Wenn in russischen Erzählungen von verborgenen Schätzen und wundersamen Artefakten die Rede ist, fällt oft ein Name, der wie ein Versprechen und ein Rätsel zugleich klingt – die „Goldene Baba“.
„Baba“ bedeutet im Russischen je nach Kontext schlicht „Frau“, aber in älteren Überlieferungen kann der Begriff auch für eine ehrwürdige, mythische Gestalt stehen – eine Art Urbild, manchmal verehrt, manchmal gefürchtet. „Goldene“ verweist dabei auf Material und Bedeutung: ein Idol, das buchstäblich leuchtet, oder ein Symbol, das Reichtum, Macht und „heilige“ Autorität verkörpert.
In vielen Varianten der Erzählung wird die „Goldene Baba“ als vergoldete oder goldene Statue beschrieben, als Idol, das in schwer zugänglichen Regionen Nordeurasiens verborgen sein soll. Bis heute kursieren Legenden über die Goldene Frau nicht nur in Nordwestsibirien, sondern auch in Nordosteuropa. Es gibt zahlreiche Berichte von Menschen, die sie gesehen haben wollen. Man sagt, die Goldene Frau könne Wunder vollbringen.

Sie ist unter verschiedenen Namen bekannt – so wird sie gleichgesetzt mit der finno-ugrischen Göttin Yumala,doch man nennt sie auch Zarni An (die Kupferfrau), die Goldene Dame und Zlata Maya. Die Goldene Frau ist eine aus Gold gegossene weibliche Figur, die der Legende nach das Wissen einer alten Zivilisation birgt und mit Hyperborea, dem nördlichen Land der gesegneten Hyperboreer, in Verbindung steht.
Es heißt, daß die Statue bei Gefahr einen schrecklichen Schrei ausstieß, der alles Leben im Umkreis von mehreren Meilen tötete. Die Augen des Idols sandten dabei leuchtend blaue Blitze aus. Doch ihre Herkunft ist ebenso wie ihr Verbleib bis heute ein ungelöstes Rätsel.
Neben dem Standort des Idols ist ein weiteres Rätsel, wie die Statue tatsächlich aussieht. Eine mögliche Darstellung der Goldenen Frau findet sich im Wappen der Republik Komi.
Manche behaupten, die Baba sei eine stehende Frauenstatue, andere wiederum, sie sitze, sei nackt und halte ein Kind. Auch die Größe der Statue ist umstritten. Einer Theorie zufolge hat das Idol die Größe einer durchschnittlichen Frau; einer anderen zufolge ist es größer und überragt selbst hochgewachsene Personen.
Einer Legende nach kann die Goldene Frau auch verschiedene Gestalten annehmen. Manche beschreiben sie in diesem Zustand als Hasen, andere stellen sie sich als Gans vor, die in einem Nest sitzt.
Die ersten Erwähnungen der Baba finden sich in den Annalen skandinavischer Länder. Laut einigen Legenden soll sie zwischen 800 und 1100 die Wikingerangriffe auf den Nordosten des heutigen Russlands ausgelöst haben. Die Einheimischen versteckten jedoch die Baba vor ihren Feinden, und so wurde sie schließlich jenseits des Urals verbracht.

Skandinavischen Chroniken zufolge sahen die Wikinger eine große Holzstatue mit einer goldenen Krone, einem Becher im Schoß und einer Halskette. Das einzige Edelmetall der Statue war also die Krone. Der Name „golden“ war daher vermutlich eher ein Zeichen des Respekts.
Noch älteren Berichten zufolge soll die Baba ursprünglich in Rom gegossen worden sein. Diese ungewöhnliche These stammt vom Historiker Lew Teplow, der vermutet, dass es sich um eine antike Statue handelt, die von einem ugrischen Stamm aus der brennenden, geplünderten Stadt Rom entwendet wurde. Zur Untermauerung dieser These zitiert er den römischen Historiker Julius Ponnius Laetus, der schrieb: „Die Ugrer kamen mit den Goten nach Rom und beteiligten sich an dessen Zerstörung durch Alarich. Auf ihrer Rückreise ließen sich einige in Pannonien nieder und gründeten dort einen mächtigen Staat, während andere in ihre Heimat nahe dem Arktischen Ozean zurückkehrten und bis heute einige Kupferstatuen aus Rom besitzen, die sie als Gottheiten verehren.“ Möglicherweise befand sich unter Kupferstatuen auch eine goldene.
Es kursiert auch eine Überlieferung, daß die Statue indischen Ursprungs sei, was durch das Vorkommen zahlreicher Wörter in den finno-ugrischen Dialekten der Stämme Südindiens belegt werde. Die finnische Sprache selbst folgt denselben Regeln wie die in Südindien, Südafghanistan und Ostiran gesprochenen Sprachen. Dies hat Forscher zu der Annahme geführt, die Frauenstatue könnte aus Indien stammen. In diesem Zusammenhang kämen Abbilder hinduistischer Göttinnen wie Parvathi (Göttin der Gesundheit und Familie), Durga (Göttin der Energie und Kraft), Lakshmi (Göttin des Glücks und des Reichtums) oder Saraswathi (Göttin der Wissenschaft, Weisheit und der Schönen Künste) in Betracht.
In Russland tauchten Berichte über die Goldene Baba erstmals 1398 auf. Die Sofia-Chronik aus diesem Jahr berichtet vom Tod des Heiligen Stephan von Perm, der unter Heiden lebte, die „Götzen, Feuer, Stein und die ‚Goldene Frau‘“ verehrten. Er bekehrte sie zum orthodoxen Glauben und suchte die Statue der besagten Frau, um sie zu vernichten. Dies legt nahe, dass die Goldene Baba im 14. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Komi-Permjaken-Korrugs verehrt wurde.

Metropolit Simon schrieb 1501 einen Brief „an den Permer Fürsten Matwei Michailowitsch und das gesamte Volk von Perm, Groß und Klein“, in dem er die Einwohner von Groß-Perm dafür rügte, die Goldene Frau und das Götzenbild Woipel anzubeten. Viele Forscher bringen die Goldene Frau mit einer Fruchtbarkeitsgöttin in Verbindung. Fruchtbarkeitsgöttinnen finden sich prinzipiell überall, beginnend im Paläolithikum. In der permischen Tradition wird die Goldene Frau mit ihrem Gatten En – dem Hauptgott der Komi-Permjaken – und ihrem Sohn Voipel in Verbindung gebracht. Höchstwahrscheinlich verkörpert sie auch die Idee der Fruchtbarkeit. Diese These geht davon aus, daß die Goldene Baba zu jener Zeit vom Stamm der Vogul-Mansen aufbewahrt wurde.
Im Jahr 1582, als der Kosaken Ataman Jermak Sibirien eroberte, hörten seine Männer am Ob von Einheimischen Berichte über die Goldene Baba. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts dann wurde in der Kama-Region die Kungur-Chronik verfasst, die unter anderem den Feldzug des Kosakenführers beschreibt. Darin wird auch erzählt, wie Jermak während der Belagerung von Demjansk im Jahr 1582 von einem Überläufer erfuhr, dass sich in der Stadt ein Götzenbild aus reinem Gold befände. Doch nach der Einnahme der Stadt war die Goldene Frau verschwunden – ihre Diener waren der Belagerung entkommen und hatten die Reliquie entführt.
Einer von Jermakows Atamanen, Iwan Brjasga, und seine Abteilung machten sich auf die Suche nach der verschollenen Statue. Sie erreichten das Dorf Belogorye an der Mündung des Ob, wo ein Kosakenkundschafter ein Gebet an die Goldene Frau beobachtet hatte. Doch die Durchsuchung des Tempels blieb erfolglos. Das goldene Götzenbild verschwand auf mysteriöse Weise. Brjasgas Abteilung geriet auf dem Rückweg in einen Hinterhalt und wurde vollständig aufgerieben.
Es gibt allerdings Überlieferungen, wonach die Goldene Baba gar nicht nach Belogorye gebracht, sondern vor Jermak in der Kungur-Höhle, hundert Kilometer von Perm entfernt, versteckt wurde.
Anfang des 17. Jahrhunderts unternahmen Kaufleute aus der Familie Stroganow eine Expedition, um sie zu finden, jedoch ohne Erfolg. Im 19. Jahrhundert dann entdeckten Ethnografen aber Stämme im Uralgebiet, die eine silberne Nachbildung der Göttin von Generation zu Generation weitergaben.
Viele alte europäische Karten, darunter jene des berühmten mittelalterlichen flämischen Geographen und Kartographen Gerardus Mercator, zeigen eine Figur, die an der Stelle der Region Perm ein Kind im Arm hält und als „Slata Baba“ bezeichnet wird. Auch in europäischen Berichten taucht das Idol auf. Die Erzählungen darüber das Idol passten gut zur Vorstellung eines wilden, kaum erforschten Landes. Kaum ein Autor, der über Moskau schrieb, erwähnte sie nicht.
„Diese Gottheit wurde erstmals 1517 in der ‚Abhandlung über die beiden Sarmatien‘ von Matwei Miechowski, dem Rektor der Krakauer Universität, erwähnt. Dieses Buch handelte vom wenig bekannten Moskauer Staat“, schreibt der Permer Lokalhistoriker Gennadi Bordinskikh in seinem Buch „Groß-Perm – Terra Incognita“. „Darin berichtete Matwei Miechowski, dass jenseits der Region Wjatka, an der Straße nach Skythien, ein großes Götzenbild, die Goldene Baba, steht, was so viel wie ‚goldene alte Frau‘ bedeutet. Benachbarte Stämme verehren sie hoch, und niemand, der in der Nähe vorbeikommt oder auf der Jagd ist, passiert das Götzenbild ohne Opfergabe.“
Der österreichische Botschafter, Baron Sigismund Herberstein, hinterließ in seinen 1549 veröffentlichten „Notizen über Moskau“ eine detaillierte Beschreibung der Goldenen Frau: „Dieses Götzenbild ist eine Statue in Gestalt einer alten Frau, die einen Sohn in ihrem Leib hält, und es scheint, als sei dort bereits ein Kind zu sehen, das angeblich ihr Enkel ist.“ Auf der Karte stellte Herberstein die Goldene Frau zudem als Statue einer Frau dar, die einen Speer oder Stab in der Hand und eine Krone auf dem Haupt hält.
Wie wir sehen, variieren die Beschreibungen. Auch die Angaben zum Material der Goldenen Frau sind unterschiedlich. Sie wird als aus Holz, Stein und Gold gefertigt beschrieben. Europäische Autoren schrieben auf der Grundlage von Hörensagen. Und sie zeichneten Karten nach den Worten anderer. Auf Herbersteins Karte sieht das Bild der Goldenen Frau recht klassisch aus, was zu Spekulationen über ihren antiken Ursprung führte.
Den Überlieferungen des Stammes der Mansen zufolge verblieb die Goldene Baba bis ins 17. Jahrhundert in der Permer Region. Dann wurde sie vor christlichen Missionaren verborgen, und von einem Ort zum anderen gebracht. Vielleicht war einer dieser Orte das Manpupuner-Plateau, eines der Sieben Wunder Russlands. Der „Berg der Steinidole“ zählt seit Langem zu den unzugänglichsten Orten im nördlichen Ural. Und das nicht nur, weil er extrem schwer zu erreichen ist. Das Plateau ist seit jeher ein heiliger Ort der Mansen. Nur Schamanen durften es für besondere Rituale besteigen.
Der Permer Dokumentarfilmer Michail Zaplatin drehte 1957 den ersten Film über Manpupuner. In seinem Buch „Zum Berg der steinernen Götzenbilder“ zitiert er seinen mansiischen Führer Pjotr Sambindalow: „Vor langer Zeit war es verboten, den Berg zu besteigen. Wer es dennoch tat, wurde krank und starb. Die Alten erzählen, dort habe eine Pupi gestanden. Eine Pupi ist ein Schutzgeist des Volkes in der mansischen Mythologie. Man nannte Sorni Ekva, die Goldene Frau“.
Der Arzt und Filmemacher Albert Martynenko erklärte ihre Macht und ihren Aufenthaltsort in seinem Buch „Schätze des Gulags“, das auf den Tagebüchern eines Arztes basiert, der in sowjetischen Lagerkrankenhäusern arbeitete. Sterbende Patienten teilten ihm ihre tiefsten Geheimnisse mit. Einer von ihnen enthüllte sogar die Geschichte der Goldenen Frau. Dieses Geheimnis wurde von einem Häftling aus Solowki (dem Solowezki-Sonderlager) überliefert, einem ehemaligen Archäologen und Professor der Universität St. Petersburg.
Laut dem Archäologen beschlossen die Bewohner des heutigen Komi während der Christianisierung der Rus, ein heidnisches Götzenbild – die Goldene Baba – zu verstecken. Nur zehn Schamanen kannten das Geheimnis ihres Standorts und gelobten, dieses Wissen von Generation zu Generation weiterzugeben, damit das Götzenbild nicht verloren ginge.
Doch mit der Machtergreifung der Sowjets wurden die Schamanen verhaftet und hingerichtet, und mit ihnen verschwand auch das letzte Wissen um den Aufenthaltsort der alten Göttin. Auftraggeber des Mordes soll Josef W. Stalin persönlich. Es gibt eine Legende, nach der Stalin in seiner Jugend von den sibirischen Wächtern die Erlaubnis erhielt, das Idol der Goldenen Baba zu besuchen – und sich dabei großes Wissen aneignete, das ihm half, das Schicksal des Landes zu beeinflussen.
Die Mansen glauben außerdem, dass die Goldene Baba eine Art sibirische Gottkönigin ist, vergleichbar der ägyptischen Isis. Sie sagen, wenn die Statue der Goldenen Baba eingeschmolzen wird, stehen Russland Seuchen, Zerstörung und Krieg bevor.
Vor allem im Mansen- und Petschoragebiet sind auch Legenden über Menschen verbreitet, die unter der Erde leben, und dort über Generationen angesammelte, riesige Schätze bewahren sollen. Die Berichte beziehen sich auf ein Volk, das einst große Gebiete der Obmündung und des Polaren Ural bewohnte. Diese Menschen wurden als Tschuden bezeichnet. Über sie existieren aus der Zeit der Herrschaft Großnowgorods zahlreiche Berichte, Chronikeintragungen und Legenden. Die Stadt Nowgorod nahm seinerzeit eine Schlüsselposition ein, da sie an zwei bedeutenden Handelswegen lag. Der eine wurde als „Weg von den Warägern zu den Griechen“ bezeichnet. Der zweite Weg hingegen erlangte weniger Berühmtheit. Nur in wenigen Chroniken wird er als der „Große Weg“ oder der „Weg aus Jugra zu den Griechen“ genannt. Als Jugra wurden zu Zeiten Großnowgorods die Gebiete des Polaren Urals, des Uralvorlandes sowie die dort lebenden Menschen bezeichnet. Den Übrlieferungen zufolge trieben die Tschuden regen Handel mit Nowgorod. Sie brachten wertvolle Felle und kunstvoll aus Kupfer und Bronze gefertigte Gegenstände aus Jugra mit. Einige dieser Artefakte kann man heute in den sibirischen Museen von Minussinsk und Krasnojarsk (Jekatarinenburg) bewundern.
Im Tausch gegen ihre Waren verlangten die Tschuden nur Gold. Verschiedenen Berichten zufolge häuften sie auf diese Weise ungeheure Reichtümer an. Der märchenhafte Reichtum der Tschuden lockte natürlich auch Abenteurer und Eroberer an. Die Eroberer verbreiteten mit ihren Raubüberfällen Angst und Schrecken. Durch mehrere Einwanderungswellen wurde der Norden im Verlaufe einiger Jahrhunderte kolonisiert. Wer sich nicht unterwerfen wollte, zog sich ostwärts hinter den Polaren Ural zurück. Das Gold der Tschuden wurde nie gefunden. In manchen Legenden wird behauptet, daß ein Teil des Goldes in unterirdische Höhlensysteme gebracht wurde, in denen sich auch tschudische Stämme verborgen hielten. Es existieren auch andere Aussagen, denen zufolge das Gold zu einem Idol umgeschmolzen wurde, welches im Volk als Goldene Baba bekannt ist. Alles Streben der Tschuden scheint auf die Erhaltung dieses Heiligtums gerichtet gewesen zu sein. Überlieferungen zufolge soll eine in Birkenrinde gravierte Karte das Geheimnis des Versteckes dieses Idols bewahren.
Demzufolge könnte der Ursprung der Goldenen Baba bei dem geheimnisvollen tschudischen Volk liegen.
Die Legenden um das tschudische Volk erfuhren in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine spektakuläre Bestätigung. Zu dieser Zeit nämlich traf in der Timantaiga, einem bis heute noch teilweise unerforschten Gebiet, ein Geologe bei seiner Arbeit mit Vertretern des tschudischen Volkes zusammen.
Der Geologe wurde von den Tschuden zu einer unterirdisch angelegten, seinen Angaben zufolge sehr schwer auffindbaren Siedlung gebracht, die auch das zentrale Heiligtum der Tschuden bewahrte. Er beschrieb in seinen Tagebuchaufzeichnungen sehr anschaulich, daß die Tschuden ein goldenes Idol, die Goldene Baba, verehrten. Dieses Idol war eine mannshohe Statue mit grob geformtem, armlosem Körper, jedoch fein modellierten Gesichtszügen. Die Ähnlichkeit mit den Gesichtern der Tschuden war unübersehbar.
Bei einem gemeinsamen Streifzug mit den Tschuden wurde der Wissenschaftler infolge eines von Einheimischen verursachten Waldbrandes von seinen tschudischen Begleitern getrennt. Mehrere Stunden später fanden ihn in das Gebiet entsandte Rettungsmannschaften in hilflosem Zustand am Flußufer. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, daß seine Notizen überhaupt Beachtung fanden. Aus persönlichen Gründen weigerte sich der Geologe später, seine Kenntnisse über den Zugang zum Höhlensystem der Tschuden preiszugeben. Er stellte allerdings immer wieder auf eigene Faust Nachforschungen an, um zu erkunden, ob es überlebende Tschuden gab, die sich vor dem verheerenden Waldbrand hatten in Sicherheit bringen können. Die tschudische Siedlung aber war ebenso wie der umliegende Wald völlig zerstört worden. Sicherheit hätten nur die Höhlen bieten können, doch deren Eingänge fand der Geologe verschlossen und die Öffnungsmechanismen beschädigt vor.
Die letzten Eintragungen in seinem Tagebuch lauten:
„Ich kenne den geheimen Eingang in die Höhle und werde versuchen, ihn zu benutzen. Wenn ich nicht zurückkehren sollte, sucht mich bitte nicht. Ich schreibe dies, damit im Falle meines Todes niemand beschuldigt werden kann.“
Am nächsten Tag ging der Geologe erneut auf die Suche. Von diesem Unternehmen kehrte er nie zurück. Ausgesandte Suchtrupps fanden weder seine Leiche noch Fakten, welche die Existenz des Höhlensystems der Tschuden bestätigten. Einsetzender Regen und starker Sturm behinderten die Suchaktion. Nach einigen Wochen wurde die Suche erfolglos abgebrochen, der Geologe für tot erklärt. An diesem Mißerfolg dürften auch die nur sehr ungenauen Ortsangaben schuld sein, welche der Geologe in seinem Tagebuch machte. Die Behörden jedenfalls schenkten dem „allzu phantasiereichen und nicht vertrauenerweckenden“ Bericht des Wissenschaftlers keinen Glauben. Der Vorfall verschwand in den Akten des geologischen Instituts von Archangelsk. Erst bei der Auflösung des Archivs dieser Institution geriet der Bericht des Verschollenen mit beträchtlicher Verspätung doch noch an das Licht der Öffentlichkeit. Bis heute erfolgten keinerlei Aktivitäten, um die Existenz des tschudischen Höhlensystems und seiner Bewohner nachzuprüfen.
Expeditionen auf den Spuren Hyperboreas gab es jedoch schon. Auf der Kola-Halbinsel liegt ein See mit dem ungewöhnlichen Namen Babozero. Dort werden Hinterlassenschaften aus Hyperborea vermutet, die eine Expedition finden sollte. Ein Beteiligter dieses Unternehmens, Wladimir Kusnezow, entdeckte am Ufer des Babozero, wohin ihn samische Rentierzüchter gebracht hatten, die riesige Steinstatue einer Frau, neben Knochen von Opfertieren und anderen Gegenständen. Möglicherweise ist die En Abbild der Goldenen Baba, jedoch nicht das Original, denn dieses besteht aus Edelmetall. Aus Kreisen der Präastronautik schließlich stammt die These, daß die Goldene Baba ein außerirdischer Roboter sei, der zu einer Erkundungsmission auf der Erde zurückgelassen wurde. Anfangs funktionierte der Roboter wohl, wurde dann aber wohl aufgrund einer Fehlfunktion lahmgelegt.
Literaturverzeichnis
Berlitz, Charles: Der Weltenkönig in Die größten Rätsel und Geheimnisse unserer Welt Goldmann-Taschenbuchverlag /1990
Malachow, Anatoli: Das goldene Idol
Verlag Neues Leben Berlin / 1984
Rackwitz, Erich: Versunkene Welten, ferne Gestade
Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin /6. überarbeitete Auflage 1976
