Organisieren, aber wie: So machen Sie es richtig

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Bernd Oesterreich/Claudia Schröter: Agile Organisationsentwicklung. Handbuch zum Aufbau anpassungsfähiger Organisationen, Vahlen, München 2019, ISBN: 978-3-8006-6076-6, 35 EURO (D)

Die digitale Transformation ist für jedes Unternehmen unerlässlich und sorgt für neue Herausforderungen auch im Management. In den Führungsetagen sind Umdenken und neue Fähigkeiten gefragt, traditionelle Strategien der autoritären und hierarchischen Führung von Mitarbeitern gehört der Vergangenheit an. Zahlreiche Unternehmen experimentieren mit flexiblen Arbeitszeiten, flexiblen und mobilen Arbeitsorten, Teamwork ohne persönliche Präsenz, etc. Neben der Arbeitsgestaltung werden zunehmend auch Führungs- und Strukturprinzipien von Organisationen überdacht.

Dieses Buch geht speziell auf die Inhalte und Umsetzung agiler Organisationskultur als Teil dieser Transformation im digitalen Zeitalter ein. Es berücksichtigt gleichermaßen Haltung (Mindset), Erfahrungswissen (Skillset) und Werkzeuge (Toolset) und vereint dabei Ansätze aus der agilen Entwicklung technischer Systeme, integrale Wertesysteme, Kreisorganisationsmodelle und systemische Ideen zur Entwicklung sozialer Systeme: „Wir brauchen nicht nur Theorien und Modelle zur Organisationsentwicklung, die einen souveränen Umgang mit Komplexität und Dynamik ermöglichen, sondern solche, die komplexitätsspezifisch in den Fokus variieren können.“ (S. 7)

Im Vorwort wird die Transformation zu einer digitalen Organisationsentwicklung und deren Anwendungsbereiche begründet. Im ersten Teil werden die allgemeinen Kompetenten gesetzt, um eine nachhaltige und belastbare Organisationsentwicklung aufzubauen. Dabei geht es um eine systemisch-integrale Handlung, kleinschrittige Entwicklungen, kollegial verteilte und ziehende Führung sowie Prozess- und Struktursicherheit.

Der zweite Teil ist das Kernstück des Buches, er folgt einem zeitlich gegliederten Prozessmodell. Dort wird das Adaptionsmodell, das nicht nur die Anpassung an bestimmte neue Anforderungen, sondern genetische Prozesse und Strukturen, um alle möglichen Anpassungen zu unterstützen. Es ist eine Reduktion auf ausgesuchte idealtypische Aspekte, ein grobes Orientierungsmodell. Dabei geht es um die Klärung der Motivation, die Rahmenbedingungen, eine schrittweise und empathische Herangehensweise, die Parallelität neuer und alter Konzepte, das Klären der Spielregeln und die Etablierung des Sogprinzips. Außerdem wird eine Delegationsmatrix, ein Selbstorganisationskreis, ein Führungsmonitor, Entscheidungswerkzeuge, das Kreismodell und organisierte Selbstorganisation angesprochen.

Im dritten Teil findet man praktische Anleitungen, Hilfestellungen, Beispiele und konkrete Ideen. Dort werden Mikrowerkzeuge vorgestellt, die einfach und ohne Vorbereitung anwendbar sind. Weitere Methoden und Praktiken sind Reviews, Scrum, kreuzfunktionale Teams, Praktikergruppen, Lean Start-Up, Design Thinking oder Kudos.

Im Anhang findet man noch die Vorstellungen der Autoren, ein Quellen- und Literaturverzeichnis, ein Glossar und einen Index.

Das Buch gibt einen umfassenden Einblick für Führungskräfte, Coaches und Unternehmensleitungen, wie agile Organisationen gestaltet werden können. Es werden Rahmenbedingungen, Handlungsoptionen und Transformationsmanagement sowie verschiedene Methoden angesprochen, die so auf das eigene Unternehmen bezogen werden können. Dies ist jedoch kein abgeschlossener Vorgang, Vorstellung, dieser Prozess wird niemals ganz abgeschlossen sein und ständige Anpassungen und Weiterentwicklungen sind notwendig.

Dies muss natürlich mit Basics wie faire Löhne, gutem Arbeitsschutz, der Einbeziehung von Gewerkschaften bzw. Interessenvertretern und Möglichkeit für Home-Office flankiert werden, sonst nutzt die beste Organisationskultur nichts.

Hilfreich sind hier die direkten Querverweise mit Seitenzahlen, so dass man die Möglichkeit hat, zusammenhängend zu lesen. Der Index erlaubt auch ein schnelles Nachschlagen.

Über Michael Lausberg 412 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.