Ausstellung zum Gedenken an die Bildhauerin Susi Rosenberg in der Israelitische Kultusgemeinde am Jakobsplatz

Mit einer Ausstellung im Foyer des Jüdischen Gemeindezentrums am Jakobsplatzerinnert das Kulturzentrum der IKG an die im vergangenen Jahr verstorbene BildhauerinSusi Rosenberg (1959-2015), deren dreidimensionale Werke „Stärke und Zerbrechlichkeit,Bewegung und Ruhe“ zugleich widerspiegeln. Studiert hatte Susi Rosenberg an der FHG Pforzheim und an der Kunstakademie in Nürnberg, wo sie seit 1994lehrte. Sie war bei unzähligen Gruppenausstellungen in München – u.a bei der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst, in der Pasinger Fabrik oder beim Deutschen Künstlerbund Berlin – immer wieder präsent. Ihre Werke befinden sich heute in zahlreichen Sammlungen, u.a. in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung,in der Grafischen Sammlung in München und Nürnberg, im Stadtmuseum Weilheim und an der University of Oregon, wo sie auch als Dozentin tätig war. Neben mehreren kleineren Skulpturen – meistens Eisengüssen in den unterschiedlichsten Formen in einer Vitrine – zeigt die Schau silberstift- und grafitgraue Zeichnungen auf Papier, die sie nach den Objekten skizzierte. Aus der Ferne betrachtet, wirken sie in der subjektiven Wahrnehmung wie abstrahierte Klänge aus einem unsichtbaren Orchester. Aus den beinah rhythmischen Bewegungen der Zeichen entspringt eine Musikalität, die bei der Finissage einen idealen Pendant in der mal weinenden, mal heiteren Stimme der mit ihr befreundeten Sängerin Susanne Weinhöppel fand, die sich selbst meisterlich an der Harfe begleitete.
Gekrönt wurde der Abend von der Ansprache von Susi Rosenbergs Galeristen Michael Hasenclever, der mit großem Einfühlungsvermögen und ebenso viel Kunstverstand in die Komplexität ihres Schaffens einführte.
Als Angehörige der „Zweiten Generation“ nach der Shoah war Susi Rosenberg in München „unter dem langen dunklen Schatten der Erfahrungen“ aufgewachsen, die „die Eltern und die Generation der Eltern gemacht hatten, über die in den meistenFällen nie laut gesprochen wurde.“
Die Erinnerung, in einer „evolutionären Form“ begriffen, die „eine Spur Vergänglichkeit“in sich trug, avancierte–und wie hätte es anders sein können? – zum zentralen Thema ihres Schaffens, wobei die Künstlerin– so Hasenclever – „ zwischen „historischem Gedächtnis“ und „Erinnerung“ zu unterscheiden pflegte. Diese ortete sie „in der Natur und dem Körper in einem inneren Vorgangmit seinen Wiederholungen und Notationen bis in die kleinsten Zellen durch elektronische Wellen und osmotische Verbindungen.“Stahl oder Eisen waren die von ihr bevorzugten Materialien: eine „organische Materialität“, denn Eisen ist im Blut enthalten, der teilweise durch den „Rost zurückgegeben“ wird.Mit Begeisterung beschrieb Hasenclever jene Eisengüsse, die „sich aus Einzelteilen wie Keilen oder ovalen Scheiben zusammensetzten, jedes versetzt aneinandergereiht, in verschiedenen Richtungen ausgeformt, bis sie zu einem Formgebilde“ finden, „das autonom seine Gültigkeit im Raum erlangt.“Als Beispiele unter ihren vielen Werken nannte erdie Vollplastik „Buch ohne Worte“ und das im Campus der University of Oregonerrichtete „Memorial“ „Path/ Weg II“, eine 2009 im Gedenken der Shoah entstandeneBodenskulptur, in der sie die stets wiederkehrende Thematikauf einer Art angeht, die „kodiert und verschlüsselt“,teilweise „bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet, gewissermaßen dem Kreislauf der Natur überantwortet“.Denn „die Zeit verändert und vergeht“. Was bleibt – so Hasenclever -sei ein lebensbejahendes, bis zur „Form-Vollendung“ geführte Werk , das „durch seine Ästhetik anzieht, Komplexität vermittelt und sogar erfreut.“

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Anna Zanco-Prestel
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Dr. Anna Zanco-Prestel, hat Literaturwissenschaften (Deutsch, Französisch und Italienisch) und Kunstgeschichte in Venedig, Heidelberg und München studiert. Publizistin und Herausgeberin mit Schwerpunkt Exilforschung. U.d. Publikationen: Erika Mann, Briefe und Antworten 1922 – 69 (Ellermann/DTV/Mondadori). Seit 1990 auch als Kulturkoordinatorin tätig und ab 2000 Vorsitzende des von ihr in München gegründeten Kulturvereins Pro Arte e.V.

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