Bundeswehr stellt erstes Drohnenregiment auf – 600 Soldaten bis 2029 vorgesehen

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 Ab 2027 baut das Heer einen eigenständigen Verband für unbemannte Systeme auf. Er soll Drohnen für Aufklärung, Angriffe und Abwehr zusammenführen und spätestens 2029 voll einsatzbereit sein.

Die Bundeswehr will im Jahr 2027 mit der Aufstellung ihres ersten eigenständigen Drohnenregiments beginnen. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte die Entscheidung am 1. Oktober bei einem Besuch der „Experimentalserie Land“ auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen an. Dort erprobt das Heer neue Technik unter einsatznahen Bedingungen. Nach Angaben der Bundeswehr soll der Verband zur 10. Panzerdivision gehören und die bereits laufende Einführung unbemannter Systeme in anderen Truppenteilen ergänzen.

Das Regiment ist für bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten vorgesehen. Es soll sowohl eigene Drohnen einsetzen als auch gegnerische unbemannte Systeme bekämpfen können. Pistorius bezeichnete das Vorhaben laut n-tv als eigenständigen Verband für unbemannte Systeme. Neben fliegenden Geräten sind auch unbemannte Landfahrzeuge und Fähigkeiten zur elektronischen Kampfführung Teil des Konzepts.

Erste Einsatzfähigkeit für 2027 geplant

Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding erläuterte am 2. Oktober die nächsten Schritte. Für 2027 ist eine erste Einsatzbefähigung vorgesehen. In dieser Phase sollen etwa 350 Soldaten im Regiment dienen; bis 2029 strebt die Heeresführung die volle Einsatzbereitschaft an. Freuding sprach von fünf bis sechs Kompanien mit unterschiedlichen Aufgaben, wie die Deutsche Presse-Agentur im Tagesspiegel berichtete. Der endgültige Standort des neuen Verbands steht nach den bisher veröffentlichten Angaben noch nicht fest.

Geplant sind Einheiten für den Einsatz auf kurze Distanz, für größere Reichweiten, für elektronische Kampfführung und für die Abwehr gegnerischer Drohnen. Hinzukommen soll eine Test- und Versuchskompanie. Sie soll neue Systeme erproben und die Erfahrungen der Truppe in die weitere Entwicklung einbringen. Für den Einsatz auf große Entfernung nannte Freuding Reichweiten von über 500 Kilometern als Ziel, soweit entsprechende Technik verfügbar ist. Die Tagesschau berichtete zudem über die vorgesehene Integration sogenannter Loitering Munition, also unbemannter Wirkmittel, die zunächst im Einsatzgebiet kreisen und anschließend ein Ziel bekämpfen können.

Neue Fähigkeiten auch in bestehenden Verbänden

Mit dem neuen Regiment entsteht nicht die einzige Einheit des Heeres, die Drohnen nutzen soll. Nach Mitteilung der Bundeswehr beginnt bereits zum Jahreswechsel 2026/2027 in Teilen der Jäger-, Aufklärungs- und Panzertruppe der Aufbau entsprechender Fähigkeiten. Das Heer verfolgt damit zwei organisatorische Ansätze: unbemannte Systeme in vorhandene Verbände einzubinden und zusätzliche Fähigkeiten in einem selbständigen Regiment zusammenzuführen.

Hintergrund ist vor allem die Erfahrung aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dort werden kleine Aufklärungsdrohnen, bewaffnete unbemannte Fluggeräte und elektronische Gegenmaßnahmen in großer Zahl eingesetzt. Für die Bundeswehr ergeben sich daraus Anforderungen an die Ausbildung, die Zusammenarbeit verschiedener Waffengattungen und die schnelle technische Anpassung. Auch die Abwehr gegnerischer Drohnen ist Bestandteil der Planungen.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte auf der Regierungspressekonferenz vom 2. Oktober die Absicht, Aufklärung, Wirkung und insbesondere das Abfangen gegnerischer Drohnen im Regiment zu bündeln. Zur genauen Zahl der zu beschaffenden Systeme machte das Ministerium dort keine ergänzenden Angaben. Auch ein vollständiger Kostenrahmen wurde bei der Vorstellung des Verbands nicht veröffentlicht.

Erprobung und Beschaffung laufen parallel

Die Beschaffung ist daher von der organisatorischen Aufstellung zu unterscheiden. Neue Drohnen und Abwehrmittel müssen zunächst ausgewählt, erprobt und in die militärischen Abläufe integriert werden. Ein Teil der vorgesehenen Munition befindet sich nach Angaben der Tagesschau noch in der Erprobung und soll ab 2027 bei der Truppe eintreffen. Damit hängen die nächsten Schritte außer vom Personalaufbau auch von der Verfügbarkeit der Technik und deren Einsatzreife ab.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte, begrüßte die Aufstellung, verlangte jedoch eine verlässliche Ausstattung. Er verwies gegenüber der Rheinischen Post darauf, dass es auf tatsächlich verfügbare Fähigkeiten ankomme, wie n-tv am 2. Oktober berichtete. Für 2027 ist somit zunächst ein begrenzter einsatzfähiger Verband geplant; die volle Stärke und das vollständige Fähigkeitsspektrum sollen nach dem Zeitplan der Heeresführung 2029 erreicht werden.