JÜDISCHES ENSEMBLE: einzigartiger Lernort
Buttenwiesen: noch nie gehört? Buttenwiesen in der Nähe von Augsburg, ist eine spannende Entdeckung wert! Wer für ein besonderes Erlebnis keine Fernreise buchen möchte, der kann auch in der Region eine Schatztruhe öffnen. Das Buch „Jüdisches Leben in Schwaben. Von der frühen Neuzeit bis 1945“ von Monika Mendat führt uns zu vergessenen Orten und Menschen, die von gesellschaftlicher Relevanz die ländlichen Gebiete prägten. Und in der selten erhaltenen engen Dreier-Location von einem Jahrhunderte altem jüdischen Friedhof, restaurierter Synagoge und Mikwe lässt sich das damalige Leben revitalisieren. Die Zeiger der Aussenfassade, nun im Museum vor Ort zu bestaunen, möchte man wieder zum Laufen bringen, wie der Titel von Rafael Seligmanns Roman „Lauf, Ludwig, lauf“ programmatisch vorgibt. Die Bezüge zur Bildung, Kunst und Kommunikation zwischen Juden und Christen sind beispielhaft herausgestellt. Meistens war das Zusammenleben positiv, auch bei gesellschaftlichen Anlässen oder in Vereinen. Aber es gab auch Antisemitismus, wie in Memmingen beschrieben. Die Autorin Monika Mendat versteht es meisterhaft, die Beziehungen emotional so herauszustellen, dass ein Erkenntniswert beim Lesen die Beobachtung des Zeitgeschehens begleitet. Und sie nimmt uns an die Hand und zeigt in Buttenwiesen, Ichenhausen und Binswangen, wie die Leistungen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger uns aktuell motivieren können. Damals mögen die Entscheidungsträger die Werte erkannt haben. Das spiegelt sich Im Bau der Synagogen wider, die gleichberechtigt neben katholischen Kirchen standen. Und wie der Handel florierte. So gab es eher keine Machtspiele, sondern ein gegenseitiges Verständnis, was die Religionen betrifft. Buttenwiesen ist mit seinem einzigartigen Ensemble ein optimaler Lernort, der uns heute inspirieren sollte zu einem innovativen Wissenstransfer. Wenn das dortige Hotel mit Restaurant „Luna“ auch die Tore vor kurzem schliessen musste, so möge der Schlüssel aus dem Museum das Sinnbild für eine Erfolg versprechende Neu-Eröffnung sein. Und das Buch „Jüdisches Leben in Schwaben“ ist die beste Lektüre zur Vorbereitung einer Expedition auf heimischen Gefilden. „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“: das Zitat von Victor Hugo möge uns in diesem Sinne beflügeln. Analoge und digitale Parameter lassen den heutigen Zeitgeist mit historischen Dokumenten auf diversen Gebieten spektral bereichern. Eine Bildungsoffensive mit Pilotprojekten zu starten, das dürfte wegweisend sein!
Bilder: Omnis Terra Media.




