Kinder sollen künftig bereits im Grundschulalter Geld für ihren späteren Ruhestand anlegen können. Der Staat will dafür monatlich zehn Euro bereitstellen. Die Frühstartrente soll den Vermögensaufbau erleichtern und junge Menschen mit dem Kapitalmarkt vertraut machen. An den finanziellen Problemen der gesetzlichen Rentenversicherung ändert das neue Modell allerdings nichts.
Wer mit sechs Jahren zum ersten Mal ein eigenes Depot bekommt, hat bis zum Ruhestand noch viele Jahrzehnte vor sich. Genau auf diese lange Zeitspanne setzt die Bundesregierung mit der Frühstartrente. Kinder sollen frühzeitig Geld anlegen und von möglichen Erträgen profitieren, die über die Jahre ebenfalls investiert werden können. Die Förderung soll zugleich dazu beitragen, dass sich junge Menschen schon früh mit privater Altersvorsorge beschäftigen.
Der Bundestag hat am 16. Oktober die Einführung der Frühstartrente beschlossen. Nach den bisherigen Plänen soll sie im Januar 2027 beginnen. Vorgesehen sind monatlich zehn Euro für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren, wobei zunächst die Geburtsjahrgänge 2020 und 2021 berücksichtigt werden sollen. Die staatlichen Zahlungen werden am Kapitalmarkt angelegt und können durch freiwillige Einzahlungen der Eltern ergänzt werden. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
Warum die lange Laufzeit den Unterschied macht
Bei einer Förderung von zehn Euro monatlich kommen über zwölf Jahre insgesamt 1.440 Euro zusammen. Wie viel daraus später wird, hängt von der Entwicklung der Kapitalanlagen, den anfallenden Gebühren und möglichen weiteren Einzahlungen ab. Der lange Anlagezeitraum bietet die Chance, dass erwirtschaftete Erträge selbst wieder Erträge bringen und das Vermögen dadurch wächst. Verluste und längere Phasen schwacher Kursentwicklung bleiben dennoch möglich, weshalb sich die spätere Höhe des Guthabens nicht zuverlässig vorhersagen lässt.
Familien mit ausreichendem Einkommen können zusätzliches Geld einzahlen und das Depot ihrer Kinder auf diese Weise schneller aufbauen. Eltern, denen dafür die finanziellen Mittel fehlen, müssen sich dagegen auf den staatlichen Zuschuss beschränken. So können trotz gleicher Förderung unterschiedliche Vermögen entstehen, weil Kinder aus finanziell besser gestellten Familien von höheren Einzahlungen und möglichen zusätzlichen Kapitalerträgen profitieren. Diese Unterschiede werden besonders dann sichtbar, wenn das angesparte Geld nach dem 18. Geburtstag weiter investiert bleibt.
Der Staat fördert den Einstieg, die Verantwortung bleibt privat
Die Bundesregierung verbindet mit der Frühstartrente die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche den Umgang mit langfristigen Kapitalanlagen kennenlernen. Wer früh ein Depot besitzt, kann sich mit Wertpapieren, Kursschwankungen und den Kosten verschiedener Anlageprodukte beschäftigen. Dafür braucht es allerdings verständliche Informationen, damit junge Menschen die Chancen und Risiken ihrer Geldanlage einschätzen können.
Welche Ergebnisse die Frühstartrente später bringt, hängt auch von den verfügbaren Depotangeboten ab. Gebühren können die Erträge über lange Zeiträume erheblich schmälern, während die Auswahl der Anlagen darüber entscheidet, welchen Risiken das angesparte Geld ausgesetzt ist. Familien benötigen deshalb Angebote, deren Kosten und Bedingungen nachvollziehbar sind. Gerade Eltern, die bislang wenig Erfahrung mit Wertpapieren haben, müssen erkennen können, wie die Förderung funktioniert und welche Entscheidungen sie selbst treffen sollen.
An der gesetzlichen Rente ändert sich vorerst wenig
Die Frühstartrente soll die private Vorsorge ergänzen, ohne in die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung einzugreifen. Deren grundlegende Probleme bleiben deshalb bestehen. Mit dem demografischen Wandel verändert sich das Verhältnis zwischen den Menschen, die Beiträge einzahlen, und jenen, die Rentenleistungen beziehen. Wie die daraus entstehenden Kosten künftig verteilt werden, muss die Politik unabhängig vom neuen Kindersparmodell entscheiden.
Dabei geht es weiterhin um das Rentenniveau, die Entwicklung der Beitragssätze, staatliche Zuschüsse und die Dauer des Erwerbslebens. Die Frühstartrente beantwortet keine dieser Fragen, weil sie einen anderen Zweck verfolgt. Sie soll den langfristigen Vermögensaufbau unterstützen und jungen Menschen einen zusätzlichen Zugang zur Altersvorsorge eröffnen. Ob daraus später eine nennenswerte Ergänzung der gesetzlichen Rente entsteht, hängt wesentlich von der Entwicklung der Anlagen und dem weiteren Sparverhalten ab.
Die staatliche Förderung kann einem Kind einen finanziellen Anfang ermöglichen, dessen Nutzen erst nach vielen Jahrzehnten vollständig sichtbar wird. Über die Finanzierung der gesetzlichen Renten und die Belastung künftiger Beitragszahler muss dagegen bereits in den kommenden Jahren entschieden werden. Die Frühstartrente eröffnet damit eine zusätzliche Möglichkeit der Vorsorge, während die großen Entscheidungen über das bestehende Rentensystem weiterhin ausstehen.
