Schaeffler streicht Tausende Stellen. Jetzt trifft es sogar die Entwickler

Arbeitssuche Job, Quelle: geralt, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Vier deutsche Standorte sollen schließen, weitere Werke verlieren Arbeitsplätze. Der Automobilzulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs und baut europaweit 3460 Stellen ab. Besonders auffällig ist der hohe Anteil von Forschung und Entwicklung. Während der Vorstand auf neue Geschäftsfelder setzt, verschwinden Stellen bei den Fachleuten, die bisher Motoren und Antriebstechnik entwickelt haben.

In Berlin entwickelt Schaeffler unter anderem Elektromotoren und Antriebstechnologien. 259 Arbeitsplätze sollen nach Angaben der IG Metall mit der geplanten Schließung des Standorts verschwinden. Das Unternehmen selbst spricht von rund 270 Beschäftigten. Der Standort gehört zu vier deutschen Betrieben, die der Konzern aufgeben will.

Am Dienstag hat Schaeffler ein weiteres Sparprogramm bekannt gegeben. Europaweit sollen bis 2028 insgesamt 3460 Stellen wegfallen, davon 2660 in Deutschland. Bei Schaeffler beschäftigt man sich damit erneut mit dem Abbau Tausender Arbeitsplätze, obwohl frühere Restrukturierungsprogramme noch nachwirken.

Der Vorstand hat die Kürzungen diesmal auch auf die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ausgeweitet. Rund 30 Prozent des gesamten Stellenabbaus entfallen auf diesen Bereich. Rechnerisch sind das gut 1000 Arbeitsplätze in Europa. Etwa die Hälfte der Streichungen betrifft die Produktion, die übrigen Stellen verteilen sich auf andere Unternehmensfunktionen.

Dass auch Entwickler in diesem Umfang betroffen sind, hängt mit den veränderten Planungen der Automobilhersteller zusammen. Schaeffler hatte Entwicklungs- und Produktionskapazitäten für ein Geschäft aufgebaut, das inzwischen deutlich schwächer läuft als erwartet. Die Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen sinkt, während die Elektromobilität langsamer wächst als bei den Investitionsentscheidungen angenommen.

In Dortmund und Morbach betrifft der Umbau deshalb Werke, die Produkte für Verbrennungsmotoren herstellen. Dortmund hat rund 430 Beschäftigte, Morbach in Rheinland-Pfalz etwa 160. Beide Standorte sollen geschlossen werden. Im hessischen Schwalbach wird ebenfalls ein Betrieb aufgegeben. Dort arbeiten derzeit rund 385 Menschen. Ein großer Teil soll nach Frankfurt wechseln können, etwa 190 Stellen werden gestrichen.

Fast jeder fünfte deutsche Arbeitsplatz betroffen

Schaeffler hatte bereits im November 2024 einen umfangreichen Personalabbau angekündigt. Anfang Oktober 2026 kamen 1800 abgeschlossene Altersteilzeitverträge hinzu. Zusammen mit den jetzt vorgesehenen Maßnahmen erreicht der gesamte geplante Stellenabbau nach Angaben des Unternehmens rund 18 Prozent der deutschen Stammbelegschaft vom September 2026.

Damals zählte Schaeffler hierzulande 31.957 Stammmitarbeiter.

Der Konzern will mit dem jüngsten Programm ab 2030 jährlich rund 300 Millionen Euro an Ergebnisverbesserungen erzielen. Zunächst werden für den Umbau etwa 480 Millionen Euro fällig. Weitere Einschnitte sind unter anderem in Herzogenaurach, Nürnberg und Höchstadt geplant. In Höchstadt soll der Werkzeugbau eingestellt werden.

Die hohen Personalkosten in Deutschland spielen bei der Neuordnung eine wichtige Rolle. Vorstandschef Klaus Rosenfeld verwies darauf, dass sie hierzulande etwa zweieinhalbmal so hoch seien wie an anderen europäischen Standorten. Schaeffler will außerdem die Führung vereinfachen. Zwei der bislang sieben Hierarchieebenen unterhalb des Vorstands sollen wegfallen.

Geplant ist darüber hinaus ein zeitlich begrenzter freiwilliger Gehaltsverzicht. Auch die Unternehmensführung soll sich daran beteiligen. Die Details müssen noch ausgehandelt werden.

Für die neuen Geschäfte fehlen Beschäftigungszahlen

Schaeffler will sich künftig stärker von der Automobilindustrie lösen. Der Konzern arbeitet an Anwendungen für humanoide Roboter und sieht zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten in der Verteidigungstechnik. Die vorhandene Erfahrung mit mechanischen Bauteilen und Antriebssystemen soll helfen, solche Märkte zu erschließen.

Für die deutschen Standorte ist bislang schwer abzuschätzen, wie viel Arbeit daraus entstehen wird. Der Vorstand hat zwar angekündigt, einen Teil der abgebauten Arbeitsplätze durch neue Geschäftsfelder ersetzen zu wollen. Eine konkrete Größenordnung nennt er nicht.

Die IG Metall verlangt deshalb Zusagen für künftige Investitionen und Produktionsaufträge. Die Gewerkschaft kritisiert, dass bereits das nächste Sparprogramm aufgelegt werde, während frühere Einschnitte noch umgesetzt würden. Besonders die vollständige Schließung des Berliner Entwicklungsstandorts stößt auf Widerstand.

Das Unternehmen begründet die Maßnahmen mit den veränderten Marktbedingungen. Für bestehende Entwicklungsprojekte werden weniger Mitarbeiter benötigt, wenn Fahrzeughersteller ihre Bestellungen reduzieren oder geplante Modelle verschieben. Gleichzeitig muss Schaeffler entscheiden, welche technischen Fähigkeiten für künftige Produkte erhalten bleiben sollen.

Der Vorstand will die Entwicklung an ausgewählten Standorten bündeln. Welche Aufgaben dabei in Deutschland verbleiben, ist für die Beschäftigten von erheblicher Bedeutung. Rosenfeld hat weitere Stellenstreichungen nach 2028 nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Bei den anstehenden Verhandlungen werden deshalb auch die Entwicklungsaufträge auf den Tisch kommen müssen. In Berlin soll ein Betrieb verschwinden, der an Elektromotoren und Antriebstechnologien arbeitet. Schaeffler will auf diesem technischen Wissen neue Geschäfte aufbauen. Wo die dafür benötigten Ingenieure künftig arbeiten sollen und wie viele es sein werden, hat der Konzern