Corona – Filmbrancheninfos #15

Mit "Wir lachen gern, wenn’s passt. Wo bleiben die Corona-Witze? Die Humorbeilage zum Wochenende" – Von Rüdiger Suchsland

Bild von Prawny auf Pixabay

Nicht überall klappt es mit den Soforthilfe für die Filmschaffenden, und auch Produzent*innen beklagen, dass die Hilfsprogramme am Großteil der Filmbranche vorbeigehen. Ach ja: Das neue Filmförderungsgesetz wird auch verschoben. Vielleicht die Chance, nach den gemeinsamen Erfahrungen manches ganz neu zu denken.

Der Gesundheitsschutz greift in die Grundrechte ein – wie weit geht der Staat? Das ARD-Magazin „Monitor“ fragte in seiner gestrigen Sendung nach

Heribert Prantl ist Kolumnist und langjähriger Leiter des Ressorts Innenpolitik bei der „Süddeutschen Zeitung“. Im Podcast von Gabor Steingart hält er ein flammendes Plädoyer für die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit. Auch und gerade in Zeiten der Krise.

„Fleißige Ameisen, sorglose Grillen“: Die aktuelle Not der Kulturschaffenden wird gern auf die leichte Schulter genommen. Dabei muss Kunst gerade in Zeiten der Krise etwas kosten, meint die Feuilleton-Redakteurin der „Zeit“.

Die „Bazooka“-Kredite der Politik werden 90 Prozent der Branche nicht helfen, sagt der Produzent Stephan Arndt im Deutschlandfunk. Filme entstehen anders, deshalb müsse man sich etwas anderes ausdenken und gemeinsam der Politik erklären, „dass uns mit 9.000 Euro nicht geholfen ist.“

Werner Herzog sei am Set „immer ruhig geblieben“, sagte der Fotograf Beat Presser im Deutschlandfunk. Und das trotz „Chaos vor der Klappe“. So heißt Pressers Fotobuch, das die alten Meister des Neuen Deutschen Films unter einem Dach versammelt. Der Fotograf im Gespräch mit Sebastian Wellendorf.

Die Einsamkeit des „Heute-Show“-Moderators: Wie lange können TV-Comedians noch ohne Studiopublikum senden? Kabarettistische Fernsehformate suchen nach ihrer Form. Sie müssen sich fast neu erfinden, gerichtet der „Tagesspiegel“.

Lasst uns in Ruhe mit euren Arbeitszimmern und Hobbykellern. Gegen das aktuelle Quarantäne-TV wirken die Reality-Formate früherer Tage wie Hollywoodproduktionen, meint „Die Zeit“: Das wollen wir nicht sehen!

Auch die RTL Group warnt nun vor einer schlechteren Geschäftsentwicklung als bislang erwartet. Die Aktie taumelt in Richtung Allzeitiefs. Auch die stets satte Dividenzahlung soll gestrichen werden.

Als Inspiration geeignet? Für die Musikbranche in der Schweiz sammelt Sonart, der Berufsverband der freischaffenden Musiker*innen, zurzeit Daten: Welche Gagenausfälle durch abgesagte Engagements oder Aufträge durch das Corona-Virus entstanden? „Je mehr dokumentierte Fälle wir vorweisen können, desto besser können wir aufzeigen, welche finanziellen Folgen die Entscheide von Bund und Kantonen für unsere Branche bedeuten und dass Hilfe nötig ist“, erklärt der Verband. 

In Hessen haben freiberufliche und selbstständige Filmschaffende an die Ministerien geschrieben: Sie erreiche das Hilfspaket von Bund und dem Land Hessen „nur in einem sehr geringen Rahmen oder gar nicht.“ Grund: Die Soforthilfe sei auf betriebliche Mieten, Leasing und betriebliche Kredite festgelegt. Doch „die wenigsten von uns haben aus ihrer filmspezifischen Arbeitswirklichkeit heraus höhere betriebliche Fixkosten und sind darüber hinaus auch bemüht, solche gering zu halten“, schreiben die Filmschaffenden, die elf Gewerke repräsentieren, von Kamerabühne bis Filmgeschäftsführung.
Damit die Hilfe auch ankomme, müsste möglich sein, „einen kalkulatorischen Unternehmerlohn ansetzen zu können, zum Beispiel anhand der Zahlen des letzten Steuerbescheids, der Einkommensschätzungen gegenüber der Künstlersozialkasse oder anhand der erzielten Gewinne aus der Vergleichszeit im Vorjahr.“ Andere Bundesländer würden so verfahren, schreiben die hessischen Filmschaffenden.

Die Idee von Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) ist auch noch da. Die Petition der Modedesignerin Tonia Merz, selbstständig mit fünf Angestellten,hatten heute Nachmittag 436.386 Menschen unterschrieben – eine halbe Million sollen es werden. Mit weniger Unterschriften hat es eine weitere Petition zum BGEvor den Bundestag geschafft. Nun muss sie nochmal unterschrieben werden – von mindestens 50.000 Menschen, erklären die Initiatoren.

Das Soforthilfeprogramm „Kino Hilfe Hamburg“ soll die Existenz von Abspielstätten sichern, die in den vergangenen drei Jahren mit dem „Hamburger Kinopreis“ ausgezeichnet wurden. Aber auch von „kulturell herausragenden stadtteilbezogenen Filmtheatern und besonderen filmbezogenen Initiativen“, die durch die zeitweilige Schließung in eine besondere Notsituation geraten sind. Insgesamt 550.000 Euro werden über die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein verteilt. Zudem wird der „Kinoprogrammpreis 2020“ auf 150.000 Euro aufgestockt und „ab sofort und als einmaliger Zuschuss“ an die entsprechenden Kinos ausgezahlt.
Das Sonderprogramm „3×3“ soll Kreative und Produzent*innen kurzfristig in die Lage versetzen, langfristig neue Filmprojekte zu entwickeln. Für die drei Drehbücher innerhalb von drei Jahren können 150.000 Euro beantragt werden. 1,95 Millionen Euro stehen zur Verfügung, also können in den nächsten drei Jahren rund 40 neue Projekte im Norden entwickelt werden, rechnet die Filmförderung vor.

Das neue Filmförderungsgesetz (FFG) wird verschoben. Das teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einem Schreiben an die Verbände der Filmwirtschaft mit. Die „derzeit noch unabsehbaren mittel- und langfristigen Folgen der Pandemie“ müssten im neuen Gesetz Berücksichtigung finden, das 2022 in Kraft treten sollte. Darum soll die Laufzeit des aktuellen Gesetzes von 2017 per Gesetz verlängert werden. Lediglich „zwingend erforderliche Änderungen“ (wie zum Beispiel Regelungen zum Brexit oder zur Umsetzung der AVMD-Richtlinie) sollen dabei mit umgesetzt werden. Ebenso Änderungen, die „mit Blick auf die Corona-bedingten Entwicklungen in der Filmwirtschaft schon jetzt erforderlich und unaufschiebbar sind.“
Die Verbände sollen die Möglichkeit der schriftlichen Stellungnahme erhalten. Das Anhörungsverfahren zum Diskussionsentwurf vom 9. März wird bis auf Weiteres ausgesetzt.

Eine Filmförderungsanstalt, die finanziell am Limit steht, nützt niemandem, warnt FFA-Vorstand Peter Dinges. Die Filmförderungsanstalt fürchtet um ein Drittel ihrer Fördermittel durch den Corona-Shutdown.

Unsere Kolleg*innen in den deutschsprachigen Nachbarländern haben wir vernachlässigt. Wir bitten das mit den Umständen zu entschuldigen und beeilen uns, dies (zugegeben: spät) ab heute nachzuholen – und danken vorab für weitere Hinweise.

Einen europäischen Überblick verschafft EU XXL Film auf ihrer Website und der neuen Facebook-Seite, diese ständig aktualisiert werden. 
Auf der Website finden sich auch weitere Empfehlungen für österreichische Filmschaffende (EU XXL ist eine „unabhängige Initiative im Interesse der europäischen Kreativen“ in Wien). Unter anderem Empfehlung an die Teams, die Verschiebungen betroffen sind sowie ein FAQ zur Kurzarbeit des Dachverbands der österreichischen Filmschaffenden.

Informationen für Kulturschaffende, Selbständige und Unternehmen in der Schweiz hat die Zürcher Hochschule der Künste zusammengetragen. Dort finden sich auch viele Links zu weiteren Übersichten und Initiativen.
Informationen für Filmschaffende bietet das Schweizer Syndikat Film und Video, Berufsverband von rund 570 Cast und Crew, mit Links und Artikelverweisen. Die Schweizer „Maßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus im Kultursektor“ stellt auch das Bundesamt für Kultur vor.

In Luxemburg verweist die Filmförderung lediglich auf die allgemeine Corona-Site der Regierung.

Kreativ in der Krise. Die Filmwerkstatt München werkelt weiter und hat in den vergangenen beiden Wochen ihre Seminare auf online umgestellt – vorläufig bis 20. April. „Sollte es weitere derartige Maßnahmen geben bleiben wir, wo es sinnvoll ist, bei dieser Lösung. Und wir müssen feststellen, es klappt sehr gut!“ meint die Filmwerkstatt. Auch das wichtige Netzwerken untereinander funktioniere.Mehr Weiterbildung gibt’s in der Übersicht.

Kurzfilm vs. Corona: Das Filmboard Karlsruhe veröffentlicht seit zwei Wochen auf Youtube täglich um 16 Uhr eine Perle aus dem Archiv des Independent Days Filmfestivals – „um in der Corona-Krise etwas Freude zu verbreiten und jüngere Genrerationen an festivaltaugliche Arbeiten heranzuführen.“ Die Initiatoren sehen sich da ein bisschen in der Pflicht, weil die großen Festivals doch viel mehr Reichweite im Netz hätten als Aktionen einzelner Filmemacher*innen oder kleinerer Kollektive. Die Facebook-Seite der Independent Days teilt täglich die Werke, damit man sie nicht verpasst.

Der MDR hat mit dem Ideenwettbewerb „Corona Creative“ offensichtlich einen Nerv getroffen. Über 300 Filmideen wurden in den vergangenen Wochen eingereicht, weshalb jetzt beschlossen wurde, den Förderetat um 50 Prozent zu erhöhen.

Der Ortssinn im Film war Thema der ersten Wim-Wenders-Masterclass. Zehn Studierende der Internationalen Filmschule und der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) hatten im November 2018 die Gelegenheit, die Rolle des Ortes in ihren eigenen Filmvorhaben mit Wim Wenders zu besprechen. Dokumentiert wurde die Masterclass von Kamerastudierenden beider Hochschulen. Die 33-Minuten-Doku ist jetzt online zu sehen.

Wir wünschen ein schönes Wochenende und verabschieden uns mit unserem Blog. Am Montag geht’s weiter.

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Wir lachen gern, wenn’s passt

Wo bleiben die Corona-Witze? Die Humorbeilage zum Wochenende: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 10. Von Rüdiger Suchsland

„Warum sehen Aspirintabletten anders aus als Leguane? Weil sonst, stellt euch bloß mal vor, was dann passieren würde.“
Umberto Eco, „Nullnummer“

„Only connect.“ 
E.M. Forster

Die Sache mit dem Klopapier. Es ist leicht, darüber Witze zu machen, aber langsam stinkt sie doch ein bisschen – wobei „stinkt“ hier vielleicht nicht der ideale Ausdruck ist … Jedenfalls: Auch drei Wochen nach Beginn des Ausnahmezustand fehlt in den Supermärkten und Drogeriemärkten zumindest in Berlin-Mitte immer noch Klopapier. Wahrscheinlich gibt es am Morgen mal ein paar Rollen, aber die sind dann 20 Minuten später abverkauft. Was soll man nun damit machen? Zwar werden Politiker, Funktionäre und Dienstleister auf allen Ebenen nicht müde zu betonen: Es gibt keine Engpässe. Die Versorgung ist gesichert. Aber der Blick ins Supermarktregal spricht das Gegenteil. 
Woran liegt das? Analfixierung der Deutschen, sagen die Psychologen, und verweisen darauf, dass in Frankreich genug da ist, während dort angeblich immer Rotwein und Kondome ausverkauft sind. Was die Frage aufwirft, wann der Rotwein getrunken wird, vorher oder nachher?
Sachlicher veranlagte Versorger sagen, das Altpapier fürs Recycling sei knapp. Was vermutlich daran liegt, dass die Menschen ihre alten Zeitungen aufheben, für den Fall, dass das Klopapier ausgeht. Gerd Scobel auf 3sat spricht in solchen Fällen dann von „Komplexität“. Aber es ist eigentlich nicht zum Lachen. Spätestens wenn man erstmal vor der Wahl steht, auf die linke Hand zurückzugreifen, oder doch die sorgsam gehorteten FAZ-Literaturbeilagen der letzten zehn Jahre zu opfern, weiß man, wovon ich rede.

Oder geht alles für den Verpackungsmehrbedarf der bösen Online-Versandhäuser drauf? Aber das nur am Rande.

Das Horten scheint allgemein gerade wieder in Mode zu kommen. Von Klopapier und Dosenravioli war schon die Rede, aber auch beim Biomarkt um die Ecke blaffte mich neulich ein Schild an, wo im strengen Nanny-Ton, in dem in Biomärkte sowieso mit den Kunden kommuniziert wird, geschrieben stand: „Recycling ist ein Kreislauf“ – „Ach was?“ möchte man da antworten, „endlich mal was Neues.“ 
Aber offenbar bringen auch die guten Menschen, die per Biomarkteinkauf die Welt verbessern oder ihr Gewissen, gerade nicht genug Joghurtgläser und Milchflaschen zurück. So wird alles Mögliche knapp. 
Was in Deutschland freilich schon immer knapp war, und in Corona-Zeiten geradezu zum Luxusgut wird, ist der Humor.

Neulich hat mir meine inzwischen 82-jährige Mutter am Telefon einen Witz erzählt. Nun kennen Sie, liebe Leser*innen, zwar meine Mutter nicht. Aber glauben Sie mir: Auch wenn sie viel lacht, und mit der Generation Loriot sozialisiert wurde, ist es wahrscheinlich etwa zehn Jahre her, vielleicht sogar fünfzehn, dass sie mir zum letzten mal einen richtigen Witz erzählt hat. So wahnsinnig gut war dieser Witz dann auch gar nicht, um ehrlich zu sein, aber darum geht es nicht. Wie in anderen Fällen auch, zählt hier der gute Wille mehr als die Tat. 
Und offenbar hatte auch sie das Bedürfnis, die Stimmung irgendwie aufzulockern.
Es stellt sich also die Frage: Wie steht’s mit dem Humor in Sachen Corona? Kann man über Corona Witze machen? Und über den Ausnahmezustand? Ausgangssperren? Corona-Partys? Home-Office? Anlass gäbe es ja genug.

Als ob Jan Böhmermann es auch geahnt hätte. Jedenfalls ist er mit seinem „Neo Magazin Royal“ gerade rechtzeitig aus dem Fernsehen abgetaucht, um sich nicht humorvoll an der derzeitigen Lage abarbeiten zu müssen. 
Die Kollegen. von der „Heute Show“ sind da schlechter dran. Für die ZDF-Satiriker, die sonst die aus meiner Sicht abgründigsten und daher besten Späße im öffentlich-rechtlichen Fernsehen machen, ist es im Augenblick ziemlich schwer. 
Am Ende ist nämlich auch die „Heute Show“ ZDF, das heißt man würde ihnen von Intendanten-Seite einen bestimmten Humor nicht verzeihen, nichts, was als „zynisch“ verstanden werden könnte, und vielleicht finden sie es ja selbst geschmacklos. Obwohl sich da einiges anbieten würde. 
Die inzwischen berühmte Rede von Angela Merkel am 17. März etwa: „Schon jetzt gibt es viele kreative Formen, die dem Virus und seinen sozialen Folgen trotzen. Schon jetzt gibt es Enkel, die ihren Großeltern einen Podcast aufnehmen, damit sie nicht einsam sind.“ Zu normalen Zeiten hätte man etwa diesen Satz mit einer Merkel in den Mund gelegten Fake-Botschaft unterlegt. Oder zu den Sätzen „Wir möchten, gerade in Zeiten der Not, einander nah sein. Wir kennen Zuwendung als körperliche Nähe oder Berührung. Doch im Augenblick ist leider das Gegenteil richtig. Und das müssen wirklich alle begreifen: Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“ Bilder von Merkels Treffen mit Donald Trump, Friedrich Merz oder Putins Hund eingespielt. 
Aber nichts dergleichen: Am nächsten kam man abgründigem Humor noch in der Szene, in der man eine toughe Business-Frau zeigte, die plötzlich im Homeoffice ihren Kindern ausgesetzt ist, für die sie sich nicht im geringsten interessiert. Das war schon ganz lustig, man kann es in der Mediathek nachholen. 

Humor in Zeiten von Corona fällt also schon jetzt schwer. 

Dabei kommt die wahre Prüfung erst noch, denn wenn erst mal auch in Deutschland die ersten Leichen in Kühlhäusern lagern, kann man noch nicht mal mehr Witze über volle Kühlschränke im Home Office machen, oder so was ähnliches.

Deswegen möchte ich alle Leser hier bitten, mir ihre besten Corona-Witze zuzuschicken oder auch Ausgangssperren-Witze, Home-Office-Witze und so weiter, alles was im weitesten Sinne Corona zusammenhängt. Die werde ich dann in der nächsten Woche mit euch teilen. Bitte an suchsland_r@web.de.

„Ich meine, man sollte die günstige Gelegenheit nutzen und einmal die Frage in den Raum stellen: Was ist Humor? Oder besser: In welchem Verhältnis zum Fernsehen hat – oder darf – Humor und Satire, die ja als wichtige Bestandteile in ihrer Aufgabe durch – also im – Fernsehen zu sein sind, zu stehen … haben … zu sein haben?“ 
„Ich meine, da geht schon die Frage am Thema vorbei. Das Problem liegt, und nur das interessiert doch die Zuschauer, in den Begriffen Humor und Satire als geistige Haltung integriert in die Bestandteile ihrer Aufgabe im Rahmen des Fernsehens. Und wenn ich noch einmal auf das Thema Satire zurückkommen darf: Mir scheint, es geht nicht ohne eine Definition des Komischen an sich, ohne diese Einigung über die Auslegung der Grundbegriffe ist weder Humor noch Satire in den Griff zu kriegen. Also: Was ist Komik? Ich vermisse auch eine Klärung des Begriffes Lachen.“ 
„Ich lache gern mal, wenn’s grade paßt. Aber das nur am Rande.“

„Wie würden Sie die Begriffe Humor und Komik definieren?“ 
„Ich bin dafür. Muss aber nicht.“
Loriot 

Es gibt auch Leute, die müssen keine Kurzarbeit beantragen oder Existenzüberlebenshilfen. sondern im Gegenteil stellen sie Leute ein. Und weil ich in den letzten Tagen mehrfach vor allem von den miesen Profiteuren der Krise (Amazon!! Und andere Online-Dienste!) berichtet habe, hier mal was Positives: Die Pandemie führt nämlich auch zum Boom für Lieferanten von Abokisten für Gemüse und Obst. Vor allem Bio-Waren erleben seit dem Beginn der Ausgangssperren einen Boom. Von 20 bis 30 Prozent mehr Kunden und 60 Prozent Umsatz-Plus spricht ein norddeutscher Bio-Lieferant im Deutschlandfunk. Er hat Erfahrung seit den 80er Jahren. Der erste große Umsatzzuwachs sei 1986 mit Tschernobyl gekommen, und seitdem hangele er sich „von Krise zu Krise“.
Nur Klopapier liefert er nicht mehr aus. „Weil das zu viel Platz im Lieferwagen wegnimmt.“ Mancher Klient habe am Telefon geweint, erzählt er, was sonst nur passiere, wenn gerade die richtige Sorte Olivenöl fehle. 
Wer Abo-Kisten mit Obst und Gemüse kauft, unterstützt übrigens auch die regionale Landwirtschaft. Klarerweise kann auch jeder, der sich berufen fühlt, sich beim Bauern seines Vertrauens melden und Spargelstechen, Erdbeerpflücken und ähnliche Tätigkeiten anbieten. Auch manche Restaurants blühen jetzt richtig auf. Sie müssen keine Kellner mehr bezahlen und sagen „Wir machen nur noch Außer-Haus-Verkauf.“

Kaufen sollte man morgen die Samstagsausgabe der „Süddeutschen Zeitung“, obwohl die gerade immer dünner wird, der Preis aber nicht. Aber morgen ist Dr. Josef Schnelle, der nicht nur ein Freund von mir ist, sondern auch ein großer Autor, „Dem Geheimnis auf der Spur“, und schreibt über etwas sehr Aktuelles: Die Justinianische Pest im Jahr 541 n. Chr. Die Reihe „Dem Geheimnis auf der Spur“ ist eine der schönsten dieser Zeitung – klassisches Zeitungsfeuilleton und deswegen im Wochentakt bedroht von allen Controllern. Wer weiß, wie lange es sie noch gibt?
> Andererseits: Wenn solche Rubriken im Sparzwang gekillt werden sollten, kauft bald überhaupt niemand mehr eine Tageszeitung. Dann kann sich die „Süddeutsche“ ganz auf Verkäufe von Kreuzfahrten konzentrieren, und aus Lesern werden dann Kreuzfahrer – falls es sowas nach Corona noch gibt. 
Auch Witzischkeit hat ihre Grenzen.

Wer ihn noch nicht gelesen hat, dem kann ich fürs Wochenende auch den letzten Roman von Umberto Eco empfehlen. Er heißt „Nullnummer“, ist bei Hanser beziehungsweise DTV erschienen, angenehm dünn, und spielt in unserer Gegenwart; zumindest falls man das Jahr 1992 noch der Gegenwart zurechnet. 

„Genug jetzt!“ rief Simei, „Sie vergessen, dass unsere Leser keine Intellektuellen sind, die die Surrealisten gelesen haben, in deren Milieu man sich mit sowas amüsierte. Sie würden das alles ernst nehmen und uns für völlig verrückt halten. Zurück an die Arbeit. Wir haben uns genug amüsiert. Was für Vorschläge gibt es noch?“ Umberto Eco, „Nullnummer“

Bleibt gesund und habt ein so schönes Wochenende wie möglich! Bis Montag!

Brancheninfo von crew-united und cinearte, erschienen auf out-takes

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