Die Preisträger beim 37. FILMFEST MÜNCHEN

Filmfest München, Fotorechte Filmfest München

Mit einer feierlichen Preisverleihung ging das 37. Internationale FILMFEST MÜNCHEN am Samstag, den 6. Juli 2019 zu Ende. „Bacurau“ von Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles wurde mit dem ARRI/Osram Award im CineMasters Wettbewerb ausgezeichnet, Melina Leóns „Canción sin nombre“ erhielt den CineVision Award für den besten Nachwuchsfilm.
 




Nachdem am Freitag bereits die brasilianisch-deutsche Koproduktion „A Vida Invisível De Eurídice Gusmão“ den neu geschaffenen CineCoPro Award gewonnen hatte, war das lateinamerikanische Kino auch bei den anderen Wettbewerben äußerst stark vertreten. Filmfest-Programmer Florian Borchmeyer zeigte sich hocherfreut angesichts dieser Entwicklung: „Dass drei Filme aus Südamerika durch voneinander unabhängige Jurys mit den drei internationalen Hauptpreisen des Filmfest München ausgezeichnet werden, ist ein eindrucksvolles Signal für den Aufstieg des lateinamerikanischen Kinos, das sich in seiner künstlerischen Komplexität und politischen Scharfsicht immer mehr an die Spitze des Weltkinos spielt. Besonders glücklich bin ich darüber, dass gleich zwei Filme aus Brasilien prämiert wurden. Gerade in der derzeitigen politischen Konjunktur dieses Landes, dessen Regierung systematisch jede Diversität und Meinungsvielfalt verfolgt und  zu diesem Zweck insbesondere der Kultur den Krieg erklärt hat,  sind diese Preise ein Symbol für die Lebendigkeit der Filmkunst und für ihre Fähigkeit zum künstlerischen Widerstand gegen staatliche Willkür und rechtsextremen Autoritarismus.“

Zum Abschluss des Filmfests wurde nach der Preisverleihung Nisha Ganatras Komödie „Late Night – Die Show ihres Lebens“ mit Emma Thompson und Mindy Kaling in den Hauptrollen als Deutschlandpremiere im ausverkauften Carl-Orff-Saal gezeigt.
 
ARRI/Osram Award
Als bester internationaler Film wurde der Film „Bacurau“ von Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles mit dem ARRI/Osram Award ausgezeichnet. „Der Film hat uns förmlich umgehauen. Die Handlung ist in einer Zukunft angesiedelt, die beunruhigend nah erscheint. Was auf den ersten Blick wie die simple Geschichte eines Dorfes erscheint, das sich gegen eine mörderische Bande von Rassisten zur Wehr setzt, entwickelt sich bald zu einer vielschichtigen, poetischen Allegorie auf das aktuelle Weltgeschehen. Die Filmemacher kombinieren gekonnt Elemente aus dem Magischen Realismus und dem Western, aber auch Anleihen aus den Genres Fantasy, Horror und Trash. Dieser Film zeigt eindringlich, dass es Hoffnung nur auf der Basis von Solidarität und Mitgefühl geben kann“, so die Jurybegründung.
Mads Brüggers investigativer Dokumentarfilm „Cold Case Hammarskjöld“ erhielt von der Jury eine lobende Erwähnung.
Die Jury des ARRI/Osram Awards bildeten in diesem Jahr Susan Senk, die Gründerin von „Susan Senk Public Relations und Marketing“, der bulgarisch-deutsche Schauspieler Samuel Finzi und die Regisseurin Emily Atef. Im Wettbewerb um den ARRI/Osram Award für den besten internationalen Film in der Reihe CineMasters standen die neuesten Filme von zehn namenhaften Regisseuren und Regisseurinnen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird von den Münchner Unternehmen ARRI und Osram gestiftet.
 
CineVision Award
Mit dem CineVision Award für den besten internationalen Nachwuchsfilm wurde „Canción sin nombre“ von Melina León ausgezeichnet. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Die verzweifelte Stimme der Protagonistin Georgina Condori hallt durch die Büroräume einer Zeitungsredaktion. Eine Stimme, die es nicht gewohnt ist, sich zu erheben, eine Stimme, die gehört werden muss.  Mit einer berückend elaborierten Bildsprache und mit Empathie und Respekt für die indigenen Gemeinschaften ihres Landes verleihen Regisseurin Melina Leòn und ihre verstörend intensive Hauptdarstellerin Pamela Mendoza Arpi ihr diese Stimme. „Canción sin nombre“ erzählt ein Stück Zeitgeschichte, doch die Themen, die darin so gekonnt miteinander verwoben werden, haben nicht an Relevanz verloren. Wir gratulieren Melina Leòn zu ihrer Leistung und freuen uns darauf, mehr von ihr zu hören. Wir werden zuhören.“
Der CineVision Award im Wert von 15.000 Euro wird von der MPLC Deutschland GmbH (Motion Picture Licensing Company) gestiftet. Im Wettbewerb in der Reihe CineVision standen zehn Erstlings- und zweite Filme internationaler Regietalente, die mit ihrer Filmsprache neue Wege beschreiten. Die Preisjuroren waren in diesem Jahr Schauspielerin Ursina Lardi, die künstlerische Leiterin des Mumbai Film Festival, Smriti Kiran, und die Schauspielerin Saskia Rosendahl.
 
FIPRESCI-Preis
„Lara“ von Jan-Ole Gerster gewann den FIPRESCI-Preis 2019. Die Jury des internationalen Kritikerverbandes bildeten in diesem Jahr die Israelin Yael Shuv, der US-Amerikaner Greg de Cuir Jr. und die Rumänin Giulia Dobre. Sie begründeten ihre Entscheidung wie folgt: „Die von der großen Corinna Harfouch zum Leben erweckte Lara ist eine herausfordernde und komplexe Figur, die im Zentrum eines vortrefflich ausgearbeiteten und prägnanten Drehbuchs steht. Jan-Ole Gersters ausgefeilte Regie zeichnet sich durch Raffinesse und Witz aus. ‚Lara‘ ist ein brillantes filmisches Portrait, das die Konsequenzen von voreingenommen Eltern und das Potenzial von Kunst als Mittel zur Versöhnung zeigt.“
 
Publikumspreise
Am letzten Festivaltag wurden auch die Publikumspreise des Festivals vergeben. Der Bayern 2 und SZ Publikumspreis ging an den Film „For Sama“ von Waad Al Kateab und Edward Watts.
Den Kinderfilmfest-Publikumspreis bekam dieses Jahr „Lotte und die verschwundenen Drachen“ von Janno Põldma und Heiki Ernits. Der Preis ist mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotiert und wird von SZ Familie gestiftet.
 
ONE-FUTURE-PREIS
Der ONE-FUTURE-PREIS, verliehen von der Interfilm-Akademie, ging in diesem Jahr an den chilenischen Film „Perro Bomba“ von Juan Cáceres. Die Jury – bestehend aus Dr. Peter Marinković, der Regisseurin Mirjam Orthen sowie die Schauspielerinnen Franziska Ball und Irina Kurbanova – begründet ihre Entscheidung mit den Worten: „‘Perro Bomba‘ thematisiert einen brisanten Aspekt der jüngsten Geschichte Chiles, zeigt gesellschaftliche Missstände auf und spricht damit gleichzeitig eine universelle Problematik an. Der Film beweist den Idealismus eines Regisseurs, der für eine gerechtere, bessere Welt kämpft. Wir glauben, dass von Juan Cáceres noch große, relevante Filme zu erwarten sind und möchten ihn auf diesem Weg ermutigen. Dafür verleihen wir ihm den ONE-FUTURE-PREIS 2019.“

Virtual Worlds
Die Preisträger des Wettbewerbs im Rahmen der VR-Ausstellung „Virtual Worlds“ wurden bereits am Donnerstag bekanntgegeben: Die Jury aus Myriam Achard, Chloé Jarry und Colum Slevin kürte den 360-Grad-Film „Accused #2: Walter Sisulu“ von Nicolas Champeaux und Gilles Porte zur besten linearen Experience. Gleich zwei Preise gingen an „A Fisherman’s Tale” von Balthazar Auxietre und Alexis Moroz als beste interaktive Experience und als allgemein die beste immersive Arbeit.

Förderpreis Neues Deutsches Kino
Am Freitag wurden außerdem deutsche Nachwuchstalente mit dem begehrten Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet. Die Jury – bestehend aus Melika Foroutan, Claudia Steffen und Alfred Holighaus – ehrte Jan-Ole Gerster mit dem Preis für die Beste Regie für seinen Film „Lara“. Martin Lischke („Leif in Concert“) erhielt den Produzentenpreis. Gleich zwei Preise gingen an Beteiligte von „Es gilt das gesprochene Wort“: Nils Mohl und Ilker Çatak wurden für das Beste Drehbuch ausgezeichnet, der Preis für das Beste Schauspiel ging an Oğulcan Arman Uslu.

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