Dalai Lama: Deutschland darf kein arabisches Land werden!

„Auch moralisch gesehen finde ich, dass diese Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden sollten.“

Der höchste Repräsentant der Buddhisten, der Dalai Lama, hat sich in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zur Flüchtlingskrise geäußert. Dabei überraschten seine Äußerungen zu Asylbewerbern. Wie das spirituelle Oberhaupt der Tibeter erklärte, spüren wir das große Leid, „wenn wir in das Gesicht jedes einzelnen Flüchtlings schauen, besonders bei den Kindern und Frauen“ zeige sich dies explizit. Aus dieser Sorge leitet er dann die Pflicht zu einem verantwortungsvollen Handeln samt der Maxime ab, dass jeder, dem es besser geht, Asylsuchenden helfen muss.

Deutschland darf kein arabisches Land werden

Doch für Tenzin Gyatso, der in den Dreißigerjahren als 14. Reinkarnation des Dalai Lamas erkannt wurde, ist es auch klar, dass in der momentanen Völkerwanderung und Flüchtlingsbewegung die Kapazitäten vieler Länder erschöpft seien. Dies gelte insbesondere für die Bundesrepublik Deutschland. „Deutschland sei Deutschland.“ Und dieses Deutschland „kann kein arabisches Land werden.“ Der Dalai Lama, der 1959 aus Tibet nach Dharamsala geflohen war, plädiert daher lediglich für eine vorübergehende Aufnahme von Flüchtlingen mit dem Hinweis, dass es bei der aktuellen Politik das Ziel sein müsse, die Fluchtursachen zu bekämpfen und beim Wiederaufbau der zerstörten Länder zu helfen, damit die Flüchtlinge wieder zurückkehren können. „Auch moralisch gesehen finde ich, dass diese Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden sollten.“
Gegenüber der islamfeindlichen Stimmung in Europa, dem Erstarken der Parteien am rechten Rand sowie dem ausgreifenden Populismus warnte der Buddhist vor einer groben Pauschalisierung. Muslime dürfen nicht über einen Kamm geschert werden, hier gelte es deutlicher zu differenzieren. „Es sind muslimische Individuen und kleine Gruppen, die sich in ihren eigenen Ländern gegenseitig umbringen. Schiiten, Sunniten. Sie repräsentieren nicht den gesamten Islam und nicht alle Muslime“. Die Liebe, so Tenzin Gyatso, sei die Kernbotschaft jeder Religion, auch im Islam. „Bösartige Leute gibt es auch bei den Buddhisten, den Christen, den Juden und den Hindus. Nur aufgrund von einigen traurigen Ereignissen, die von einer kleinen Zahl Muslime ausgehen, sollten wir nicht die gesamte muslimische Welt verurteilen.“

Gewalt ist keine Lösung des Problems

Gewalt kann für den Dalai Lama keine Lösung des Problems sein. Einen reinen Utilitarismus lehnt er weiterhin ab, es sei denn, „dass es keine andere Wahl gibt, und Mitgefühl die Motivation ist.“ Allein aus dem Mitgefühl heraus, sei das Töten legitim, denn diese „Unterscheidung machen wir also. Theoretisch können wir das zwar erklären, praktisch ist es aber besser, jede Gewalt zu vermeiden. Das ist sicherer.“ Überraschend in seinem Interview war, dass der Dalai Lama ausgerechnet die amerikanische Politik und den Irakkrieg von seinem Freund George W. Bush legitimierte. Für den Tibeter war die Motivation Bushs legitim und aufrichtig, denn er wollte die Demokratie in den Irak bringen. Doch die Folge war eine Spirale der Gewalt und damit negativ. Weil Gewalt immer unberechenbar ist, sei es daher besser, ganz auf diese zu verzichten.

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Stefan Groß-Lobkowicz
Über Stefan Groß-Lobkowicz 2031 Artikel
Dr. Dr. Stefan Groß-Lobkowicz, M.A., DEA-Master, geboren 1972, studierte Philosophie, Theologie und Kunstgeschichte an den Universitäten Jena und München. 1992 gründete er die Tabula Rasa, Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken und 2007 die Tabula Rasa, Die Kulturzeitung aus Mitteldeutschland, 2011 Zeitung für Gesellschaft und Kultur

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