Ampel: Wenn aktuell eine Bundestagswahl stattfände, würde sie ihre parlamentarische Mehrheit verlieren

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Die Ampel-Koalition ist schlecht ins noch junge Jahr gestartet. Wenn aktuell eine Bundestagswahl stattfände, würde sie ihre parlamentarische Mehrheit verlieren. Reichen würde es derzeit für eine schwarz-rote GroKo und eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Bündnis90/Die Grünen und FDP. Auch eine alleinige Mehrheit von Union und Grünen scheint zumindest möglich. Viele Beobachter sehen in dieser Konstellation das Koalitionsmodell der Zukunft.

Dabei wird gerne übersehen, dass die derzeitigen Wähler der Union und der Grünen von einer Koalition auf Bundesebene zwischen ihren Parteien erst noch überzeugt werden müssten: Fast jeder dritte Unionswähler (31 Prozent) findet, die Grünen sollten gar nicht dem Bundestag angehören und nicht einmal jeder vierte Unionswähler (24 Prozent) möchte, dass die Grünen an der Regierung beteiligt sind. Aber auch von Seiten der Grünen-Wähler ist die CDU/CSU nicht der Wunschpartner: Zwei Drittel (66 Prozent) wünschen sich die Unionsparteien nicht an der Regierung (57 Prozent) oder gar nicht im Bundestag (9 Prozent). Nur vier Prozent der Grünen-Wähler meinen, die Union sollte die Regierung anführen und den Bundeskanzler stellen und jeder fünfte dieser Wähler-Gruppe (20 Prozent) meint, die Union sollte an der Regierung beteiligt sein. Zum Vergleich: 72 Prozent der Grünen-Wähler finden, die SPD sollte die Regierung anführen und den Bundeskanzler stellen (11 Prozent) oder an der Regierung beteiligt sein (61 Prozent).

Die grün-schwarzen bzw. schwarz-grünen Landesregierungen in Baden-Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben nichts daran geändert, dass ein großer Teil der Wählerschaft beider Parteien miteinander fremdelt. Das wird sich schon sehr bald in Berlin zeigen: Rechnerisch mag es dann Konstellationen geben, die ein Bündnis zwischen Grünen und Union möglich machen könnten, politisch wird sich eine solche Koalition aber eher nicht durchsetzen lassen.

Union weiterhin vorne

Die Werte der Union (27 %), der SPD (20 %), der Grünen (17,5 %), der AfD (15 %) sowie der FDP (7,5 %) bleiben in dieser Woche jeweils unverändert, während die Linke (5 %) einen halben Prozentpunkt zulegt.

Bei den sicheren Wählern kann keine Partei Gewinne erzielen, wohingegen die Union hier einen Prozentpunkt verliert. Der Anteil an sicheren Wählern der anderen Parteien bleibt jeweils konstant.

Den Anteil an potentiellen Wählern kann die FDP sowie die AfD jeweils um einen Prozentpunkt und die Union um zwei Prozentpunkte erhöhen, wohingegen die Linke hier einen Prozentpunkt und die Grünen zwei Prozentpunkte verlieren. Einzig das Potential der SPD bleibt stabil.

Den Anteil an Befragten, die grundsätzlich ausschließen, die jeweilige Partei zu wählen, kann in dieser Woche die Linke um einen Prozentpunkt und die AfD um zwei Prozentpunkte verringern, wohingegen die SPD, die Grünen sowie die FDP diesen Anteil jeweils um einen Prozentpunkt erhöhen. Einzig das Negativpotential der Union bleibt konstant.

„Vor welchen der folgenden Dinge haben Sie in diesem Jahr persönlich am meisten Angst?“

Annährend ein Drittel der Befragten (31 %) hat vor einer Geldentwertung in diesem Jahr am meisten Angst. 25 Prozent macht die weltpolitische Lage am meisten Angst. Die anderen abgefragten Antwortoptionen erreichen jeweils einen einstelligen Wert: Neun Prozent nennen den Klimawandel, jeweils acht Prozent den sozialen Abstieg sowie Spannungen durch den Zuzug von Ausländern, jeweils fünf Prozent nennen die Corona-Pandemie sowie Kriminalität und jeweils zwei Prozent Terrorismus sowie Wohnungsnot. Weitere zwei Prozent haben vor keiner der abgefragten Optionen Angst. Jeweils ein Prozent kann oder will hier keine Einschätzung abgeben.

Mit zunehmendem Lebensalter der Befragten sinkt tendenziell der Anteil derer, welche vor der Geldentwertung in diesem Jahr am meisten Angst haben, von 38 bis 41 Prozent bei den 18- bis 49-Jährigen bis auf lediglich 17 Prozent bei den ab 70-jährigen Umfrageteilnehmern. Entsprechend umgekehrt verhält sich der Alterstrend bei denjenigen, deren die weltpolitische Lage am meisten besorgt (von 12 auf 39 %), sowie tendenziell bei jenen, welche die Spannungen durch den Zuzug von Ausländern angeben (von 3 auf 12 %). Insgesamt nennen Befragte zwischen 18 und 59 Jahren jeweils relativ-mehrheitlich die Inflation (30 – 41 %), während Umfrageteilnehmer ab 60 Jahren jeweils relativ-mehrheitlich die weltpolitische Lage anführen (34 bzw. 39 %).

Einzig Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro oder mehr sind sich uneins, ob ihnen die Geldentwertung (30 %) oder die aktuelle weltpolitische Lage (31 %) in diesem Jahr am meisten Angst bereitet. Somit geben diese die weltpolitische Lage häufiger als die anderen Einkommensgruppen an (31 zu 21 – 24 %). Auch der Klimawandel wird von den Umfrageteilnehmern in der obersten Einkommensgruppe am häufigsten genannt (13 zu 5 – 10 %). Allen anderen Einkommensgruppen macht die Inflation jeweils relativ-mehrheitlich am häufigsten die meiste Sorgen (30 – 35 %).

Bei allen Befragtengruppen überwiegt jeweils (knapp) relativ-mehrheitlich der Anteil derer, welchen in diesem Jahr die Geldentwertung die meisten Sorgen bereitet (29 – 32 %). Befragte, welche sich links der politischen Mitte positionieren, nennen außerdem häufiger als die beiden anderen Befragtengruppen den Klimawandel (14 zu 8 bzw. 6 %). Umfrageteilnehmer, welche sich rechts der Mitte einordnen, geben die Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (deutlich) am häufigsten an (16 zu 3 bzw. 8 %). Diese führen hingegen die weltpolitische Lage seltener als die beiden anderen Befragtengruppen an (22 zu 26 bzw. 28 %).

Wähler der AfD (30 %), der FDP (34 %) sowie der Linke (43 %) haben jeweils relativ-mehrheitlich vor der Inflation in diesem Jahr am meisten Angst. Wähler der SPD nennen knapp relativ-mehrheitlich die weltpolitische Lage (30 %). Wähler der Union sind zwischen Geldentwertung (31 %) und der weltpolitischen Lage (30 %) gespalten. AfD-Wähler führen außerdem deutlich am häufigsten die Spannungen durch den Zuzug von Ausländern an (24 zu 1 – 9 %) und Grünen-Wähler erwartungsgemäß den Klimawandel (24 zu 2 – 12 %).

„Ich habe am Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Anteil genommen.“

Die absolute Mehrheit von 61 Prozent der Befragten hat am Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. keinen Anteil genommen. Ein Viertel der Befragten (25 %) hat dies hingegen getan. Jeweils sieben Prozent können und wollen hierzu keine Auskunft erteilen.

Sämtliche Altersgruppen haben jeweils absolut-mehrheitlich am Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. keinen Anteil genommen (57 – 66 %). Mit steigendem Alter steigt der Anteil derer, welche Anteil am Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. genommen haben, von 17 Prozent bei den jüngsten bis auf 29 Prozent bei den ältesten Befragten an.

Auch wenn bei sämtlichen Religions- bzw. Konfessionsgruppen der Anteil derer überwiegt, welche am Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. keinen Anteil genommen haben, geben dies evangelisch-landeskirchliche (62 %) sowie konfessionslose Befragte (75 %) deutlich häufiger als die anderen Religionsgruppen (45 – 52 %) an. Erwartungsgemäß haben römisch-katholische Befragte (41 %) am häufigsten Anteil am Tod von Papst Benedikt XVI. genommen, gefolgt von freikirchlichen Befragten (37 %; Rest: 15 – 27 %).

Alle Wählergruppen haben jeweils mehrheitlich am Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. keinen Anteil genommen (49 – 75 %), wobei Wähler der Union dies hingegen häufiger als die anderen Wählergruppen getan haben (36 zu 18 – 28 %).

„Der Dreikönigstag (6. Januar) sollte in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag sein.“

Eine absolute Mehrheit von 55 Prozent der Befragten spricht sich dafür aus, dass der Dreikönigstag (6. Januar) in ganz Deutschland zum gesetzlichen Feiertag erklärt werden sollte, wobei befragte Frauen dies häufiger als Männer so befinden (59 zu 51 %). Etwa ein Viertel der Befragten (24 %) spricht sich dagegen aus, wobei sich Männer entsprechend häufiger als Frauen dagegen aussprechen, dass der Dreikönigstag in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird (27 zu 21 %). 17 Prozent der Befragten wissen nicht, wie sie sich zu dieser Frage positionieren sollten. Vier Prozent machen dazu keine Angabe.

Auch wenn bei sämtlichen Altersgruppen jeweils der Anteil derer überwiegt, die sich dafür aussprechen, dass der Dreikönigstag in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag sein sollte, sinkt dieser Anteil mit zunehmendem Lebensalter von 66 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen bis auf 41 Prozent bei den ab 70-jährigen Befragten. Entsprechend umgekehrt verhält es sich tendenziell bei jenen, die dagegen sind (von 16 auf 37 %).

Beide Befragtengruppen sprechen sich jeweils absolut-mehrheitlich dafür aus, dass der Dreikönigstag in ganz Deutschland zum gesetzlichen Feiertag erklärt wird, wobei Befragte aus dem Westen Deutschlands dies häufiger als jene aus dem Osten angeben (57 zu 50 %). Letztere sprechen sich entsprechend häufiger dagegen aus (31 zu 22 %).

Alle Religions- bzw. Konfessionsgruppen sind jeweils mehrheitlich dafür, dass der Dreikönigstag in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag sein sollte (46 – 63 %), wobei konfessionslose Befragte sich am häufigsten dagegen aussprechen (30 zu 21 – 22 %) und islamische Befragte hier deutlich am häufigsten nicht wissen, wie sie sich zu dieser Frage positionieren sollen (31 zu 14 – 20 %).

Alle Wählergruppen sind jeweils mehrheitlich dafür, dass der Dreikönigstag in ganz Deutschland als ein gesetzlicher Feiertag aufgeführt werden sollte, wobei Grünen-Wähler (46 %) dies relativ-mehrheitlich und alle anderen Wählergruppen (54 – 65 %) jeweils absolut-mehrheitlich angeben.

Über Hermann Binkert 3 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.