Die Überlebens- und Expansionsstrategie von Plattform-Unternehmen

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Studie zeigt, wie Plattformunternehmen wie Uber eine Strategie der „umstrittenen Einhaltung“ nutzen, um in den Vereinigten Staaten und Europa infrastrukturelle Macht zu erlangen

Eine neue Studie der City University of London zeigt, wie sich Plattformunternehmen (wie Uber oder Deliveroo) an die Vorschriften angepasst haben, um verschiedene Dienstleistungen anzubieten und an infrastruktureller Macht zu gewinnen.

Diese Macht – die sich aus ihrer Stellung als Vermittler zwischen verschiedenen Interessen ergibt – wird durch bereits bestehende Vorschriften und die strategische Reaktion der Unternehmen auf die „umstrittene Einhaltung“ (contentious compliance) geprägt.

Diese doppelte Bewegung besteht darin, sich an die bestehenden Vorschriften anzupassen und sie gleichzeitig weiter in Frage zu stellen.

Die Autorin der Studie, Dr. Jimena Valdez, Dozentin am Fachbereich für Internationale Politik der City, Univeresity of London, wandte diesen Rahmen auf die Expansion und Regulierung von Uber in den Großstädten wie New York City, Madrid und Berlin an.

Dr. Valdez erklärte:

„Diese Unternehmen vermitteln zwischen Produzenten und Konsumenten von Waren, Dienstleistungen und Informationen. Auf diese Weise schaffen sie ein Ökosystem, das von ihnen abhängt.

Auf diese Weise werden Plattformfirmen in unseren Volkswirtschaften immer wichtiger und gewinnen an Macht“.

Doch während Plattformfirmen in der Regel als radikale Störenfriede und grundsätzliche Rechtsmissachter dargestellt werden, verdeutlicht die Studie, dass sich diese Unternehmen in vielen Fällen gesetzeskonform verhalten und an die Gesetze angepasst haben.

Die in der Fachzeitschrift Regulation & Governance veröffentlichte Studie legt nahe, dass die Macht dieser Unternehmen mit ihrer normalen Tätigkeit, d. h. der Erbringung ihrer Dienstleistungen, zusammenhängt und sich aus der besonderen Stellung ergibt, die diese Unternehmen in der Wirtschaft einnehmen.

Da in den verschiedenen Städten und/oder Ländern unterschiedliche Gesetze gelten, passen sich die Plattformunternehmen an die verschiedenen Regeln an, d. h. sie arbeiten auf unterschiedliche Weise.

„Mit anderen Worten“, so Dr. Valdez, „es gibt nicht das eine Uber, sondern in jeder Stadt ein etwas anderes Uber.“

Wenn die Studie die Strategie der Unternehmen als „umstrittene Einhaltung“ bezeichnet, so bezieht sich dies auf ihre Technik, sich an die bestehenden Gesetze anzupassen, um ihre Dienstleistungen erbringen zu können, und gleichzeitig die Vorschriften so aggressiv wie möglich anzufechten – im Wesentlichen ein Push-Pull-Prozess zwischen Unternehmen und Regierungen.

Dr. Valdez fügt hinzu: „Die Unternehmen akzeptieren die bestehenden Regeln nur, weil sie jede Gelegenheit nutzen, um ihre Dienstleistungen zu erweitern und zu präsentieren, um die notwendige Macht aufzubauen, um weiterhin auf günstigere regulatorische Änderungen zu drängen. “

Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer gleichzeitigen Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen und der Strategien der Plattformunternehmen.

Die Fähigkeit, infrastrukturelle Macht zu akkumulieren, ist kein vorherbestimmtes natürliches Ergebnis, sondern zutiefst kontextabhängig.

Die Fähigkeit, zur Infrastruktur der Wirtschaft zu werden, hängt von einem bestimmten Geschäftsmodell und einer Art und Weise des Technologieeinsatzes ab, und beides erfordert sicherlich die Erlaubnis (wenn nicht sogar Unterstützung) der Regierungen sowie der Bürger.

Dadurch wird die Unerbittlichkeit herausgefordert, die manchmal mit diesen neuen Geschäftsmodellen und den entsprechenden Wirtschafts- und Arbeitsbeziehungen verbunden ist.

Lesen Sie den vollständigen Artikel: The politics of Uber: Infrastrukturelle Macht in den Vereinigten Staaten und Europa‚, in Regulation & Governance. 

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Über Dr. Jimena Valdez

Jimena Valdez ist Dozentin in der Abteilung für internationale Politik an der City, University of London.

Sie untersucht die Organisation von Kapital und Arbeit. Sie treibt diese Forschung mit zwei Hauptschwerpunkten voran. In ihrem Forschungsprojekt „Über-Staat: The Political Economy of Platform Capitalism“ entwickelt sie einen theoretischen Rahmen, um die Politik rund um Plattformfirmen zu verstehen. Dabei untersucht sie drei Aspekte: die spezifische Art von Geschäftsmacht, die diese Firmen haben, die Art und Weise, wie Plattformfirmen Kernfunktionen des Staates übernehmen, und wie sich Technologieunternehmer organisieren, um ihre Präferenzen durchzusetzen.

In ihrem Buchprojekt „What Business Wants: The Politics of Labour Reform in Portugal and Spain“ untersucht sie den Widerstand der Wirtschaft in den beiden Ländern gegen Arbeitsmarktreformen, die von konservativen Regierungen während der Krise in der Eurozone vorangetrieben wurden. Dabei verdeutlicht sie, dass die Arbeitgeberverbände das Haupthindernis für Veränderungen in der Arbeitspolitik waren.

Medienkontakt:
Ida Junker – Agentur: PPOOL