Die U-Theorie – Soziale Techniken im Managementsektor

Mikrofon, Foto: Stefan Groß

Die U-Theorie ist die praktische Anwendung von Sozialpsychologie, Achtsamkeit und Sozialwissenschaften auf den Bereich des Managements. C. Otto Scharner präsentiert die U-Theorie als Zukunft der Unternehmensführung in den Bereichen Strategie, Wissen, Innovation und Führung.

Der Autor ist Mitglied des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und stellt auf der Grundlage der Arbeit des Institutes eine neue Führungsmethode, die durch Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung im Management geprägt ist. Sie ist dadurch gekennzeichnet, Potentiale und Zukunftschancen zu erkennen und diese im Hinblick auf aktuelle Aufgaben zu erschließen. Diese Form der Achtsamkeit nennt er Presencing, eine neue Wortschöpfung aus den Begriffen (Presence/Anwesenheit) und Sensing/Spüren.

Sie basiert unter anderem auf den Gedanken von Jürgen Habermas, Ulrich Beck, Max Weber, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und Johann Wolfgang von Goethe sowie der Aktionsforschung Kurt Lewins.

Seine Theorie U hat drei Ziele:

  • Ein Bewusstsein für eine tiefere Ebene von Veränderungs- und Führungsarbeit zu erschließen,
  • Eine Sprache zu entwickeln, sich über diese tiefere Ebene auszutauschen
  • Eine soziale Technik zu entwickeln, um Führungsarbeit effektiver und nachhaltiger zu gestalten (S. 11)

Fünf Bewegungen markieren den Verlauf der U-Theorie:

  • Ein gemeinsames Gefäß bilden: Höre auf die Fragen und entstehenden Zukunftsimpulse in dir, in anderen und zwischen euch
  • Gemeinsames Hinspüren: Tauche ein in die Orte der größten Möglichkeiten und bewege, was du aufnimmst, in deinem Denken und Herzen
  • Gemeinsame Stille: Suche einen Raum der Stille, und lass dein inneres Wissen entstehen
  • Gemeinsames Erproben: Entwickle Prototypen des Neuen, um die Zukunft im Tun zu erkunden
  • Gemeinsames Entwickeln: Bringe das Neue in die Welt, indem du aus dem entstehenden Ganzen heraus wahrnimmst und handelst (S. 46)

Im ersten Teil des Buches geht es um die unterschiedlichen Erscheinungsformen des blinden Flecks. Dies ist der „innere Ort oder die innere Quelle, aus der heraus der Einzelne oder ein soziales System handelt.“ (S. 49f) Im zweiten Teil des Buches wird der Kernprozess, durch den der blinde Fleck sichtbar gemacht wird, behandelt. Im dritten Teil geht es dann um die Entwicklung einer „evolutionären Grammatik“, die in zweierlei Hinsicht entwickelt wird: zum einen als die Theorie der sozialen Felder (U-Theorie) und zum anderen als soziale Technik (24 Prinzipien des Presencings). Mit einem Epilog über den Zusammenhang und Interaktion von Wissenschaft, Bewusstsein und sozialer Evolution schließt das Buch. Innerhalb der einzelnen Kapitel sind Interviews mit weltweit führenden Denkern und Praktikern aus den Bereichen Strategie, Wissen, Innovation und Führung eingebaut, um den praktischen Anwendungsgehalt zu präzisieren.

Dieses Buch will die tieferen Quellen der gemeinsamen Wahrnehmung und Willensbildung erschließen, um so die alten Formen der Führung hinter sich lassen. Die U-Theorie ist die praktische Anwendung von Sozialpsychologie, Achtsamkeit und Sozialwissenschaften auf den Bereich des Managements. Diese Theorie ist sehr abstrakt und eher für größere Unternehmen und deren Management geeignet, kleinere Unternehmen werden davon weniger profitieren.

Otto Scharmer: Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik, 4. Auflage, Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2015, ISBN: 978-3-89670-740-6

 

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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.