Hormus brennt – Deutschland zahlt an der Tankstelle

Benzinpreise

Der Krieg um Iran und die Straße von Hormus zeigt, wie verletzlich Europas Energieversorgung bleibt. Wer jetzt nur über Preisbremsen spricht, hat aus den vergangenen Krisen nichts gelernt.

Eine Meerenge wird zum deutschen Problem

Angriffe auf Schiffe und die Unsicherheit um die Straße von Hormus treiben die Sorge vor Lieferausfällen. Die WELT berichtete über einen weiteren Angriff auf ein Handelsschiff. Durch die Meerenge läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs. Jede Eskalation erreicht deshalb rasch europäische Preise.

Der Deutschlandfunk hat die Folgen für Inflation, Tanken und Energieversorgung eingeordnet. Deutschland ist geografisch weit entfernt, wirtschaftlich aber mitten im Konflikt. Außenpolitik endet nicht an der Grenze. Sie steht auf jeder Rechnung, die von globalen Rohstoffmärkten abhängt.

Die nächste Preisbremse wäre die falsche Antwort

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine reagierte der Staat mit Entlastungspaketen, Preisbremsen und milliardenschweren Hilfen. Vieles davon war in der akuten Lage notwendig. Zugleich entstand der politische Reflex, jeden Preisschock sofort mit Geld zu dämpfen. Das entlastet kurzfristig und konserviert langfristig die Abhängigkeit.

Das IMK und Dezernat Zukunft haben Szenarien für mögliche Inflationsfolgen untersucht. Prognosen sind keine Gewissheiten. Sie zeigen aber, dass Energiepolitik immer auch Sozial- und Geldpolitik ist.

Unabhängigkeit kostet vor der Krise

Strategische Vorsorge ist politisch undankbar. Speicher, Netze, heimische Erzeugung, diversifizierte Importe und Effizienz kosten Geld, bevor die Gefahr sichtbar wird. In der Krise wirken sie plötzlich billig. Deutschland hat nach 2022 viel erreicht, aber die Debatte wieder in parteipolitische Lager zerlegt. Die einen behandeln fossile Reservekapazitäten als Verrat, die anderen erneuerbare Energien als ideologisches Spielzeug.

Beides ist töricht. Ein Industrieland braucht in der Übergangszeit verlässliche konventionelle Kapazitäten und zugleich den schnellen Ausbau heimischer erneuerbarer Energie. Es braucht LNG, solange es Gas nutzt, und weniger Gasverbrauch, damit es erpressbarer Importeur bleibt.

Energiepolitik ist Sicherheitspolitik

Der Konflikt um Hormus erinnert daran, dass billige Energie aus unsicheren Regionen einen Preis besitzt, der nicht an der Zapfsäule ausgewiesen wird. Er besteht aus militärischer Abhängigkeit, diplomatischer Rücksicht und wirtschaftlicher Verwundbarkeit.

Die Bundesregierung sollte nicht warten, bis der nächste Schock die Haushaltsdebatte bestimmt. Sie muss Reserven prüfen, europäische Beschaffung koordinieren, Netze und Speicher ausbauen und Industrie bei effizienter Umstellung unterstützen. Wer nur den aktuellen Literpreis senkt, kauft Ruhe auf Kredit. Wer Abhängigkeit reduziert, kauft politische Freiheit.

Der soziale Konflikt kommt später

Steigende Energiepreise treffen nicht alle gleich. Wohlhabende Haushalte können höhere Tank- und Heizkosten tragen, während Familien mit kleinen Einkommen jeden Ausschlag spüren. Unternehmen in energieintensiven Branchen verlieren Wettbewerbsfähigkeit, bevor sich die Krise in allgemeinen Konjunkturdaten zeigt.

Deshalb braucht es im Ernstfall zielgenaue Hilfe statt pauschaler Rabatte. Ein Tankzuschuss für alle belohnt hohen Verbrauch und kostet Milliarden. Direkte Transfers an besonders belastete Haushalte und befristete Unterstützung für strategische Betriebe wären ehrlicher. Sozialpolitik muss den Schock dämpfen, ohne das Preissignal vollständig abzuschalten.

Europa sollte zudem gemeinsam auftreten. Nationale Alleingänge bei Reserven und Subventionen treiben Mitgliedstaaten gegeneinander