Putin organisierte seine Verbündeten beim Meeting in Bischkek
Die jährliche Konferenz der Shanghai Cooperation Organisation war in diesem Jahr in Kirgisistan. Der russische Präsident Putin suchte dabei Gefährten. Besonders beachtet wurden seine Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, dem iranischen Präsidenten Pezeshkian und dem türkischen Präsidenten Erdoğan. Von Johannes Schütz.
Die Staatslimousine Aurus des russischen Präsidenten Putin wurde mit dem Transportflugzeug Iljuschin in die kirgisische Hauptstadt Bischkek gebracht. Zum Empfang beim Präsidenten von Kirgisistan nahm Putin den indischen Ministerpräsidenten Modi in seinem Luxuswagen mit. Dort überreichte Putin, eher steif und unbeholfen, der First Lady von Kirgisistan ein bezauberndes Bouquet bunter Blumen.
Dieses Jahr trafen sich die Führer der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) am 31. August und 1. September in Kirgisistan. SCO wird zunehmend zur Organisation einer antiwestlichen Union (антизападным союзом), wie die Journalistin Elena Egorowa im vergangenen Jahr in ihrem Kommentar für die regimetreue Tageszeitung Moskowski Komsomolez erklärte. Die Zielsetzung ist eine Neue Weltordnung, die Russland gemeinsam mit China anstrebt, mit Beteiligung einiger Vasallenstaaten.
Gleiche Zeit, selbes Ziel, anderer Ort. Im vergangenen Jahr begann die Konferenz am 31. August im chinesischen Tianjin . Die Macht über die Welt sollte erobert werden, dafür werden auch militärische Mittel eingesetzt, imposant wurde in der anschließenden Parade in Peking der neueste Stand der chinesischen Waffensysteme vorgeführt.
Ausbau der Shanghai Cooperation Organisation
Die Shanghai Cooperation Organisation wurde 2001 von Russland, China, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan gegründet, Mitgliedsstaaten wurden 2017 Indien und Pakistan, 2023 Iran und 2024 Belarus. Beim Treffen in Bischkek wurden weitere 17 Staaten als Partner anerkannt. Mongolei und Afghanistan, sie galten zuvor als Beobachter, sowie die bisherigen Dialogstaaten Armenien, Aserbaidschan, Ägypten, Bahrain, Kambodscha, Kuwait, Laos, Malediven, Myanmar, Nepal, Qatar, Saudi-Arabien, Sri Lanka, Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate.
Laut der offiziellen Liste des Kreml vereinbarten die Mitglieder der Shanghai Cooperation Organisation in Bischkek fünfzehn Dokumente und mehrere Programme zum Ausbau der weiteren Zusammenarbeit. Dazu zählen gemeinsame Aktivitäten zur Sicherheit der Mitgliedsstaaten, zur Bekämpfung von regionalen Terrorismus, zur internationalen Informationssicherheit. Auch Zusammenarbeit bei Energieeinsparung, Energieeffizienz und bei Energiesystemen, bei der Entwicklung von Häfen und Logistikzentren, bei der Einrichtung regionaler Rechenzentren und der Förderung der künstlichen Intelligenz. Weiters eine multilaterale Partnerschaft für nukleare Sicherheit, Unterstützung für von Notfällen betroffene Staaten und ein Memorandum für eine stärkere Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union.
Putin beschwört seine Verbündeten
Die Konferenz in Bischkek war für Putin eine günstige Gelegenheit, um konspirative Gespräche zu führen, auf der Suche nach Alliierten für seinen Krieg mit dem Westen. Putin suchte bilaterale Kontakte. Besonders beachtet wurden seine Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, dem iranischen Präsidenten Pezeshkian und dem türkischen Präsidenten Erdoğan.
In der Tageszeitung Iswestija wurde betont, dass Putin mit Erdoğan ein ausführliches Gespräch führte. Im Protokoll waren nur 30 Minuten geplant, dann dauerte die Unterredung mit Erdoğan eine Stunde und 30 Minuten. Themen waren die Lage im Schwarzen Meer, der Konflikt mit der Ukraine, sowie Fragen der handelspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit, so wurde dazu verlautbart.
Fotos von diesem Gespräch zeigen einen sachlich wirkenden Erdoğan, neben einem maskenhaft grinsenden Putin. Der russische Präsident bezeichnete die Türkei, außenpolitisch und wirtschaftlich, als einen der privilegierten Partner seines Landes . Erdoğan erklärte danach, dass eine rasante Entwicklung in den Beziehungen zwischen Ankara und Moskau gegeben sei.
(„Путин и Эрдоган общались около 1,5 часа на саммите ШОС“ [Putin und Erdoğan führten auf dem SCO-Gipfel ein etwa 1,5-stündiges Gespräch], Известия, 1. 9. 2026, https://iz.ru/2158965/putin-ukazal-na-razvitie-otnoshenii-rossii-i-irana-po-vsem-napravleniiam-izi)
Am 1. September führte Putin auch ein bilaterales Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian. „Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und dem Iran entwickeln sich in allen Bereichen stabil und im Einklang mit dem Wortlaut und dem Geist des Vertrags über eine umfassende strategische Partnerschaft“, betonte Putin. Demnach wollen Moskau und Teheran jede Gelegenheit für Treffen und Konsultationen nutzen.
Pezeshkian bedankte sich am 3. Juli bei einem Treffen mit Dmitri Medwedew, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrats der Russischen Föderation, für die Unterstützung durch Russland.
(„Путин указал на развитие отношений России и Ирана по всем направлениям“ [Putin wies auf die Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und dem Iran in allen Bereichen hin[, Известия, 1. 9. 2026, https://iz.ru/2158965/putin-ukazal-na-razvitie-otnoshenii-rossii-i-irana-po-vsem-napravleniiam-izi)
Herzliches Treffen von Putin mit dem chinesischen Präsidenten Xi
Es war ein „außerordentlich herzliches Treffen mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping“, betonte Putin. Die Beziehungen zwischen Moskau und Peking seien unvergleichlich.
(„Путин указал на беспрецедентный характер отношений Москвы и Пекина“ [Putin betonte den unvergleichlichen Charakter der Beziehungen zwischen Moskau und Peking], Известия, 2. 9. 2026, https://iz.ru/2159763/2026-09-02/putin-ukazal-na-bespretcedentnyi-kharakter-otnoshenii-moskvy-i-pekina)
Juri Uschakow, der Berater des russischen Präsidenten, machte allerdings die Bemerkung, dass ein Dreiertreffen von Putin und Xi mit dem amerikanischen Präsidenten Trump angestrebt wird.
(„Ушаков сообщил об обсуждении Путиным и Си Цзиньпином саммита с Трампом“ [Uschakow berichtete über Gespräche zwischen Putin und Xi für ein Gipfeltreffen mit Trump], Известия, 2. 9. 2026, https://iz.ru/2159238/2026-09-01/ushakov-soobshchil-ob-obsuzhdenii-putinym-i-si-tczinpinom-sammita-s-trampom)
Modi ermahnte Putin
Der indische Ministerpräsident Modi ermahnte Putin, eventuell auch bei der gemeinsamen Fahrt in der Limousine, Russland solle für Frieden sorgen. Die Antwort des russischen Präsidenten war von geschickter Zweideutigkeit:
„Unsere Arbeit führt genau dorthin“ (Наша работа).
Dmitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten, erklärte dazu trocken: „„Putin hat Modi über den Verlauf der Operation informiert“, also über die militärische Sonderoperation der russischen Armee in der Ukraine. So lautete in der Folge der offizielle Bericht der russischen Nachrichtenagentur TASS.
(„Песков: Путин проинформировал Моди о ходе СВО“ [Putin informierte Modi über den Verlauf der Operation], ТАСС, 31. 8. 2026, https://tass.ru/politika/28062135)
Im vergangenen Jahr in China vermied Putin das Gespräch mit Ilham Alijew, dem Präsidenten von Aserbaidschan, nach Spannungen zwischen den beiden Ländern gab es nur eine kurze und kühle Begrüßung. Russische Medien berichteten, Putin hätte Alijew „komplett ignoriert“. In Bischkek war man jetzt um Entspannung bemüht. Fotos zeigen Putin bei Alijew, beide freundlich lächelnd. Pressesprecher Peskow teilte zu dieser Unterredung nur lapidar mit: „Ja. Im Stehen“.
(„Путин и Алиев пообщались «на ногах» на полях ШОС“ [Putin und Alijew unterhielten sich ‚im Stehen‘ am Rande des SCO-Gipfels], Известия, 1. 9. 2026, https://iz.ru/2158884/putin-i-aliev-poobshchalis-na-nogakh-na-poliakh-shos-izi)
Bild:
Xi Jinping mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin beim Trefffen in Bischkek am 1. September 2026 (Foto: TASS)
