„Cari Mora“ – der Roman von Thomas Harris

Rivalität krimineller Banden in Miami

Miami, Florida. Bild von MustangJoe auf Pixabay. Freie kommerzielle Nutzung.

Harris, Thomas: Cari Mora, Heyne, München 2019, ISBN: 978-3-453-27238-5, 22 EURO (D)

Der US-amerikanischer Schriftsteller Thomas Harris wurde durch seine Hannibal-Lecter-Tetralogie berühmt. Nach 13 Jahren Abstinenz veröffentlicht er seinen neuen Roman „Cari Mori“, der in Teilen an die Vorgängerromane anknüpft. Auf den ersten  Seiten stellt Harris seinen Lesern den hässlichen Deutschen Hans-Peter Schneider vor: völlig unbehaart und Besitzer eines Flüssigkeitsverbrennungsautomaten. Schneider hat sich auch darauf spezialisiert, Frauen zu entführen und zu verstümmeln, um sie an ein Netzwerk wohlhabender Amputierten-Fetischisten in Mauretanien zu verkaufen. Außerdem erfährt man, dass er liebend gerne die geheimen Leichen seiner ausrangierten Opfer erneut zu untersucht, um zu beobachten, wie sich erwärmen. Sein hinterhältiger Sadismus bildet den Vorspann. 

Der größte Teil des in Miami beheimateten Romans handelt von der Rivalität zwischen zwei kriminellen Banden: Die eine mit dem Sadisten Schneider, die andere moralischere, die Don Ernesto angestellt haben. Don Ernesto bildet mit seinen höfischen Manieren, feinen Anzügen und der Treue zu seinem Wort den Gegenpol zum Monster Schneider.

Beide Banden sind auf der Suche nach einem Vorrat an Goldbarren, der irgendwo in einer Miami-Villa am Meer versteckt ist, die einst Pablo Escobar gehörte. Sie wollen es aus dem Haus schaffen, ohne die lokalen Behörden zu alarmieren, aber ihre Bemühungen werden durch die schwere Nutzlast von Plastiksprengstoff behindert, der die Beute abbaut. In diesem Zusammenhang kommt Cari Mora, die Heldin des Romans, ins Spiel. Sie ist eine ehemalige Kindersoldatin der kolumbianischen FARC, die von Erinnerungen an die Qual und das Abschlachten von Unschuldigen heimgesucht wird. Cari Mora möchte in den USA bleiben, Tierärztin werden und ein renoviertes Cottage mit einem Mangobaum im Hinterhof kaufen. Sie ist in Miami mit einem vorübergehenden geschützten Status. Außerdem ist sie die Hausmeisterin der Villa, in der der Schatz versteckt ist. Doch sie wird auch zur Blickfang Schneiders. Der plant, sie für den Verkauf an einen mauretanischen Kunden anzupassen, nachdem er sich das Gold gesichert hat. 

Der Roman hat mehr Handlungsebenen als die früheren, kommt jedoch in Sachen Spannung und Unterhaltung nicht ganz an seine Vorgänger heran. Dennoch legt Harris wieder ein solides Werk nach 13 Jahren vor, das die Anschaffung lohnt.

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.