Lyrik des 20. Jahrhunderts: René Maran: „Resignation“ – Ein Gedicht über Liebe, Verlust und Schmerz

Lyrik des 20. Jahrhunderts: René Maran: „Resignation“ – Ein René Maran, Gedicht über Liebe, Verlust und Schmerz

Am 5. November 1887 wurde René Maran in Fort-de-France auf Martinique geboren. 1921 gewann er mit seinem Meisterwerk „Batouala“ als erster Schwarzer Autor den Prix Goncourt. Seine radikale Kritik deckte die Realität des Kolonialsystems auf und kostete ihn seine Karriere im Staatsdienst. Gleichzeitig modernisierte er die klassische Poesie, lockerte europäische Versmaße und wurde derart zum Wegbereiter für die weltweite antikoloniale Négritude-Bewegung. Seine kompromisslose literarische Stimme bleibt bis heute ein Denkmal intellektueller Aufrichtigkeit.

Resignation

Ich sah es kommen,
Dass sie einst geht.
Dann war es zu spät,
Und ich benommen?

Überhaupt, war’s denn sie,
Mit schöner Jugend.
Oder meine Untugend,
Die ich ihr verzieh?

Ich weiß nichts mehr,
Will nichts mehr wissen…
Ich leide, diese Nacht,
Und weiß nichts mehr.

Ich liebte sie… Die Bücher
Scheinen wie verstoßen.
Ich wünsche mir Rosen,
Verhüllend meine Bücher.

Tränen in meinen Augen,
Tränen in meinem Herz.
Ach!… so ist der Schmerz,
Besetzt ganz die Augen.

Wieder Tränen,
Die Schreie ohne Worte.
Nach Lippen, diese Sorte,
Trinkend die Tränen.

Aus und vorbei,
Meine schönste Liebe!
Meinem Herzen Hiebe:
Ganz aus und vorbei.

Schon wiegt mich
Verkehrt der Gram.
’s regnet. Und wie er kam,
So wiegt er mich.

Ich versuch’s nicht mehr
Zu lieben, hab’s versiebt.
Die, die ich geliebt,
Sehe ich nie mehr.

Text und Übertragung © 2026 by Axel Reitel

Über Axel Reitel 50 Artikel
Axel Reitel (*1961); 1982 Freikauf/Ausbürgerung; seit 1982 Hamburg, dann Westberlin; 1983 literarisches Debüt; 1985-1990 Studium (Kunstgeschichte/Philosophie); seit 1990 freischaffender Autor (u. a. Jugendstrafvollzug der DDR; Theorie vererbter Schuld); seit 2003 freier Mitarbeiter der ARD. Lebt in Berlin.