Der Humor Jesu aus jüdischer Sicht

Kreuz, Foto: Stefan Groß

Das Büchlein liest sich anfänglich schwer, keineswegs en passant. Wie es sich für ein theologisches Buch gehört. Doch es lohnt sich, die Seiten durchzuackern: Gegen Ende des Buches erkennt der Leser den Humor Jesu.

Klaus Berger:
Ein Kamel durchs Nadelöhr? Der Humor Jesu (18. Februar 2019)
Herder ISBN-13: 978-3451383304
208 Seiten 22 €

Aus den vielfältigen Anregungen heben sich die folgenden hervor:

Auch wenn Jesus sich zuweilen wie ein Kyniker verhält, ist er trotz judenfeindlicher christlicher Propaganda bis zu seinem Ableben ein Pharisäer gewesen. Als Kyniker verzichtet Jesus auf jegliche Vorsorge und die damit verbundene Arbeit.

Jesus spricht: Das Glück dieser Welt ist euch wichtiger als das Glück des zukünftigen Lebens. Das entspricht der Wahrheit, denn für die Juden unter seinen Zuhörern, also für alle, existiert kein Jenseits.

Nicht wegen seines Humors wird Jesus gekreuzigt (oder doch?). Bis heute gibt es viele Juden, die wegen ihrer Witze von anderen Juden gemieden werden. Jesus Humor ist oft schwarz und übertrieben. Humor ist das Gegenteil vom Möglichen.

Gemäß Gnosis und Koran (S 4, 157) wurde Jesus nicht gekreuzigt. Diese Auffassung hat der Koran nicht vom Neuen Testament, sondern ohne Umwege von der Gnosis übernommen.

Jesus: Wer eine Frau nur anblickt, hat im Herzen Ehebruch begangen. Anblick = Begehren = Hurerei (wie im Islam).

Versteht Jesus die Selbstverstümmelung (Mt 5,29-30) als Ironie? Ist er das große Beispiel für Salafisten?

Aramäisch ist zur Zeit Jesu nicht Kultsprache. Jesus spricht seine Muttersprache Aramäisch, die die damalige Alltagssprache der Juden ist. Wichtige alltägliche Gebete sind bis heute in Aramäisch abgefasst.

Die Aufforderung Gottes an Jesus, sich dem Martyrium am Kreuz zu unterziehen, ist genauso familienfeindlich wie die Aufforderung Gottes an Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern.

Beim Missachten menschlicher (göttlicher?) Gesetze ist eher Freiheit als Humor im Spiel.

Geld oder Wunder!

Um richten zu dürfen, muss man über Humor verfügen.

Matthäus 7,26: Haus auf Sand bauen (gemäß Eulenspiegel): Folgen auf Klimawandel schieben!

Nur Menschen und Schweine können von Dämonen befallen werden.

Falscher Jesus-Witz: Ein Schwein geht an Jesus vorbei. Jesus sagt: Geh hin in Frieden! „So redest du mit einem Schwein?“ wirft man ihm vor. Jesus: Ich will keine unanständige Ausdrücke benutzen!

Ende des echten Jesus-Witz: … Jesus: Was soll ich dem Schwein sagen? Du Schwein!

Weiterer echter Jesus-Witz: Liebe Apostel, zwei Dinge solltet ihr euch abgewöhnen: „Grundlos lachen und morgens lange schlafen!“

Kynischer Jesus-Witz: Jesus trug nichts anderes bei sich als eine Tasse und einen Kamm. Als er sah, wie jemand seine Hände zum Trinken benutzte, warf er die Tasse weg. Als er sah, wie jemand seinen Bart mit den Fingern kämmte, warf er den Kamm weg.

Jesus hat jüdische Eigenschaften: Bei Jesus verbindet der Humor nicht die Menschen, sondern trennt sie.

Schlusswort:

Gott liebt die Unverschämten!

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Nathan Warszawski
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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.