China fürchtet die Generation, die einfach liegen bleibt

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„Lying flat“ begann als spöttische Antwort junger Chinesen auf Leistungsdruck und endlose Arbeitszeiten. Inzwischen beschäftigt sich sogar Chinas Staatssicherheit damit. Die Behörde behauptet, ausländische Kräfte versuchten gezielt, junge Menschen zur Resignation zu bewegen.

Manchmal beginnt eine gesellschaftliche Revolte nicht auf einer Demonstration, sondern auf einem Bett.

„Tang ping“, übersetzt „flach liegen“ oder „lying flat“, steht in China seit Jahren für die Entscheidung, dem gesellschaftlichen Wettlauf zumindest teilweise den Rücken zu kehren: weniger Karriere, weniger Konsum, weniger Konkurrenz, weniger Bereitschaft, das gesamte Leben der Arbeit unterzuordnen.

Im April schaltete sich Chinas Ministerium für Staatssicherheit ein. Nach einem Bericht der South China Morning Post warf die Behörde nicht näher bezeichneten ausländischen Kräften vor, über soziale Medien negative Vorstellungen zu verbreiten und jungen Chinesen einzureden, harte Arbeit lohne sich nicht. Ausländische Organisationen hätten Medien, Denkfabriken und Influencer unterstützt, behauptete das Ministerium, ohne konkrete Organisationen zu benennen.

Wenn Arbeitsmüdigkeit zur Sicherheitsfrage wird

Die ungewöhnliche Härte der Reaktion zeigt, welche politische Bedeutung Peking dem Phänomen beimisst.

Auch die Financial Times berichtete über den Vorstoß der chinesischen Staatssicherheit. Die Behörde sprach demnach von einer aus dem Ausland betriebenen ideologischen Einflussnahme, die junge Menschen dazu bringen solle, sich aus Arbeitsleben und gesellschaftlichem Wettbewerb zurückzuziehen.

Dabei gibt es für die Unzufriedenheit eine handfeste wirtschaftliche Kulisse.

Die Arbeitslosenquote der 16- bis 24-Jährigen außerhalb des Bildungssystems lag im Juni 2026 nach offiziellen Zahlen bei 14,9 Prozent. Das war zwar der niedrigste Wert seit zwölf Monaten und ein Rückgang gegenüber 15,6 Prozent im Mai, aber weiterhin deutlich höher als bei älteren Arbeitnehmern. Bei den 30- bis 59-Jährigen lag die entsprechende Quote bei vier Prozent. Reuters berichtete über die offiziellen Zahlen.

Hohe Immobilienpreise, ein schwieriger Berufseinstieg und ein intensiver Wettbewerb um attraktive Stellen bilden seit Jahren den Hintergrund der chinesischen Jugenddebatte.

Aufgeben als politisches Problem

„Lying flat“ ist keine politische Partei. Es gibt keine Mitgliedsausweise, keine Zentrale und kein festes Programm. Gerade darin liegt seine Besonderheit.

Menschen protestieren nicht zwingend gegen den Staat. Sie reduzieren vielmehr ihre Beteiligung an jenen gesellschaftlichen Erwartungen, auf denen wirtschaftliches Wachstum teilweise beruht.

Für eine alternde Gesellschaft mit sinkender Bevölkerung und einem hohen Bedarf an produktiven jungen Arbeitnehmern bekommt diese Haltung damit eine wirtschaftliche Dimension. China verzeichnete 2025 nur 7,92 Millionen Geburten und damit 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor; die Gesamtbevölkerung sank zum vierten Mal in Folge. Reuters meldete die offiziellen Bevölkerungsdaten.

Dass die Staatssicherheit daraus eine Frage ausländischer Einflussnahme macht, ist eine politische Bewertung der chinesischen Regierung – kein unabhängig belegter Nachweis für eine ausländisch gesteuerte Kampagne. Genau diese Unterscheidung ist wichtig.

Belegt ist, dass die Behörde den Vorwurf erhoben hat. Belegt ist ebenso, dass China mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit, sinkenden Geburtenzahlen und wachsendem wirtschaftlichen Druck auf junge Menschen konfrontiert ist.

Ob Jugendliche weniger arbeiten wollen, weil jemand im Ausland sie dazu überredet hat, ist dagegen eine ganz andere Frage.

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