41 Prozent AfD – der September könnte Deutschlands Parteienlandschaft verändern

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In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stehen im September Landtagswahlen an. Die AfD liegt in beiden Ländern deutlich vorn. Besonders in Sachsen-Anhalt erreicht sie Werte oberhalb von 40 Prozent. Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr nur, wer stärkste Partei wird.

Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Zwei Wochen später, am 20. September, folgt Mecklenburg-Vorpommern. Die Ausgangslage unterscheidet sich von früheren Landtagswahlen im Osten erheblich. Reuters berichtete am 10. August, die AfD liege in Sachsen-Anhalt bei rund 41 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei 36 Prozent. Reuters ordnet die Werte in die wirtschaftliche und politische Lage im Osten Deutschlands ein.

Eine weitere von Pollytix für Campact durchgeführte Befragung sah die AfD in Sachsen-Anhalt sogar bei 43 Prozent, vor der CDU mit 23 Prozent. WELT berichtete über diese Erhebung.

Sachsen-Anhalt wird zur Schicksalswahl

Die besondere Brisanz liegt nicht allein im ersten Platz.

Reuters weist darauf hin, dass die AfD in Sachsen-Anhalt erstmals die Chance haben könnte, auf Landesebene eine entscheidende Regierungsrolle zu spielen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Abgrenzung seiner CDU von der AfD allerdings mehrfach bekräftigt. Im Juli wandte er sich zugleich ausdrücklich an AfD-Wähler und forderte sie auf, die Arbeit seiner Regierung zu beurteilen und sich nicht ausschließlich über soziale Medien zu informieren.

Die Regierungsbildung könnte besonders schwierig werden, wenn kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Schon wenige Zehntelprozent können dann darüber entscheiden, wie viele Stimmen im Parlament überhaupt repräsentiert sind und welche Mehrheiten möglich werden.

Auch Mecklenburg-Vorpommern bietet ein ungewöhnliches Bild. Eine INSA-Erhebung im Auftrag des „Nordkurier“ sah die AfD Mitte August bei 36 Prozent, die SPD bei 29 Prozent, die Linke bei 11 Prozent und die CDU lediglich bei 10 Prozent. Die Grünen lagen bei fünf Prozent, FDP und BSW darunter. WELT griff die Umfrage auf.

Zwei Wahlen mit bundespolitischer Wirkung

Reuters führt den starken Zuspruch für die AfD in Ostdeutschland unter anderem auf wirtschaftliche und demografische Probleme zurück. Bevölkerungsverlust, niedrigere Einkommen und schwächere Beschäftigungsperspektiven in Teilen der Region spielen dabei neben der Migrationspolitik eine Rolle.

Ökonomen warnen wiederum vor wirtschaftlichen Folgen zentraler AfD-Forderungen. Reuters verweist für Sachsen-Anhalt auf Berechnungen, wonach eine Politik, die etwa einen EU-Austritt oder einen starken Rückgang der Zuwanderung zur Folge hätte, gerade strukturschwache Regionen erheblich treffen könnte. Die AfD selbst stellt ihre Politik dagegen als Bruch mit einer aus ihrer Sicht gescheiterten bisherigen Entwicklung dar.

Welche Seite mit ihren Argumenten überzeugt, entscheiden die Wähler.

Fest steht bereits jetzt: Die Septemberwahlen sind mehr als zwei regionale Urnengänge. Sollte eine Partei mit mehr als 40 Prozent stärkste Kraft werden, mit der sämtliche anderen Parteien eine Zusammenarbeit ausschließen, gerät das traditionelle deutsche Koalitionssystem unter erheblichen Druck.

Am 6. und 20. September wird deshalb nicht nur über Magdeburg und Schwerin abgestimmt. Beide Wahlen werden zeigen, ob das deutsche Parteiensystem auch bei einer AfD oberhalb der 40-Prozent-Marke noch stabile Regierungsmehrheiten hervorbringen kann.