Deutschland rüstet gegen Drohnen auf – in Cochstedt entsteht das Labor für die neue Bedrohung

Drohnen, Quelle: Valli_Photography, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Drohnen über Flughäfen, mutmaßliche Sabotage und die Sorge vor hybriden Angriffen verändern die deutsche Sicherheitsarchitektur. In Sachsen-Anhalt hat die Bundesregierung ein neues Technologiezentrum eröffnet. Dort soll nicht nur geforscht werden, wie Drohnen sicher fliegen – sondern auch, wie sie erkannt und abgewehrt werden können.

Ein ehemaliger Flughafen in Sachsen-Anhalt bekommt eine neue Rolle in der deutschen Sicherheitsstrategie. In Cochstedt, heute ein Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, wurde am 18. August das Technologiezentrum Drohnensicherheit eröffnet.

Die Tagesschau berichtet, dass Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Forschungsministerin Dorothee Bär das Zentrum eröffneten. Entwickelt und erprobt werden sollen Technologien für die sichere Nutzung von Drohnen, aber ausdrücklich auch Systeme zur Erkennung und Abwehr unerwünschter Fluggeräte.

Bis zu zehn Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in den Ausbau fließen. Bis zu 40 neue Arbeitsplätze sind vorgesehen. Auf dem Gelände wird bereits an zivilen Anwendungen geforscht, etwa für Landwirtschaft oder Brandbekämpfung. Nun kommt die Sicherheitsdimension hinzu.

Vom zivilen Werkzeug zum Sicherheitsrisiko

Drohnen sind inzwischen Alltags- und Hochtechnologie zugleich. Kleine Systeme können Felder vermessen, Brände beobachten oder Rettungskräfte unterstützen. Dieselbe Technik kann aber Flughäfen stören, militärische Anlagen ausspähen oder Sprengstoff transportieren. Gerade diese Doppelverwendung macht klassische Sicherheitsregeln schwierig.

Dobrindt sprach bei der Eröffnung von hybriden Angriffen, die politisches und gesellschaftliches Vertrauen untergraben sollten. Hintergrund sind zahlreiche Drohnenvorfälle und insbesondere der versuchte Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle, auf den die Tagesschau verweist. Dort war Anfang August in der Nähe ukrainischer Frachtmaschinen eine mit Sprengstoff versehene Drohne entdeckt worden.

Die Ermittlungen zu solchen Fällen liegen bei den zuständigen Sicherheitsbehörden. Für das Forschungszentrum ist die Herkunft eines einzelnen Vorfalls allerdings weniger entscheidend als die technische Frage: Wie lässt sich ein kleines, schnell bewegliches Fluggerät zuverlässig erkennen, identifizieren und unschädlich machen, ohne selbst neue Gefahren für Menschen oder Luftverkehr zu schaffen?

Die dritte Säule der Drohnenabwehr

Die Bundesregierung ordnet Cochstedt in eine Drei-Säulen-Strategie ein. Zur ersten Säule gehört eine mobile Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei. Die zweite ist das gemeinsame Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern. Forschung und Entwicklung in Cochstedt sollen die dritte Säule bilden.

Das klingt technisch, betrifft aber eine grundsätzliche Veränderung der inneren Sicherheit. Jahrzehntelang waren deutsche Flughäfen, Behörden und kritische Infrastruktur vor allem auf Gefahren am Boden oder auf bemannte Luftfahrzeuge ausgerichtet. Billige und frei verfügbare Drohnen haben diese Logik verändert. Ein kleines Gerät kann in Bereiche eindringen, die früher nur mit erheblichem Aufwand erreichbar waren.

Hinzu kommt die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung. Systeme werden autonomer, können in Gruppen eingesetzt werden und sind für Radar oder klassische Luftverteidigung schwer zu erfassen. Deshalb reicht es nicht, bestehende Polizeitechnik um einige Störsender zu ergänzen. Die Behörden brauchen Testgelände, an denen Sensorik, Funktechnik, Abfangdrohnen und andere Verfahren unter realistischen Bedingungen geprüft werden können.

Cochstedt ist damit mehr als ein neues Forschungsprojekt. Der Standort zeigt, dass Drohnenabwehr in Deutschland vom Spezialthema zur dauerhaften staatlichen Aufgabe geworden ist. Die Bundesregierung investiert in Technik, Personal und Koordination, weil sie davon ausgeht, dass die Zahl der Vorfälle nicht von selbst verschwinden wird.