Glyphosatkritik und weitere Kritiken der reinen Vernunft

Schafe auf der Weide, Foto: Stefan Groß

Politiker äußern sich „glyphosatkritisch“, erwähnt vor Kurzem beiläufig eine unbedeutende Tageszeitung, die den äußersten Westen der deutschen Republik abdeckt. Wir wissen, dass verschiedene sich widersprechende Meinungen über den Nutzen, bzw. den Schaden von Glyphosat im Umlauf sind. Seriöse Forscher beteiligen sich nicht daran, da seriöse Forscher keine Meinungen, sondern Wissen verbreiten. Meinungen zu verbreiten, ist das Vorrecht der Politiker, der Medien und der unwissenden Bürger. Auch Hetze fällt unter Meinung.

Kritik und Meinungsfreiheit treten stets zusammen auf. Vor einigen Jahrzehnten – die Ältesten unter uns werden sich daran erinnern – als die Sowjetunion kommunistisch und die DDR sozialistisch gewesen sind, gehört es zum guten Ton ahnungsloser westlicher Studenten, sich kapitalismuskritisch zu geben. Heute ist dies weniger en vogue. Sowohl Wissen, als auch Meinung ändern sich mit der Zeit. Während Wissen altert und modifiziert wird, kehren Meinungen in regelmäßigen Abständen unverändert zurück. Es ist somit lediglich eine Frage der Zeit, bis sich die Kapitalismuskritik (genitivus objectivus) erneut durchsetzt, um nach enormen Schäden erneut zu verschwinden.

Wie verhält es sich mit der Glyphosatkritik? Ähnlich der menschengemachten Klimaerwärmung, die der Mensch in seinem Almachtwahn mit menschengedrucktem Geld aufhalten will! Es erinnert an Schildbürger, welche heute politisch korrekt niemand mehr kennt, die mit Schubkarren Licht in dunkle Räume bringen. Soweit ich mich erinnere, ist der Versuch kläglich gescheitert, da die real existierende Physik nicht mitspielt. Dass gerade ein US-Hysteriker aus der weltweiten Massenhysterie aussteigt, ist wohl dem außermenschlichen Korrektiv geschuldet, welches das Überleben der Menschheit garantiert.

Kapitalismus- und Glyphosatkritiken kommen und gehen. Wie verhält es sich mit der Israelkritik (ebenfalls genitivus objectivus)?

Vor der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 gibt es weniger Israelkritiker als heute. Das hängt damit zusammen, dass kaum jemand dem Judenstaat eine Überlebensmöglichkeit bescheinigt. Es lohnt die geistige Anstrengung nicht, die Existenz Israels abzulehnen. Erst mit der Zeit, vor allem nach dem grandiosen militärischen Sieg von 1967, gewinnen Israelkritiker Oberwasser. Immer mehr offene Judenhasser gesellen sich zu den verdeckten antisemitischen Israelkritiker hinzu bis der unbedeutende Unterschied zwischen der Kritik der Judenstaat-Existenz (genitivus objectivus) und der Kritik der Juden-Existenz (genitivus objectivus) dialektisch aufgehoben wird. Betrachtet man die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation der Juden in Europa, so ist es jedem ehrlichen Realisten bewusst, dass die Israelkritik parallel zum Judenhass in den Staaten der EU zunimmt. Zwischen 1945 und 1967 schweigen die meisten Judenhasser, weil die Untaten der Nationalsozialisten noch in allzu frischer Erinnerung sind. Die heutige Generation verbindet den Holocaust nicht mehr mit der Ermordung von Juden, sondern mit Stolpersteinen und Absperrpfosten oder Stelen, bekannter unter dem Namen Poller. Das berühmteste deutsche Pollerfeld aus 24 Betonstelen befindet sich im thüringischen Bornhagen auf einem Nachbargrundstück des AfD-Politikers Björn Höcke.

Wir erkennen an, dass während Kritiken und Meinungen in regelmäßigen Abständen verschwinden und wiederkehren, der Judenhass (Antisemitismus, Judenkritik, Israelkritik, Israelhass) eine feste Größe nicht nur in der westlichen Welt bleibt. Dieses Faktum lässt sich nicht vernünftig erklären. So darf man mit hoher Wahrscheinlichkeit hoffen, dass, wenn das Verbot von Glyphosat zu weltweiten Hungerkatastrophen führen wird, dieses Gift schnell wieder landwirtschaftlich eingesetzt oder ein wirksameres Gift stattdessen versprüht werden wird. Wenn theoretische Kapitalismuskritik zu praktischer Armut führt, verschwinden die Kritiker lautlos. Wenn jedoch ein Genozid an den Juden stattgefunden hat, dann nehmen die Judenhasser bald ihren Stammplatz wieder ein.

Wie sieht die Realität von Genoziden aus? Nach jedem Genozid kehren die Täter und ihre Nachkommen nach kurzer Zeit zu ihrer täglichen Routine zurück, die sie vor und während des Genozids ausgeübt haben. Diese Routine ermöglicht erst Genozide. Die Routine ist die notwendige Voraussetzung für Genozide. Das beste Beispiel erteilt heute der NATO-Verbündete Türkei. Während des Genozids an den Armeniern und weiteren Christen vor über 100 Jahren sind die Deutschen mit den Türken, wie auch heute, aufs Engste liiert. Staatlich verordnete Pogrome in der EU sind schon allein mangels einer ausreichenden Zahl an Juden und wegen wirtschaftlichen Komplikationen unwahrscheinlich, jedoch nicht unmöglich, wie es staatlich geduldete und örtlich beschränkte Judenpogrome in Malmö beweisen. Wenn Erdogan beschließen sollte, die Kurden in der Türkei umzubringen, wird die mit ihm verbündete Welt und die Deutschen erneut wegsehen. Beim Beseitigen der Kurden in Syrien nach deren Sieg über den IS ist dies bereits geschehen. Selbst die mit den Kurden verbündeten Trump-US-Amerikaner lassen die Vernichtung ihrer Bündnispartner durch türkische Soldaten zu.

 

Nathan Warszawski
Über Nathan Warszawski 318 Artikel
Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.

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