Sex und Kunst – Eros, Sexualität und Erotik in der Welt der Kunst im Wandel der Zeit

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Sexualität, Aktmalerei und Erotik sind heute fester Bestandteil der Kunstwelt. Das war längst nicht immer so. Die Freiheit, Erotik und Sex ohne Repressionen in ihre Arbeiten zu integrieren, erkämpften sich Künstler erst Ende der 1960er Jahre. In Teilen der Welt ist die Abbildung von Sexualität und Erotik in Kunstwerken noch immer verpönt.

Fest steht jedoch: Mit dem Zeitgeist wandelte sich auch stetig das Bild auf den nackten menschlichen Körper und die Sexualität.

Während in der Antike bereits männliche homoerotische Aktabbildungen üblich waren und von Bevölkerung sowie Kunstliebhabern gleichermaßen geschätzt wurden, war weibliche Sexualität in der Kunst die meiste Zeit ein Tabu. Für ein besseres Verständnis, hilft ein Blick auf die Geschichte der Kunst und Sexualität im Wandel der Zeit.

Kunst und Sex in Zeiten des Christentums

Mit dem Vormarsch des Christentums in Europa verschwanden Abbildungen von Sexualität fast völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung. Das Gebot der Keuschheit galt auch für Künstler. Abbildungen von weiblicher Sexualität galten als ketzerisch, homoerotische Abbildungen in Kunstwerken, wie im antiken Griechenland noch üblich, wurden durch Inquisition verfolgt.

Erst im Zuge der Französischen Revolution und der daraus folgenden zunehmenden Spaltung von Staat und Kirche, kehrten Nacktheit, Sexualität und Erotik langsam in die Kunst zurück.

Ein Kunstwerk, das die Welt verändert hat – Der Ursprung der Welt

Als der französische Künstler Gustave Courbet 1866 sein Gemälde „Der Ursprung der Welt (L’Origine du monde) schuf, ging ein Ruck durch die Kunstwelt. In dem damals skandalträchtigen Ölgemälde zeigt Courbet eine Frau mit geöffneten Beinen, die den Blick auf ihre Vulva und Schambeharrung freigibt. Derartiges war bis dato noch nie dagewesen und hat den Blick auf die weibliche Sexualität und den weiblichen Körper in der Kunst nachhaltig verändert.

Nach seinem Erscheinen verschwand „Der Ursprung der Welt“ aus der Öffentlichkeit, die für Courbet Arbeit seinerzeit nicht bereit war. Das Gemälde befand sich die meiste Zeit im Eigentum von privaten Kunstsammlern und tauchte erst nach dem Tod des Malers wieder in der Öffentlichkeit auf. Das trug zum Mythos um das Kunstwerk ohne Zweifel bei.

Bis heute löst das Bild heftige Reaktionen aus und wird von verschiedenen Gruppen kritisiert. Feministische Initiativen kritisieren, dass Courbet den Weg zur Pornografie geebnet habe, zum vulgären Objektifizieren des weiblichen Körpers und somit auch zur sexuellen Ausbeutung der Frau.

Doch nicht nur Feministinnen lehnen das Bild teilweise ab. Religiöse und konservative Gruppierungen kritisieren das Bild ebenfalls und machen Courbet verantwortlich für einen Sittenverfall in der Kunst.

Sexualität und Kunst heute

Obwohl sich die moralischen Vorstellungen der westlichen Gesellschaft größtenteils hin zu einer liberalen Sexualität gewandelt haben, sorgt die Mischung zwischen Sex und Kunst nach wie vor für Kontroversen.

Insbesondere die verschwommenen Grenzen zwischen der Abbildung von Sexualität und Pornografie, wie sie seit den Nullerjahren üblich ist, wird von vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Kunstwelt nicht akzeptiert.

Manche Kunstliebhaber schätzen jedoch genau das. Kunst, die geprägt ist durch liberale Sexualvorstellungen, befreit auch die weibliche Lust, nach Meinung ihrer der Befürworter. Ohne die verschwommen Grenzen zwischen Pornografie, Sexualität und Kunst gäbe es nach Ansicht vieler Menschen keine sexuelle Freiheit. Sexspielzeige wie der Dildo, der für weibliche Lust sorgt, seien nur möglich durch eine visuelle Darstellung aller Formen der Sexualität.

Die Reinheit von subtiler Erotik, so glauben Kunstexperten, sei nur noch bedingt zeitgemäß. Stattdessen werden alle Facetten der Sexualität und des menschlichen Körpers in der Kunst widergespiegelt. Als Abbild einer liberalen Gesellschaft, die sich noch immer von vergangenen Moralvorstellungen im Zusammenhang mit Sexualität befreit.

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