Industrielle Aktivitäten uralter Zivilisationen?

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Wäre es möglich, eine vorzeitliche, industrielle Zivilisation in den geologischen Aufzeichnungen zu entdecken? Diese Frage stellen sich nicht nur Freunde der Phantastik, sondern auch ernstzunehmende Wissenschaftler.

Es gab und gibt in der Geschichte der Menschheit viele Kulturen, die gekommen und gegangen sind. Leider gibt es bis heute keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass es je solche Zivilisationen in grauer Vorzeitig auf der Erde gegeben hat. Und doch ist die Sache mit der alten Superkultur, die vielleicht schon vor Millionen von Jahren existiert haben könnte, eine durchaus respektable Theorie, die trotz der spärlichen Hinweise aus der Vergangenheit dennoch ihre Existenzberechtigung hat. Sie geht zeitlich allerdings noch einen gewaltigen Schritt weiter als die Mysterien um das sagenhafte Atlantis. Es ist schon schwierig bis fast unmöglich, etwas von legendären Kulturen zu finden, die vor einigen Tausend Jahren durch weltumspannenden Kataklysmen, Selbstzerstörung oder anderen Faktoren von der Erdoberfläche verschwanden. Zivilisationen, die möglicherweise vor Millionen Jahren existierten, werden daher gern allzu schnell ins Reich der Fabel verwiesen.

Auch wenn kritische Zeitgenossen stets Einspruch erheben und darauf verweisen, dass man nie eindeutige Hinweise auf uralte Zivilisationen gefunden hat, dann muss man sagen, dass das so nicht stimmt. Oft verbirgt sich hinter Skepsis auch Angst, insbesondere vor den Funden, die wir zeitlich nicht einordnen können, den sogenannten Out of Place-Artefakten (OOPArt). Der Begriff bezeichnet von intelligenten Wesen geschaffene Objekte von (prä-)historischem oder (paläo-)anthropologischem bzw. hominologischem Interesse, welche in einem höchst ungewöhnlichen oder auch unmöglich erscheinenden archäologischen bzw. geologischen Bezugsrahmen entdeckt werden.

Der französische Journalist und Schriftsteller Louis Pauwels (1920-1997) sagte dazu einmal treffend: „Wenn aber, fragt der klassische Archäologe, in der Vorgeschichte höherentwickelte Techniken existierten, warum findet man dann keine Spuren davon? Aber gewiss doch, man findet Spuren. Und vielleicht würde man noch mehr Spuren finden, wenn der Geist bereit wäre, sie zu suchen.“

Louis Pauwels machte zwischen 1960 und 1970 gemeinsam mit Jaques Bergier (1912-1978) paranormale Themen und das Problem verschwundener Uralt-Kulturen über die Grenzen seiner französischen Wahlheimat hinaus populär. Pauwels und Bergier vertraten auch die Idee vom „Kreislauf der Menschheit“, also das Konzept einer zyklischen Menschheits- und Zivilisationsgeschichte. Die Autoren belegen, dass der heutige Mensch nur eine Episode in der Geschichte der Menschheit ist und es Zeugnisse von denkenden Wesen und Hochkulturen auf der Erde gibt, die weit älter sind als der Ursprung des Homo sapiens.

Zudem werden wir auch kaum ein Steinzeit-Smartphone ausbuddeln, also müssen wir uns von unseren eigenen Vorstellungen losmachen über das, was wir glauben finden zu wollen, wenn wir nach hochentwickelten Zivilisationen in ferner Vergangenheit suchen. Wieso kann eine völlig anders geartete Zivilisation nicht auch große Leistungen vollbringen? Nur, weil wir ihre Technologie nicht verstehen oder das gesamte Konstrukt, auf dem so eine Kultur hätte aufgebaut gewesen sein können, völlig fremdartig war? Könnte man überhaupt irgendwelche Rückstände oder Spuren in der Umwelt dieser Zeit finden?

Eine ungewöhnliche Hypothese

Ein wichtiges Argument für das weitgehende Fehlen von Spuren ist die mangelnde Langlebigkeit unserer Errungenschaften. Was also finden wir in längeren Zeiträumen von 1.000 oder gar 10.000 Jahren wirklich noch von unserer Zivilisation? Was bleibt wirklich übrig von dem, was wir geschaffen haben?

Fragen drängen sich auf: Was fangen wir mit einzelnen Fragmenten und Artefakte überhaupt an, die wir „nicht so richtig“ in unsere liebgewonnene Chronologie einordnen können? Hätte die Natur solche Errungenschaften, so immens sie auch gewesen sein mögen, nicht schon längst dem Erdboden gleichgemacht? Haben wir seltsame Fragmente uralter Kulturen nicht schon längst und zuhauf gefunden, nur werden sie von der offiziellen Archäologie nicht erkannt oder gar anerkannt? Und was ist mit möglichen Spuren, die Jahrmillionen zurückliegen?

Mit ihrer Studie „Die Silurianische Hypothese: Wäre es möglich, eine industrielle Zivilisation in den geologischen Aufzeichnungen zu entdecken?“ geben der Wissenschaftler Gavian A. Schmidt vom Goddard Institute for Space Studies der NASA und der Astrophysiker Adam Frank von der University of Ro-chester spannende Anhaltspunkte darauf, wie man nach möglichen Hinweisen auf frühere Zivilisationen suchen kann.

Archäologische Funde überdauern im besten Fall nur wenige Jahrtausende, danach wird es angesichts von unglaublich größeren Zeiträumen deutlich schwieriger, von wirklich aussagekräftigen Funden auszugehen. Die Situation unserer menschlichen Zivilisation verdeutlicht es, denn würden wir morgen aussterben, wären von uns schon in wenigen Millionen Jahren vermutlich keine Fossilien mehr zu finden. Nach Gavian A. Schmidt und Adam Frank wäre es eine gute Idee, nach „physiochemischen Spuren früherer Zivilisationen“ zu suchen. Gemeint sind anormale Veränderungen in den Chemikalien innerhalb der geologischen Aufzeichnungen, also Erdschichten, die darauf hindeuten, dass zum Zeitpunkt deren Ab- und Einlagerungen etwas Ungewöhnliches passiert sein muss.

Es ist dem modernen Mainstream geschuldet, dass die beiden Forscher explizit darauf verweisen, dass sie keinen Nährboden für grenzwissenschaftliche Theorien bilden wollen. Frank und Schmidt äußern die Besorgnis, dass ihre eigene Hypothese zu weiteren und deutlich ungezwungeneren Spekulationen führen werden und ihre Arbeit Gefahr laufe, von anderen zur unangemessenen Untermauerung ihrer eigenen Theorien benutzt werden könnten. Bei solchen zurückhaltenden Aussagen bin ich stets nachsichtig mit den Wissenschaftlern: sie trauen sich nicht, einen mutigen Gedanken weiter zu spinnen. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Reputation bleibt ihnen meist verwehrt, die Entstehung solcher Spuren auf die möglichen Rückstände einer Millionen Jahre alten Zivilisation zurückzuführen. Die Fragestellung „Was wäre, wenn?“ mag in der etablierten Wissenschaft immer noch nicht gerne genannt sein, dem Freigeist jedoch sind solche Grenzen nicht gesetzt.

Geologische Anomalien

In unserem Zeitalter, dem Anthropozän, nehmen wir Menschen zunehmend Einfluss auf unsere Umwelt, beispielsweise durch die Nutzung seltener Erden, durch nukleare Strahlung oder die gewaltigen Mengen an Dünger und Plastik oder den Anstieg atmosphärischen Kohlenstoffs. Alle diese und weitere Merkmale unserer modernen Zivilisation sind vermutlich auch noch in Jahrmillionen anhand chemischer Veränderungen der historischen Normalwerte nachweisbar.

Jetzt wird es spannend: Die Wissenschaftler kennen solche geologischen Anomalien aus ferner Zeit bereits. Beispielsweise sind da die sogenannten Eozän-Schichten mysteriösen Ursprungs (EMLOs – Eocene Layers of Mysterious Origin). Hierbei handelt es sich um signifikante negative Kohlenstoffisotopabweichungen, einer Klimaerwärmung und eine vergleichsweise hohe Sedimentationsrate. Darüber hinaus die Erwärmung und der Sauerstoffmangel der Ozeane während des Eozäns vor rund 56 bis 34 Millionen Jahren.

Auch aus der Übergangsepoche zwischen dem Paläozän und dem Eozän stellt das sogenannte „Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum” (PETM) vor etwa 55,8 Millionen Jahren die Wissenschaft vor ein Rätsel. Dabei handeltes es sich um eine nach geologischen Maßstäben sehr kurze, aber extreme Erwärmungsphase von etwa 200.000 Jahren. Bislang ist sich die Fachwelt noch nicht sicher, was sie von diesen Anomalien halten sollen. Aktuell gehen die Forscher von natürlichen tektonischen und vulkanischen Ereignissen aus. Zwischen diesen relativ abrupten Ereignissen und unseren geochemischen Signaturen des Anthropozäns, die noch in Jahrmillionen auffindbar wären, gibt es jedoch erkennbare Parallelen. Spuren von industriellen Aktivitäten einer uralten Zivilisation? Wer weiß das so genau. Ebenso könnte man die provokante Frage stellen: Wer hat also vor Jahrmillionen bereits die Erde verpestet?

Spuren finden

Fossilien aus solchen Zeitperioden sind sehr selten und schwer einzuordnen. Nur sehr wenig ist aus der Zeit vor dem Quartär auffindbar. Daher wird im Rahmen der Hypothese argumentiert, dass bei potentiellen Zivilisationen, die älter als etwa 4 Millionen Jahre sind, kaum die Möglichkeit besteht, direkte Beweise für ihre Existenz durch Objekte oder versteinerte Exemplare ihrer Population zu finden. Daher müssen Evidenzen für eine solche Zivilisation vor allem mittels indirekter Beobachtungen gesucht werden. Beweise für ausgestorbene Zivilisationen könnten natürlich auch technologische Artefakte enthalten. Allerdings ist nach einer derart großen Zeitspanne eher anzunehmen, im Bereich indirekter Hinweise fündig zu werden, wie z.B. Anomalien bei der chemischen Zusammensetzung oder in den Isotopen-Verhältnisse in Sedimenten.

Substanzen, die einen möglichen Beweis für vergangene Zivilisationen darstellen können, sind Kunststoffe und nukleare Abfälle, die tief unter der Erde oder auf dem Meeresboden vergraben sind. Frühere irdische Zivilisationen könnten aber auch so weit entwickelt gewesen sein, dass sie die Weltraumfahrt beherrschten und auf anderen Himmelskörpern wie dem Mond und dem Mars Artefakte hinterlassen haben. Würden wir in Zukunft auf vermeintlich „außerirdische“ Spuren auf fremden Welten stoßen? Search for Extraterrestrial Artifacts (SETA) wäre in jedem Fall auch eine spannende Möglichkeit, Beweise für uralte Artefakte früher Zivilisationen zu finden. Nicht nur auf der Erde, sondern auch auf anderen Planeten und Monden im Sonnensystem.

Mehr zum Thema:

https://www.cambridge.org/core/journals/international-journal-of-astrobiology/article/silurian-hypothesis-would-it-be-possible-to-detect-an-industrial-civilization-in-the-geological-record/77818514AA6907750B8F4339F7C70EC6

Buch zum Thema:

Roland Roth (Hrsg.)

Verloren Verschwunden Vergessen

Vermächtnisse prähistorischer Hochkulturen

Berlin 2023, ISBN: 9783757533731

Preis: EUR 13,50

Seiten: 172, zahlr. Abbildungen

https://www.epubli.com/shop/verloren-verschwunden-vergessen-9783757533731

Rätselhafte Megalithen, frühe Hochkulturen und geheimnisvolles Wissen… Ein kompetentes Autorenteam geht in diesem Essay Fragen und Spuren nach, ob unsere Vorfahren uraltes Wissen nutzten, das noch weitaus älter war. Lesen Sie in diesem Buch von seltsamen archäologischen Funden und bautechnischen Raffinessen, von Monstern, Fabelwesen und geheimnisvollen Orten.

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Über Roland Roth 15 Artikel
Roland Roth, Jahrgang 1971, ist seit vielen Jahren Autor von populärwissenschaftlichen Artikeln in verschiedenen Fachzeitschriften und Anthologien. Sein neues Buch trägt den Titel „Merlins Garten – Mythen, Megalithen und vergangene Welten“. Etliche Reisen und Recherchen an mystischen Plätzen und vergessenen Orten sind seine besondere Leidenschaft. Darüber hinaus ist Roland Roth ein großer Hundefan und engagiert sich in der Altenhilfe.