten Hinrichtungen in Florida. Dort wurden 19 Todesstrafen vollstreckt. An zweiter Stelle folgten Texas, Alabama und South Carolina, wo jeweils fünf Menschen hingerichtet wurden.
US-Präsident Donald Trump ist ein Verfechter der Todesstrafe. Bei einer Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft findet er Zustimmung. Nicht nur konservative Republikaner sehen in der Todesstrafe eine notwendige und sinnvolle Reaktion der Justiz im Sinne der Gerechtigkeit. Rache und Vergeltung wird eine klärende, bereinigende Funktion zugeschrieben: Der Mörder bezahlt mit seinem Leben, danach ist die Welt wieder im Gleichgewicht. Auch Angehörige von Opfern sprechen von Gerechtigkeit, die es nun endlich gebe, wenn wieder ein Täter hingerichtet worden ist. Auge um Auge, Zahn um Zahn… Auch Parrishs Witwe Mirtha Busbin, Sie erklärte nach der Hinrichtung, sie habe nun Frieden gefunden. „Es waren lange, lange 35 Jahre“, sagte Busbin. „Wir haben nichts gewonnen; wir haben ein weiteres Leben verloren. Aber wir haben Gerechtigkeit bekommen.“
Gegner der Todesstrafe argumentieren, die Strafe sei unmenschlich, grausam und sinnlos. Und sie warnen vor Justizirrtümern: Es gebe keine Möglichkeit, zu verhindern, dass auch Unschuldige exekutiert würden. Von einer landesweiten Abschaffung der Todesstrafe jedoch ist man in den USA noch weit entfernt. In 23 der 50 US-Bundesstaaten kann sie noch vollstreckt werden. Ganz im Sinne des amerikanischen Präsidenten.

