Galerie Thomas – Erwin Wurm ‚Misconceivable‘

Erwin Wurm Misconceivable, 2007 Kunstharz, Autolack, Galerie Thomas

Erwin Wurms Modell der Yacht „Misconceivable“ ist ein sehr typisches Beispiel seiner Verfremdungstechnik, die gesellschaftliche Konventionen und Rangordnungen ironisiert und ins Groteske verkehrt.

Formal gehört die Arbeit dieses weich erscheinenden Schiffes, dessen Bug der Schwerkraft folgend sich fast müde nach unten neigt, in die Nachfolge der Pop Art und insbesondere der soft sculpture, wie sie vor allem Claes Oldenburg geschaffen hat.

Das Spiel mit Größenverhältnissen und Materialität zeigt sich bei Erwin Wurm nicht nur in seinen absurden Performances, sondern auch in seinen „Fat Cars“ oder „Fat Houses“. In diese Gruppe gehört auch die „Misconceivable“, also die „Mißverständliche“, ein besonders sarkastischer Name für eine Yacht, deren Nutzbarkeit durch die Aufweichung des Materials ad absurdum geführt wird.

Erwin Wurm hat dieses Modell zur Grundlage einer originalgroßen Installation gemacht, und diese stolze Yacht präsentierte er an verschiedenen Orten in typischer, erwartbarer Umgebung, also in Häfen oder an Wasserläufen. Der Effekt der an einer Kaimauer oder Schleusenwand gestrandeten und dann erschlafften, dahingeschmolzenen Yacht unterminierte sämtliche Wahrnehmungsgewohnheiten. Erwin Wurm beschreibt seine Absichten so:

„In erster Linie fühle ich eine tiefe Verbindung zum Absurden auf kunsthistorischer Ebene – ich nehme an einer Tradition teil. In einem zeitgemäßeren Sinne denke ich, dass die Realität heutzutage viel absurder ist, als wir uns jemals vorstellen konnten. Alles, was in meiner Arbeit absurd ist, basiert also wirklich auf der Realität.

Dann haben wir das Konzept des Paradoxons. Es ist ein interessantes Phänomen – wenn wir eine Frage stellen und versuchen, sie zu beantworten, indem wir unsere Welt aus einem paradoxen Blickwinkel betrachten, sehen wir die Dinge plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel. Durch das Erkennen von Paradoxien können wir die größeren Probleme erkennen.

Das Boot integriert diese Ideen. Am Ende ist es wirklich nur ein Boot. Es ist und es ist nicht. Es biegt sich und hängt an einem Mauervorsprung, aber es ist ein Boot.“

Misconceivable‘ aus dem Jahr 2010 gehört zur permanenten Sammlung des Middelheim Museum, Antwerpen.

In einem Interview mit dem Véhicule Magazine schildert Erwin Wurm die Intention und Hintergründe seines künstlerischen Schaffens in Bezug auf die Werkgruppe ‚Misconceivable‘.

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