Fast jedes zweite bayerische Unternehmen sieht seine Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiepreise gefährdet. Laut Energiewende-Barometer 2026 des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags erwägt jeder fünfte Betrieb, seine Produktion einzuschränken oder ins Ausland zu verlagern. Zugleich sinkt die Bereitschaft, in den Klimaschutz zu investieren. BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl fordert niedrigere Steuern und Abgaben auf Strom.
Teure Energie wird immer mehr zur Achillesferse für den Wirtschaftsstandort Bayern. Laut dem Energiewende-Barometer 2026 des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) sieht fast die Hälfte der bayerischen Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die hohen Energiekosten gefährdet. Die Kostenspirale nach oben ist auch der Grund dafür, dass sich Unternehmen bei Investitionen weiter zurückhalten oder diese ins Ausland verlagern. Besonders leiden betriebliche Investitionen in den Klimaschutz.
Produktionseinschränkungen in jedem fünften Betrieb
„Die hohen Energiekosten lasten schwer auf der bayerischen Wirtschaft. Vier von fünf Unternehmen fordern, dass Steuern und Abgaben auf den Strompreis gesenkt werden. Das ist ein Höchstwert“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Der BIHK-Chef gibt zu bedenken, dass jeder fünfte Betrieb plant oder dabei ist, wegen der Energiepreise seine Produktion am Standort Bayern einzuschränken oder ins Ausland zu verlagern. „Die Situation ist alarmierend. Die industriepolitischen Maßnahmen greifen insgesamt zu kurz. Energie – und das gilt genauso für grüne Energie – muss verlässlich in der Versorgung und wettbewerbsfähig in der Bepreisung sein“, erklärt er.
Unter den widrigen Rahmenbedingungen hält noch rund die Hälfte der befragten Unternehmen an dem Ziel fest, sich bis 2045 klimaneutral aufzustellen. Das ist ein markanter Rückgang zur Umfrage 2025, in der dies noch gut 80 Prozent der Unternehmen angestrebt hatten. Klimaneutralität bedeutet, dass nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als auch wieder gebunden werden können.
In ihren Bemühungen für mehr Klimaschutz sehen 70 Prozent der bayerischen Betriebe in der Bürokratie das größte Hindernis. „Damit unsere Unternehmen weiterhin in die Energiewende investieren, müssen Wirtschaftlichkeit, Entscheidungstempo und Technologieoffenheit politisch an erster Stelle stehen“, so Gößl.
Die Umfrage zum Energiewende-Barometer wird seit 2013 durchgeführt. 2026 haben sich rund 350 bayerische Unternehmen beteiligt. Die Ergebnisse sind unter › Energiewende-Barometer 2026 erhältlich.
