Èmile Durkheims Verständnis der, auf den Menschen als sog. ,,homo duplex“ einwirkenden, Unausweichlichkeit ,,sozialer Tatsachen“

Der französische Soziologe Emile Durkheim (1858 – 1917) hat sich innerhalb der frühen Moderne im Zuge des Übergangs von der ständisch organisierten feudalen Gesellschaftsordnung hin zur komplexen individuellen Marktwirtschaft mit dem, aufgrund zunehmender Arbeitsteilung vorangetriebenen, Differenzierungsprozess beschäftigt (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 687ff.). Damit hatten sich zuvor bereits Auguste Comtè, Karl Marx oder Herbert Spencer beschäftigt. Aufgrund der gesellschaftlichen Umbrüche Frankreichs Ende des 19.Jhds./Anfang des 20.Jhds., gilt Durkheims Interesse der Frage, auf welche Art und Weise sich, resultierend aus dem Problem sozialer Differenzierung und sozialer Integration, gesellschaftliche Ordnung und sozialer Zusammenhalt gestaltet. Er fragt danach, wie innerhalb dieses fortschreitenden Modernisierungs- bzw. Differenzierungsprozesses der frühen Moderne weiterhin soziale Ordnung, Integration und Solidarität gewährleistet werden kann, wenn die Menschen bzw. deren Lebenskonzepte doch zusehends individueller werden und dadurch in stärkerem Maße auseinanderdriften (vgl. Kaesler. 2006: 158ff.)? Wie ist es zudem möglich, dass das Individuum, obwohl es innerhalb der strukturell differenzierten Gesellschaft immer individueller, autonomer und selbstständiger zu werden scheint, doch immer stärker von der Gesellschaft abhängt? Der Modernisierungsprozess, den Durkheim versucht auf der Ebene der Differenzierung zu erforschen, brachte jedoch auch einen nie dagewesenen ökonomischen, wissenschaftlichen und technischen Fortschritt mit sich, welcher die Gesellschaft fortan – fast schon im Sinne eines Religionsersatzes – rational gestaltet. Durkheim deckt, als wesentliche Einflussgründe, die verborgenen Ursachen gesellschaftlicher Phänomene auf (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 67ff.; vgl. Giddens. 1999: 8f.) und betrachtet – innerhalb des 20. Jhds. daran anschließend Berger und Luckmann – die Komponenten ,,Raum“ und ,,Zeit“ als kulturelle, von den Menschen selbst geschaffene, Konstruktionen. Diese sind sowohl durch ,,soziale Tatsachen“, sprich gesellschaftliche Zwänge, Regeln und Normen, alsauchdurch, vondenMenschen alsnatürlich wahrgenommene, Denkkategorien bestimmt, welche einen sozialen Ursprung[1] haben. Durkheim charakterisiert die Gesellschaft: ,,als eine Realitätsebene sui generis, die nicht auf anderes reduziert werden kann. (…) Soziales kann nur aus Sozialem erklärt werden“ (Rosa/Strecker/Kottmann: 2007: 86. Hervorheb. i. O.).Laut Durkheim sind sämtliche individuellen Handlungen letztlich auf eine überindividuelle soziale Wirklichkeit zurückzuführen, die er als sog. ,,kollektives Bewusstsein“ bezeichnet. Dieses Bewusstsein verkörpert, ihm zufolge, den Handlungsrahmen aller Soziabilität. Somit sind rein individuelle, von der kollektiven Macht des Sozialen unabhängige, Handlungen kaum bzw. gar nicht möglich.

Der Einfluss ,,sozialer Tatsachen“ auf den Menschen als ,,homo duplex“

Entscheidend für Durkheims Analyse der Determiniertheit des Menschen durch ,,soziale Tatsachen“ ist dessen Menschenbild. Durkheim ist der fundamentalen Auffassung, der Mensch sei ein ,,Doppelwesen“, ein sog. ,,homo duplex“, bestehend aus zwei Teilen: Zum einen aus einem natürlichen Teil, der die menschlichen Triebe und Bedürfnisse umfasst, zum anderen aus einem sozialen Teil, bestehend aus internalisierten kulturellen Normen/Regeln und gesellschaftlich geprägten, auf den Menschen einwirkenden, Zwängen (vgl. Durkheim. 1897: 237f.). Als problematisch erweist sich der Umstand, diese beiden Teile – sowohl den natürlichen, als auch den sozialen – in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Durch die auf die Menschen von außen einströmenden ,,sozialen Tatsachen“, sprich durch die gesellschaftlichen Zwänge, wird der natürliche Teil im Menschen stetig wachsend eingeengt bzw. begrenzt und der soziale Teil nimmt dermaßen Überhand, bis dieser den natürlichen, urwüchsigen Teil im Menschen nach und nach komplett verdrängt (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 72f.). ,,Die Gesellschaft begegnet dem Menschen als etwas, das ihm vorausliegt und ihm äußerlich ist; denn es handelt sich dabei um etwas, auf das der Mensch als natürliches Bedürfnis trifft und das sich nicht erst aus seinen Trieben und Wünschen ergibt“ (ebd. 72).Durkheim gelingt es zu zeigen, dass individuellste, intime Phänomene (wie bspw. Selbstmorde) nicht zwangsläufig durch psychische oder biologische Ursachen zustande kommen, sondern demgegenüber durch ,,soziale Tatsachen“ bewirkt bzw. hervorgebracht werden. Diese üben, als gesellschaftlich wirksame Macht, eine gegenüber dem Willen der Individuen verselbstständigende Wirkung aus. ,, ,,Soziale Tatsachen“ führen quasi ein Eigenleben gegenüber den individuellen Handlungen, in denen sie sich nur äußern und lassen sich von Durkheim wie folgt definieren: ,Ein sozialer Tatbestand ist jede mehr oder minder festgelegte Art des Handelns, die die Fähigkeit besitzt, auf den Einzelnen einen äußeren Zwang auszuüben[2]; oder auch, die im Bereiche einer gegebenen Gesellschaft allgemein auftritt, wobei sie ein von ihren individuellen Äußerungen unabhängiges Eigenleben besitzt‘ “ (Durkheim. 1895: 114). Zur Verdeutlichung des normativen und verbindlichen Charakters gesellschaftlicher Regeln/Zwänge vergleicht Durkheim ,,soziale Tatsachen“ auch mit bzw. bezeichnet diese auch als Institutionen: ,,Tatsächlich kann man, ohne den Sinn dieses Ausdrucks zu entstellen, alle Glaubensvorstellungen und durch die Gesellschaft festgesetzten Verhaltensweisen Institutionen nennen“ (ebd. 100).Darüber hinaus betont er die Irrelevanz des persönlichen menschlichen Willens innerhalb des bestimmt Seins durch ,,soziale Tatsachen“: ,,Der verhaltensregulierende Zwang, den die Gesellschaft auf das Individuum ausübt, hängt dabei keineswegs davon ab, dass dieses sich mit den gesellschaftlich geltenden Pflichten identifiziert“ (Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 73).Neben ihrer Äußerlichkeit und dem zwingenden Charakter, weisen ,,soziale Tatsachen“ das Charakteristikum der Allgemeinheit auf. ,,Nicht bei allen Phänomenen, die in einer Gesellschaft allgemein auftreten, handelt es sich um soziale Tatsachen; aber alle soziale Tatsachen sind allgemein. Ihre Allgemeinheit resultiert daraus, dass Institutionen, die sozial anerkannt sind, wie z.B. das Händeschütteln als Begrüßungsritual, die kollektive Macht der Gesellschaft verkörpern. Diese Macht drängt sich den Individuen auf. (…) Die Allgemeinheit ist im Fall sozialer Tatsachen mithin eine Folge des Zwangs, der vom Willen um gesellschaftliche Erwartungen und Sanktionen ausgeht, mit denen im Fall einer Verletzung dieser Erwartungen zu rechnen ist“ (ebd.: 73).Durkheim differenziert drei Ebenen ,,sozialer Tatsachen“ nach dem Grad ihrer Strukturiertheit: Erstens die Morphologie – das materielle Substrat der Gesellschaft –, zweitens die Institutionen – die normative Sphäre in Form von Regeln wie Recht, Moral, kollektiven Überzeugungen oder Gewohnheiten – und drittens die kollektiven Repräsentationen – der symbolische Bereich, der sich entweder zu gesellschaftlich tradierten Werten verfestigt oder als sog. Zeitgeist fortbesteht (vgl. Thompson. 2002: 60). Durkheims Ausführungen zur Erfassung sozialer Tatsachen lassen sich in folgender Grundregel zusammenfassen: ,,Die erste und grundlegendste Regel besteht darin, die soziologischen Tatbestände wie Dinge zu betrachten“[3] (Durkheim. 1895: 115. Hervorheb. S. W.). Diese Denkart resultiert aus der Auffassung, die Soziologie befasse sich mit der Analyse von Phänomenen, die vom Willen des Individuums unabhängig sind und diesen einen Widerstand entgegensetzen (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 75). Natürlich handelt es sich bei ,,sozialen Tatsachen“ nicht um materielle Dinge, sondern ,,vielmehr um Vorstellungen und Erwartungen, aber eben solche, die, weil sie kollektiv sind, in ähnlicher Weise auf uns wirken können wie Materie. Deswegen muss die Soziologie ihre Gegenstände aus derselben Perspektive betrachten wie die Naturwissenschaft die ihrigen; aus der distanzierten Perspektive der (grammatisch) 3. Person, nicht als einen Effekt meines Willens (1. Person), auch nicht als ein Gegenüber (2. Person), das wir mit Gründen überzeugen können, sondernals einEtwas, das Ursachen hat und selbst Wirkungen verursacht (bzw. erzwingt)“[4] (ebd.). Durkheim geht, wie bereits erwähnt, bei der Erklärung des Zustandekommens ,,sozialer Tatsachen“ und dem Aufzeigen dieser auf das menschliche Verhalten davon aus, dass Soziales nur durch Soziales erklärt werden kann und sich soziale Phänomene nicht auf psychologische oder biologische Ursachen zurückführen lassen. Auch wenn diese erkenntnistheoretische Grundhaltung des Positivismus im Ursprung auf Auguste Comtè zurückgeht, kann, angesichts der ausgeführten methodischen Vorgehensweise, Durkheim als der Klassiker einer positivistischen Soziologie bezeichnet werden (ebd. 77).

Die Problematik der Emergenz

Bei den frühen Ansätzen soziologischen Denkens bezüglich gesellschaftlicher Belange, die noch sehr stark von der spekulativen Philosophie beeinflusst waren, handelt es sich, Durkheim zufolge, nicht um Wissenschaft im eigentlichen Sinne. Wissenschaft versteht er nämlich als Naturwissenschaft, welche die Aufgabe hat Gesetzmäßigkeiten zu erforschen. Diesen Anspruch, der Untersuchung und Analyse der Gesetzmäßigkeiten des sozialen Zusammenlebens, hat, ihm zufolge, die Soziologie als Wissenschaft ebenfalls zu erfüllen (vgl. Elder-Vass. 2010: 351f.). Durkheim bemüht sich daher zu zeigen, dass soziale Phänomene weder auf Gegenstände anderer Wissenschaften reduziert werden können noch, dass sich die Gesellschaft nicht schlicht als Aggregat von Menschen bezeichnet lässt (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 70; vgl. Kaesler. 2006: 155f.). ,,Das Ganze ist nicht nur mehr als die Summe seiner Teile, sondern auch etwas qualitativ anderes: ein emergentes Phänomen. (…) Als emergent werden Dinge bzw. Ganzheiten oder Entitäten bezeichnet, die Eigenschaften aufweisen, die den Teilen fehlen, aus denen sich das Ganze zusammensetzt. So handelt es sich z. B. bei Wörtern um emergente Phänomene, weil ihre Bedeutung sich nicht aus den Buchstaben erschließen lässt, aus denen sie sich jeweils zusammensetzen. (…) Durkheim bemüht sich um den Nachweis, dass auch die Gesellschaft bzw. soziale Phänomene einer eigenen Emergenzebene angehören“ (Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 70). Zu Durkheims Lebzeiten existierten bereits Ansätze wissenschaftlicher Analysen gesellschaftlicher Phänomene, allerdings sind diese auf außergesellschaftliche Erklärungen, die den Nutzen oder die subjektive Motivation der Individuen in den Fokus rückten, reduziert worden. Durkheim ist zur Etablierung der Soziologie als Wissenschaft – in heutigem naturwissenschaftlich orientiertem Sinne – nach folgender Argumentationsstruktur vorgegangen: ,,Zunächst wurden nicht-soziologische Erklärungen sozialer Phänomene kritisiert, um sodann zeigen zu können, dass diese soziologisch erklärt werden können“ (ebd.: 72f.).
Der durkheimsche Begriff des Kollektivbewusstseins

Als Kollektivbewusstsein bezeichnet Durkheim: ,,die Gesamtheit der gemeinsamen religiösen Überzeugungen und Gefühle im Durchschnitt der Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft; es bildet ein umgrenztes System, das sein eigenes Leben hat“ (Durkheim 1893. 128). Es sind somit mit dem Ausdruck ,,Kollektivbewusstsein“ kollektive Überzeugungen und Erwartungen gemeint, in denen den Individuen die gesellschaftliche Macht in Form ,,sozialer Tatsachen“ ausschließlich auf symbolischer Ebene gegenübertritt, die nicht aber die normative Ebene der Institutionen beinhaltet (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 79; vgl. ferner Schneider. 2010: 427f.). Der durkheimsche Ausdruck des ,,Kollektivbewusstseins“ bezeichnet Überzeugungen und Erwartungen, in denen sich die kollektive gesellschaftliche Macht wiederspiegelt und sich den Individuen in Form von ,,sozialen Tatsachen“ förmlich unbemerkt aufdrängt, ungeachtet der Tatsache, ob Menschen dies wollen oder nicht. ,,Wir finden also besondere Arten des Handelns, Denkens, Fühlens, deren wesentliche Eigentümlichkeit darin besteht, daß sie außerhalb des individuellen Bewußtseins existieren. Diese Typen des Verhaltens und des Denkens stehen nicht nur außerhalb des Individuums, sie sind auch mit einer gebieterischen Macht ausgestattet, kraft deren sie sich jedem aufdrängen, er mag wollen oder nicht“ (Durkheim. 1895: 106).In dem Aufsatz ,,Über einige primitive Formen der Klassifikation“, den Durkheim mit Mauss[5] zusammen verfasst hat, arbeiten beide heraus, dass sich in manifestierten Vorstellungen der Menschen, deren Ursprung vorwiegend die Religion darstellt, die Macht der Gesellschaft wiederspiegelt (vgl. Durkheim/Mauss. 1903: 169f.).
Anschließend bleibt noch zu erwähnen, dass Parsons und Luhmann Durkheims Konzept der funktionalen Differenzierung der Gesellschaft kritisch weiterentwickeln und auch Bourdieus Habitus-Konzept als Fortentwicklung des Durkheimschen Idee des ,,Kollektivtyps“ bezeichnet werden kann. Durkheim – und damit einhergehend auch Autoren wie Mauss oder Halbwachs – haben, durch den Ansatz des unausweichlichen Einwirkens ,,sozialer Tatsachen“ auf das Handeln der Menschen, die französische Soziologie, vor allem strukturalistische Autoren wie Lèvi-Strauss oder Foucault, stark beeinflusst bzw. geprägt.


Literaturverzeichnis:

Durkheim, Emile. (1893): Über soziale Arbeitsteilung. Studie über die Organisation höherer Gesellschaften. Frankfurt am Main: Suhrkmap Verlag.

Durkheim, Emile. (1895): Die Regeln der soziologischen Methode. Hg. von Renè
König. Frankfurt am Main. (2002).

Durkheim, Emile. (1897): Der Selbstmord. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

Durkheim, Emile/Mauss, Marcel. (1903): Über einige primitive Formen von
Klassifikation. In: Durkheim, Emile: Schriften zur Soziologie der Erkenntnis.
Hg. von Hans Joas. Frankfurt am Main. (1993).

Elder-Vass, Dave. (2010): The emergence of culture. In: Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderheft 50. 2010. S. 351 – 363.

Giddens, Anthony. (1999): Soziologie. Graz – Wien: Nausner & Nausner Verlag.

Kaesler, Dirk. (2005): Aktuelle Theorien der Soziologie. Von Shmuel N. Eisenstadt bis zur Postmoderne. München: C. H. Beck Verlag.

Rosa, Hartmut/Strecker, David/Kottmann, Andrea. (2007): Soziologische Theorien. Èmile Durkheim – Differenzierung 1. Konstanz: UVK Verlag. S. 67 – 88.

Schneider, Wolfgang Ludwig. (2010): ,,Kultur als soziales Gedächtnis“. In: Kölner
Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderheft 50. 2010.

Thompson, Ken.(2002): Emile Durkheim. London/New York.

[1] Anzumerken sei an dieser Stelle, dass sich Durkheim mit der Einstellung ,,alles habe einen sozialen Ursprung“ zwischen die Position des Apriorismus – Denkkategorien sind dem menschlichen Geiste bereist vor jeglicher Erfahrung einsichtig – und die Position des Empirismus – Denkkategorien entspringen der Erfahrung und sind daher erst nach der Erfahrung existent und dem menschlichen Geiste zugängig – stellt.
[2] Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass in der deutschen Übersetzung von Durkheims ,,Regeln der soziologischen Methode“ der Begriff fait social irreführend mit ,,sozialer Tatbestand“ übersetzt ist – zur Begründung siehe Einleitung von Rene König. In vorliegendem Text ist aber, zur Vereinheitlichung und dem Entgehen von Verwirrungen beim Lesen, durchgängig die durkheimscheBezeichnung ,,soziale Tatsachen“ gewählt.
[3] Hier ist, wie bereits erwähnt, erneut darauf hinzuweisen, dass der Terminus ,,soziologische Tatbestände“ gleichzusetzen ist mit ,,sozialen Tatsachen“ und in vorliegendem Text ausschließlich der letzt genannte Terminus Gebrauch findet.
[4] Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass Durkheim zur naturwissenschaftlichen Betrachtung der durch die Gesellschaft auf die Individuen einwirkenden sozialen Tatsachen drei ,,idealistisch“ anmutende Regeln aufgestellt hat, die hier kurz Erwähnung finden sollen. Erstens sind – zur Vermeidung von Ideologien – sämtliche traditionellen Vorstellungen vom Forschungsgegenstand auszuschalten. Zweitens ist der Forschungsgegenstand über beobachtbare Eigenschaften und allgemeine Tatsachen zu erschließen und es sind subjektive Verzerrungen zu vermeiden. Und drittens sind Gesellschaften – aufgrund ihres historischen Wandels – anhand der von ihrem Entwicklungsstand abhängigen Struktur (der Synthesis) zu klassifizieren. vgl. (Rosa/Strecker/Kottmann. 2007: 76f.).
[5] An dieser Stelle möchte ich erwähnt wissen, dass Marcel Mauss – genauso wie Halbwachs – Schüler Durkheims gewesen und stark von dessen Theoriekonzept und Terminologie geprägt ist. Vgl. ferner Erll. 2005: 14f.

Über Weiß Susanne 31 Artikel
Susanne Weiß, geboren am 26.06.1987, ist Studentin der Soziologie und Philosophie an der TU Darmstadt. Nach dem Masterabschluss strebt sie eine Promotion und eine universitäre Laufbahn – im Idealfall innerhalb der Bildungs-, Wissens- oder Kultursoziologie – an. Sie ist aktiv als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich ,,Methoden der empirischen Sozialforschung“ tätig.

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