Gerechtigkeits-Frage: AfD hängt Union und SPD deutlich ab“

Berlin Mauerfall, Quelle: Sarah_Loetscher, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Am 3. Oktober jährt sich der Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands zum 36. Mal. Nur jeder Sechste (16 Prozent) findet, dass West- und Ostdeutschland wieder getrennt werden sollten. Die große Mehrheit (61 Prozent) ist dagegen. Knapp jedem Vierten (23 Prozent) ist es egal bzw. er kann oder will sich nicht dazu äußern. Die Zahl derer, denen es egal ist und die sich nicht äußern wollen oder können, ist im Westen (24 Prozent) höher als im Osten (19 Prozent). Es fällt auch auf, dass die CDU/CSU-Wähler (22 Prozent), die Wähler der Partei des Einheitskanzlers Helmut Kohl, (etwas) häufiger als die Wähler aller anderen Parteien (9 bis 19 Prozent) angeben, dass ihrer Meinung nach West- und Ostdeutschland wieder getrennt werden sollten.

Die absolute Mehrheit der Deutschen (61 Prozent) fände es gut, wenn in Deutschland wieder mehr Kinder geboren werden würden. Nur jeder Neunte (11 Prozent) fände das (eher) schlecht. Männer (66 Prozent) würden mehr Kinder noch deutlich häufiger gut finden als Frauen (55 Prozent). Aber es gibt über fast alle soziodemografischen Merkmale hinweg eine große Zustimmung dazu, dass es gut wäre, wenn wieder mehr Kinder in Deutschland geboren werden würden. Und es gibt interessante Unterschiede, wie häufig mehr Kinder als gut bejaht werden: So fänden es 58 Prozent der Befragten, die sich selbst links der Mitte verorten, gut, wenn in Deutschland wieder mehr Kinder geboren werden würden, unter den Befragten, die sich selbst in der Mitte verorten, sind es schon 63 Prozent und unter den Befragten, die sich selbst rechts der Mitte verorten, sind es sogar 68 Prozent.

So erfreulich es für viele sein mag, dass eine so überzeugende Mehrheit die Geburt von mehr Kindern begrüßen würde, lautet die entscheidende Frage aber wohl eher, ob man sich selbst (mehr) Kinder wünscht. Fast jeder Dritte (31 Prozent) hätte gerne (mehr) Kinder. Jeder Zweite (50 Prozent) verneint die Frage. Interessant ist, dass vor allem Befragte in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen (47 Prozent) gerne (mehr) Kinder hätten. Aus meiner Sicht ist es eine wichtige gesamtgesellschaftliche Verantwortung, für diejenigen, die sich (mehr) Kinder wünschen, ein kinderfreundliches und familienbejahendes Klima zu schaffen. Wer eine Stadtbild-Debatte führen möchte, dem dürfte nicht zuletzt auffallen, dass man zu wenige Kinderwagen sieht. Eine Gesellschaft ohne Kinder hat keine Zukunft, unabhängig von allen Reformen.

Ein wichtiges Thema, das die Menschen beschäftigt und das auch von der Politik zunehmend häufiger thematisiert wird, ist die Gerechtigkeit. Auf unsere Frage, welche Partei am ehesten dafür steht, Ungerechtigkeit, die durch staatliches Handeln verhindert werden kann, abzubauen, wird von jedem Vierten (25 Prozent) und damit relativ am häufigsten die AfD genannt. Danach kommen die SPD (12 Prozent), die CDU/CSU (11 Prozent) und die Linkspartei (10 Prozent). Die Werte aller anderen Parteien sind einstellig und jeder Achte (12 Prozent) meint, keine Partei sei dazu im Stande. Bei Wählern, die sich selbst rechts der Mitte verorten (54 Prozent), gibt es überdurchschnittlich häufig die Erwartung, die AfD würde Ungerechtigkeit, die durch staatliches Handeln verhindert werden könnte, abbauen. Nach dem Querschnittsthema Migration macht die AfD ganz offensichtlich auch beim Querschnittsthema Gerechtigkeit aus Sicht vieler Bürger Punkte. Wer Ursachen für Umfragen- und Wahlergebnisse sucht, wird hier vielleicht fündig

Über Hermann Binkert 627 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.