Betrübter Rückblick auf 2025 mit schwacher Hoffnung auf 2026

Bringt 2026 endlich Frieden in der Ukraine?

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„Ein verlorenes Jahr“ lautet die Wirtschaftsbilanz auf Seite 19 der FAZ vom 27.12.2025. In seinem Jahresrückblick 2025 unternimmt Herbert Ammon eine eher triste tour d’horizon im Blick auf aufgetürmte Schulden, deutsche Stadtbilder und Zustände im Bildungssystem. Geringe Hoffnung für 2026 hegt er hinsichtlich eines Friedensschlusses von Putins Gnaden.

Das Jahr begann – es war Wahlkampf – im Januar wie stets vor Wahlen: Kanzlerkandidat Merz machte mit Getöse Ankündigungen zur Eindämmung der Migration, zur Erhellung der Finanzquellen der – in „unserer Demokratie“ als eine Art alternativer Souverän fungierenden – NGOs sowie zur Beibehaltung der Schuldenbremse. Nach den Februarwahlen, die der CDU/CSU magere 28 Prozent der Stimmen eingebracht hatten, ging es weiter wie erwartet: In einem für ihn peinlichen zweiten Wahlgang zum Kanzler einer kleinen GroKo gewählt, tat Merz das Gegenteil von dem, was er versprochen hatte.

Die Brandmauer wurde verstärkt abgedichtet, die Schuldenbremse nicht nur – mit Unterstützung der nach wie vor diskursbeherrschenden Grünen sowie der demokratisch geadelten „Linken“ – aus dem Grundgesetz gekippt, sondern mit einer gigantischen Schuldenaufnahme von einer Billion Euro ins Gegenteil verkehrt. Zum Jahresende kamen noch einmal 90 Milliarden Euro Kriegssoforthilfe für die Ukraine hinzu, die zwar nicht unmittelbar allein dem deutschen Steuerzahler aufgeladen werden, wohl aber die in den EU-Verträgen bislang ausgeschlossenen Eurobonds faktisch in die Welt setzen, für deren Bonität im Zweifelsfall dann doch wieder hauptsächlich die Deutschen geradestehen müssen.

Der Umgang der Regierung mit der Migrationsproblematik erinnert an die Echternacher Springprozession: zwei Schritte vor, einer zurück – oder umgekehrt. Zwar agiert Innenminister Dobrindt (CSU) als Protagonist strikter Gesetzesanwendung – und einiger medienwirksamer Abschiebungen – zur Kontrolle der Dauerimmigration (Neologismus „Zuwanderung“), am Gesamtbild hat sich jedoch wenig geändert. Weit über 100.000 Migranten gelangten trotz aller ernsthaften oder eben nur halbherzigen Bemühungen zur Kontrolle der die „unsere Demokratie“ grundlegend verändernden Einwanderung ins gelobte Land, denn Familiennachzug (und sei es die Zweitfrau) unterliegt nach wie vor den allen juristischen Hürden oder sozialpolitischen Erwägungen übergeordneten Menschenrechten – selbst wenn in deren Katalog eine Einwanderung ins Land bester Wahl gar nicht vorgesehen ist.

Im Zweifelsfall gibt es hinreichend pressure groups, allen voran die EKD, die „unser reiches Land“ durch die Aufnahme von – aus beliebigen Gründen (Klima, Hunger, Kriege, Queerness, Wehrpflicht etc.) – Geflüchteten bereichern wollen. Dass die Kirchen seit Jahren immer leerer werden, sodass man sie inzwischen als event locations, Fitnessstudios oder – nach Abriss – als Baugrundstücke veräußern muss, stört die Kirchenoberen nur wenig. Entscheidend ist ihre Führungsrolle in Fragen der Moralpolitik. Für dieses Ziel hat man im Hinblick auf den Ukrainekrieg die einstige pazifistische Grundlinie der Friedenserziehung grundlegend korrigiert.

Die Erkenntnis des Bundeskanzlers, dass sich das Stadtbild aller Groß-, Mittel- und Kleinstädte in den letzten Jahren so verändert hat, dass nun die Indigenen als Minderheit auffallen, löste einen Sturm moralischer Entrüstung aus. Im Zweifelsfall präsentieren die Medien stets ein beruflich nützliches und erfolgreiches Beispiel gelungener Integration; am realen Stadtbild ändert das allerdings nichts. Zum Stadtbild gehören nicht nur bärtige Männer und – in unterschiedlichem Grade – verhüllte Mütter aus dem Morgenland, sondern auch die zahllosen Obdachlosen unter S-Bahn-Brücken, in überdachten Bushaltestellen und in Hauseingängen.

Immerhin: Berlin, die Hauptstadt der bunten Republik, will das von migrantischen Fachkräften und indigenen Konsumenten verursachte Negativbild des Görlitzer Parks („Görli“) – pars pro toto für das Stadtbild – durch einen ästhetisch überzeugenden Zaun einfassen. Doch gut Ding will Weile haben. Dafür ist die Hauptstadt bekannt. Vollständigkeitshalber seien noch die unaufhaltsam zunehmenden Schmierereien an Häuserfronten, Friedhofsmauern, Brunnen oder Statuen sowie der Müll auf Straßen und in Grünanlagen erwähnt.

Dass Deutschland, ehemals bewundert wegen seines Bildungssystems – insbesondere des dualen Systems im handwerklich-technischen Bereich –, im Leistungsvergleich mit anderen Ländern von Jahr zu Jahr zurückfällt, wird von der Politik zwar registriert. Doch außer Geld für mehr Fachkräfte (!) in der frühkindlichen Sprach- und Intelligenzförderung fällt den Bildungsexperten nicht viel ein. Dass das Zeugnis der Mittleren Reife nach zehnjährigem Schulbesuch vielerorts kaum noch das Papier wert ist, stellt für die Bildungsforscher kein Problem dar. Soziale Kompetenz (!?) rangiert über Grundrechenarten, Sprachbeherrschung und Schreibfertigkeit.

Wenn schon keine Lösung – nicht zuletzt hinsichtlich der ökonomischen Folgen – in Sicht ist, dürfen keinesfalls Analysen angestellt werden, die unabweisbar Thilo Sarrazins Diagnose und Prognose von 2010 bestätigen würden. Derlei Erkenntnisse könnten Wasser auf die Mühlen der AfD lenken und die Brandmauer unterspülen. Dass deutsche Gymnasien in den MINT-Fächern nur noch hohe Quoten von Studienabbrechern hervorbringen, ist ein statistisch belegtes Faktum. Hingegen expandieren die auf Soziokultur, Gendergerechtigkeit, Queerness – und politische Karrieren im Parteienstaat – ausgelegten Studienfächer (mit Bachelor-Garantie).

Welche Aussichten eröffnen sich für 2026? Ob sich die Wirtschaft der Exportnation Deutschland von der Rezession in allen Bereichen – mit Ausnahme des Rüstungssektors – erholen kann, ist höchst ungewiss. Experten sprechen vom schlimmsten Einbruch seit 1953. Dass die Energiekosten einen enormen Negativfaktor in der Produktion – von Bäckereien bis hin zur Chemie- und Stahlindustrie – darstellen, ist allgemein bekannt. Noch mehr deutsche Restlandschaften zerstörende Windkraftanlagen sollen es richten.

So sind wir über das Thema Energie bei Nord Stream 2 und dem Ukrainekrieg angelangt. Der verdammte Krieg wird leider erst zu Ende gehen, wenn es dem russischen Herrscher Putin gefällt. „Die Europäer“ – abzüglich der „Putinsversteher“ – stehen noch, mit auf zwei Jahre ausgelegten und bereits in den Kamin geschriebenen Krediten, in Treue fest zu Selenskyj. Ob sich Putin („Putler“ – ohne Hitler geht in Deutschland kein „Diskurs“) mit Trump, gewiss nicht mit den „Europäern“, noch auf einen Deal einlässt, der nicht nur das Sterben beendet, sondern uns allen zugutekäme, steht leider auch 2026 in den Sternen.

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Über Herbert Ammon 111 Artikel
Herbert Ammon (Studienrat a.D.) ist Historiker und Publizist. Bis 2003 lehrte er Geschichte und Soziologie am Studienkolleg für ausländische Studierende der FU Berlin. Seine Publikationen erscheinen hauptsächlich auf GlobKult (dort auch sein Blog https://herbert-ammon.blogspot.com/), auf Die Achse des Guten sowie Tichys Einblick.