Ein neuer Umgang mit den eigenen Vorlieben?

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Sexuelle Vorlieben, die lange Zeit verborgen blieben, stehen heute zur Debatte in Podcasts und Communitys. Der gesellschaftliche Wandel geschieht behutsam, aber spürbar. Was vor 20 oder 30 Jahren noch als „abartig“ gegolten hat, wird zunehmend als Teil des menschlichen Ausdrucks akzeptiert.

Communities, Netzwerke und spezialisierter Zugang

Parallel zur gesellschaftlichen Öffnung ist eine eigene Infrastruktur entstanden, Stammtische, BDSM-Clubs, Online-Foren, spezialisierte Anbieter, bei denen Menschen ihre Interessen offen ausleben können. Labels wie KlinikBondage, die sich auf medizinisch-ästhetisch inspiriertes Fetisch-Design spezialisiert haben, bedienen hier mit klaren Ansprüchen an Qualität und Design eine Nische. Ein Fetisch Onlineshop ermöglicht gezieltes Suchen und diskrete Bestellungen, ohne auf allgemeine Marktplätze (Ozons, Amazons) ausweichen zu müssen. Das Sortiment reicht von Latexkleidung über Bondage-Accessoires bis zu Roleplay-Requisiten und ist jeweils auf die unterschiedlichen Subkulturen zugeschnitten. Über die Praktikabilität hinaus spielt für viele Nutzer auch die Sicherheit eine Rolle: Spezialanbieter kennen ihre Klientel, achten auf Materialqualität und haben Produkte, die für den jeweiligen Zweck geprüft und geeignet sind.

Wie viele Menschen haben wirklich Fetische?

Die Zahl sorgt für Überraschung: Wie eine Studie von 2016 ergab, haben etwa 26 % der Menschen Erfahrung mit Fetischismus beim Sex, das Phänomen ist also weit verbreitet und keineswegs auf einige wenige Subkulturen beschränkt. In der öffentlichen Diskussion hat es allerdings lange an belastbaren Zahlen gemangelt.

Die GeSiD-Studie, die zwischen 2018 und 2019 die ersten repräsentativen Bevölkerungsdaten zu Sexualität und Gesundheit in Deutschland erhob, lieferte hier eine erste wissenschaftliche Grundlage. 4.955 Personen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren wurden zu sexuellem Verhalten, Einstellungen und Gesundheit befragt. Ein zentrales Ergebnis: Kaum jemand spricht mit seinem Arzt oder seiner Ärztin über Sexualität. Gerade das aber wäre in vielen Fällen hilfreich.

Popkultur als Katalysator der Entstigmatisierung

Vor etwa zwei Jahrzehnten noch war BDSM ein randständiges Phänomen, was sich mittlerweile geändert hat. Die Fifty-Shades-of-Grey-Trilogie verkaufte sich mehr als 100 Millionen Mal in 52 Sprachen und setzte BDSM-Themen im Mainstream in Bewegung. Rund 68 Prozent der Teilnehmenden einer Umfrage zur Folge der Buchreihe meinten, sie habe zur Normalisierung von BDSM beigetragen oder diesen zumindest bekannt gemacht.

Diese kulturelle Wirkung ist unabhängig von der inhaltlichen Bewertung der Romane dokumentiert. Musik, Serien und Social-Media-Communities verstärken diesen Effekt seitdem unaufhörlich. Subkulturen, die früher ausschließlich in analogen Nischenräumen existieren konnten, haben mittlerweile globale Online-Präsenzen, gemeinsame Standards und zunehmend selbstbewusste Außendarstellungen. Die Debatte wandelt sich damit von der Frage, ob solche Vorlieben legitim sind, hin zu konkreteren Aspekten wie Einvernehmlichkeit, Kommunikation und Sicherheitsstandards innerhalb der Szene.

Medizinische Neubewertung: Kein Krankheitswert mehr

Ein entscheidender Schritt in der gesellschaftlichen Normalisierung kam aus der Medizin selbst. Sowohl im DSM-5 als auch der ICD-11 wird einvernehmlich ausgelebten BDSM-Interessen kein Krankheitswert mehr zugestanden. Behandlungsbedürftig wird ein Fetisch erst dann, wenn er ausschließlich ohne alternative Sexualität gelebt werden kann, damit Leidensdruck erzeugt oder Dritte schädigt.

Diese Neubewertung durch offizielle Diagnosesysteme hat spürbare Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Diskurs. Betroffene wenden sich eher und ohne Scham an professionelle Berater und sprechen offener über ihre Vorlieben. Sexualpädagogische Einrichtungen, darunter Ambulanzen für Sexualmedizin an Universitätskliniken wie der Charité Berlin, greifen das Thema strukturierter auf als noch vor zehn Jahren. Der Wandel ist noch nicht vollzogen, doch die Richtung weist klar auf Einvernehmlichkeit und Transparenz als entscheidende Kriterien, nicht die Vorliebe selbst.

 

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