Kattowitzer Klimakonferenz

Sonnenuntergang am Bodensee, Foto: Stefan Groß

In Ihrer heutigen Ausgabe (17. Dezember) wird über die Kattowitzer Klimakonferenz auf Seite 4 berichtet, über die Steinewerfer auf der ICE-Strecke Erfurt/Nürnberg auf der Titelseite. Das zeigt überdeutlich, welcher Rang dem Klimaschutz im öffentlichen Bewusstsein beigemessen wird. Eine Woche vor Weihnachten wollen die Leute nicht wissen, was 2019 auf sie zukommt!

Was auf uns zukommt, ist eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes, vergleichbar nur dem Sauriersterben vor 70 Millionen Jahren. Damals freilich hatte ein Meteor, der auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan einschlug, dafür gesorgt, dass für Jahrhunderte eine Wolke aus Staub, Gas und Steinen um die Erde kreiste und kein Sonnenlicht, das zur Erhaltung des Lebens unabdingbar ist, durchdringen konnte.

Heute sorgen die Menschen selbst dafür, dass sie ausgerottet werden. Uneinsichtig, wie sie sind, meinen sie, es ginge immer so weiter auf dieser gequälten Erde, trotz des Ansteigens der Temperaturen, des Abholzens der Regenwälder, dem anwachsenden Verkehr. Was die Kattowitzer Konferenz gebracht hat und wofür sie sich selbst feiert, sind nichts weiter als Absichtserklärungen, die nicht durchsetzbar sind. Dabei vergessen die Leute, was bisher schon durch die Erderwärmung geschieht und was durch keine Konferenz noch aufzuhalten ist. Die Temperatur hat sich um ein Grad erhöht, und die gewaltigen Eismassen in Grönland und auf der Antarktis schmelzen seit Jahren und das immer schneller. Schon jetzt werden im Pazifik ganze Inselvölker umgesiedelt, weil sie sonst ertrinken müssten. Das traurigste Bild ist das von Eisbären, die an eisfreien Ufern umherirren, halb verhungert, weil sie keine Robben mehr fangen können. Noch zwei, drei solcher Sommer, wie wir ihn 2018 hatten, und die deutsche Landwirtschaft ist erledigt! Fröhliche Weihnachten!

 

Jörg Bernhard Bilke
Über Jörg Bernhard Bilke 183 Artikel
Dr. Jörg Bernhard Bilke, geboren 1937, studierte u.a. Klassische Philologie, Gemanistik und Geschichte in Berlin und wurde über das Frühwerk von Anna Seghers promoviert. Er war Kulturredakteur der Tageszeitung "Die Welt" und später Chefredakteur der Kulturpolitischen Korrespondenz in der Stiftung ostdeutscher Kulturrat.