CDU berät nach drei Wahlniederlagen über Kurs und Führung

CDU-Logo

Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin steht die CDU unter erheblichem Druck. Besonders schwer wiegt das Ausscheiden aus dem Landtag in Schwerin. Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz muss zugleich mit sehr niedrigen Zustimmungswerten umgehen.

Historisches Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die CDU mit 4,89 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Damit verpasste sie erstmals seit 1949 bei einer Landtags-, Bundestags- oder Europawahl den Einzug in ein Parlament. In Berlin blieb die CDU bei 18,8 Prozent und damit deutlich hinter der Linken, die 25,7 Prozent erreichte. Auch in Sachsen-Anhalt verlor die Partei erheblich.

Die drei Wahlen hatten unterschiedliche regionale Voraussetzungen. In Mecklenburg-Vorpommern spielte die Landespolitik eine andere Rolle als in Berlin; Sachsen-Anhalt hat wiederum eine eigene Parteienstruktur. Trotzdem wurden die Ergebnisse bundespolitisch gelesen, weil sie innerhalb weniger Wochen aufeinander folgten und die CDU in allen drei Ländern schwach abschnitt.

Merz mit niedrigen Zustimmungswerten

Der Druck auf Friedrich Merz wird durch bundesweite Umfragen verstärkt. Im ARD-Deutschlandtrend Anfang Oktober waren nur zehn Prozent mit seiner Arbeit zufrieden; 88 Prozent waren weniger oder gar nicht zufrieden. In der Sonntagsfrage lag die Union bei 20 Prozent. Eine Insa-Erhebung wenige Tage später sah CDU und CSU bei 18 Prozent und die AfD bei 30 Prozent.

Innerhalb der Union werden deshalb Reformtempo und Kommunikation diskutiert. Aus Landesverbänden kommen Forderungen nach schnelleren Entscheidungen bei Wirtschaft, Energie, Migration und Sozialversicherungen. Der Beitrag über die Koalitionskonflikte zwischen Union und SPD beschreibt, wie eng die parteiinterne Debatte mit der Arbeit der Bundesregierung verbunden ist.

Präsidium berät am 11. Oktober

Das CDU-Präsidium will am 11. Oktober über die Konsequenzen beraten. Eine formelle Führungsdebatte wurde von der Parteispitze bislang nicht eröffnet. Zugleich gibt es Spekulationen über andere führende Unionspolitiker, darunter Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst. Wüst selbst weist Ambitionen auf eine kurzfristige Ablösung des Parteivorsitzenden zurück.

Für die CDU steht neben der Personalfrage vor allem der politische Kurs im Mittelpunkt. Die Partei führt die Bundesregierung und kann sich deshalb nicht allein auf Oppositionskritik stützen. Parallel verändern sich die Kräfteverhältnisse im Parteiensystem. Die AfD erreichte in einer Insa-Umfrage 30 Prozent, während die Union auf 18 Prozent fiel. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die geplanten Reformen die Lage stabilisieren; aus den bisherigen Wahlergebnissen allein lässt sich keine Entwicklung für spätere Wahlen ableiten.

Regionale Ergebnisse unterscheiden sich deutlich

Die drei Landtagswahlen lassen sich nicht zu einem einzigen Wahlergebnis zusammenfassen. In Mecklenburg-Vorpommern war das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde der tiefste Einschnitt. In Berlin blieb die CDU im Parlament, verlor aber gegenüber der Linken den Kampf um Platz eins. In Sachsen-Anhalt veränderte vor allem der starke AfD-Zuwachs das Kräfteverhältnis. Für die Bundespartei entsteht der Druck aus der zeitlichen Nähe der Niederlagen, nicht aus identischen regionalen Ursachen.

Parteiforscher unterscheiden deshalb zwischen landespolitischen Faktoren und bundespolitischem Stimmungseinfluss. Spitzenkandidaten, Koalitionen und regionale Themen können Ergebnisse stark verändern. Gleichzeitig wirkt die Bewertung einer Bundesregierung häufig auf Landtagswahlen zurück. Für Merz ist diese Trennung politisch schwierig, weil er sowohl Kanzler als auch CDU-Vorsitzender ist und damit für beide Ebenen sichtbar Verantwortung trägt.

Über Stefan Groß-Lobkowicz 2331 Artikel
Dr. Dr. Stefan Groß-Lobkowicz, Magister und DEA-Master (* 5. Februar 1972 in Jena) ist ein deutscher Philosoph, Journalist, Publizist und Herausgeber. Er war von 2017 bis 2022 Chefredakteur des Debattenmagazins The European. Davor war er stellvertretender Chefredakteur und bis 2022 Chefredakteur des Kulturmagazins „Die Gazette“. Davor arbeitete er als Chef vom Dienst für die WEIMER MEDIA GROUP. Groß studierte Philosophie, Theologie und Kunstgeschichte in Jena und München. Seit 1992 ist er Chefredakteur, Herausgeber und Publizist der von ihm mitbegründeten TABVLA RASA, Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken. An der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeitete und dozierte er ab 1993 zunächst in Praktischer und ab 2002 in Antiker Philosophie. Dort promovierte er 2002 mit einer Arbeit zu Karl Christian Friedrich Krause (erschienen 2002 und 2007), in der Groß das Verhältnis von Metaphysik und Transzendentalphilosophie kritisch konstruiert. Eine zweite Promotion folgte an der "Universidad Pontificia Comillas" in Madrid. Groß ist Stiftungsrat und Pressesprecher der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung. Er ist Mitglied der Europäischen Bewegung Deutschland Bayerns, Geschäftsführer und Pressesprecher. Er war Pressesprecher des Zentrums für Arbeitnehmerfragen in Bayern (EZAB Bayern). Seit November 2021 ist er Mitglied der Päpstlichen Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice. Ein Teil seiner Aufsätze beschäftigt sich mit kunstästhetischen Reflexionen und einer epistemologischen Bezugnahme auf Wolfgang Cramers rationalistische Metaphysik. Von August 2005 bis September 2006 war er Ressortleiter für Cicero. Groß-Lobkowicz ist Autor mehrerer Bücher und schreibt u.a. für den "Focus", die "Tagespost".