AfD bundesweit bei 30 Prozent – Linke gewinnt deutlich in Berlin

Logo AfD

Eine Insa-Erhebung sieht die AfD bundesweit bei 30 Prozent und die Linke bei zehn Prozent. In Berlin erzielte die Linke bei der Abgeordnetenhauswahl 25,7 Prozent. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und erlauben keinen unmittelbaren Vergleich der Wählerbewegungen.

Insa misst 30 Prozent für die AfD

In einer Anfang Oktober veröffentlichten Insa-Umfrage erreichte die AfD bundesweit 30 Prozent. Für CDU und CSU wurden 18 Prozent ermittelt. SPD und Grüne kamen jeweils auf 14 Prozent, die Linke auf zehn Prozent; das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die FDP lagen mit jeweils vier Prozent darunter. Die von der WELT veröffentlichte dpa-Meldung nennt 1.202 Befragte und eine statistische Fehlertoleranz von bis zu 2,9 Prozentpunkten.

Der Wert von 30 Prozent ist ein gemessener Umfrageanteil, kein Wahlergebnis. Die Sonntagsfrage erfasst, welche Partei die Befragten wählen würden, wenn zum Befragungszeitpunkt Bundestagswahl wäre. Sie sagt nichts darüber aus, wie viele Stimmen eine Partei bei einer späteren Wahl tatsächlich erhalten wird. Ebenso wenig lässt sich aus dem Wert allein ermitteln, weshalb sich Menschen für eine Partei entscheiden.

Die Umfrage zeigt erhebliche Unterschiede zur Bundestagswahl 2025, bei der AfD und Linke deutlich niedrigere Stimmenanteile erzielt hatten. Veränderungen zwischen Wahlen und Umfragen werden jedoch von unterschiedlichen Befragungszeitpunkten, Stichproben und dem jeweils abgefragten Wahlverhalten beeinflusst. Bei kleineren Abständen zwischen den Parteien ist die ausgewiesene Fehlertoleranz besonders zu berücksichtigen.

Linke gewinnt Berliner Abgeordnetenhauswahl

Bei der Berliner Wahl am 20. September 2026 erreichte die Linke 25,7 Prozent der Zweitstimmen. Die CDU kam auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, die Grünen auf 14,3 Prozent und die SPD auf 12,1 Prozent. Das geht aus dem vorläufigen amtlichen Ergebnis der Landeswahlleiterin hervor. Die Wahlbeteiligung betrug 74,2 Prozent.

Gegenüber der Berliner Wahl 2023 gewann die Linke 13,4 Prozentpunkte hinzu, während die AfD um 7,2 Punkte zulegte. CDU, SPD und Grüne verloren Stimmenanteile. Besonders stark fiel der Rückgang bei der CDU aus, die von 28,2 auf 18,8 Prozent fiel. Die Linke hatte 2023 noch 12,2 Prozent erzielt. Den Wahlausgang und den Schwerpunkt des Wahlkampfs auf bezahlbarem Wohnen dokumentiert auch die Tagesschau.

Dass die Linke in Berlin stärkste Partei wurde, während die AfD in einer bundesweiten Befragung auf 30 Prozent kam, beschreibt zwei unterschiedliche Sachverhalte. Die bundesweite Sonntagsfrage umfasst Wahlberechtigte in Deutschland; das Berliner Ergebnis beruht auf tatsächlich abgegebenen Stimmen in einem Bundesland. Weder stimmen die untersuchte Bevölkerung noch der Erhebungszeitpunkt oder die Art der Messung überein.

In Berlin beginnen Gespräche über eine neue Regierung

Nach dem Wahlsieg der Linken stehen in Berlin Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit SPD und Grünen an. Am 8. Oktober berichtete Reuters über eine Verständigung der drei Parteien zum Umgang mit Antisemitismus, die den Weg für Sondierungen eröffnen soll. Aus dem Wahlergebnis allein ergibt sich noch keine Regierungskoalition; über politische Inhalte, Ressortverteilung und eine parlamentarische Mehrheit müssten sich die möglichen Partner erst verständigen.

Der Unterschied zwischen den Bundeswerten und dem Berliner Ergebnis zeigt sich auch bei der AfD. Während Insa bundesweit 30 Prozent maß, erreichte die Partei in Berlin 16,3 Prozent der abgegebenen Zweitstimmen. Die Linke lag umgekehrt in Berlin mit 25,7 Prozent deutlich über ihrem bundesweiten Umfragewert von zehn Prozent. Diese Abweichungen sind zunächst regionale und methodische Unterschiede und belegen für sich genommen keine gemeinsamen Ursachen oder identischen politischen Motive.

Für die Einordnung weiterer Umfragen sind deshalb die jeweils verwendete Stichprobe, der Befragungszeitraum und das untersuchte Wahlgebiet entscheidend. Erst zeitlich vergleichbare Erhebungen desselben Wahlgebiets und Wahlergebnisse aus mehreren Wahlterminen können zeigen, ob sich eine längerfristige Veränderung der Parteienunterstützung abzeichnet.