Thomas Ebke/Sabina Hoth/Frank Müller (Hrsg.): Jean Hyppolite: Studien über Marx und Hegel, Meiner, Hamburg 2025, ISBN: 978-3-7873-4884-8, 78 EURO (D)
Jean Hyppolites Übersetzung der Hegel’schen ‚Phänomenologie des Geistes‘ ins Französische (1939-1941) ermöglichte in Frankreich zum ersten Mal eine differenzierte Auseinandersetzung mit Hegel. Mit seinen Texten zu Hegel wurde er zu einer zentralen Figur der französischen Nachkriegsphilosophie und prägte die folgende Generation berühmter französischer Philosophen, darunter Louis Althusser, Michel Foucault, Gilles Deleuze und Jacques Derrida.
In dem Band, der 1955 unter dem Titel ‚Études sur Marx et Hegel‘ veröffentlicht wurde, geht es Hyppolite um das viel diskutierte Verhältnis zwischen Hegel und Marx. Der Band bietet die erste systematische Übersetzung von Texten Hyppolites ins Deutsche. Er enthält neun Aufsätze, die zwischen 1938 und 1952 bereits in verschiedenen französischen Zeitschriften erschienen waren.
Der gemeinsame Nenner aller Aufsätze in den ‚Études‘ besteht darin, entgegen einem verbreiteten Hegelverständnis die Beziehung von Marx zu Hegel auf originelle Weise umzukehren: Statt in Hegel den abstrakten Idealisten zu sehen und in Marx den revolutionären historischen Materialisten, findet Hyppolite bei Hegel eine lebendige Integration von konkreter Einzelheit in den geschichtlichen Prozess der ‚condition humaine‘ und problematisiert die teleologische Geschichtsphilosophie des zeitgenössischen Marxismus.
In der Einleitung der Herausgeber, die in Wahrheit eine langes Essay ist, geht es um Leben, Werk, Wirkung und Rezeption von Hyppolite, seine Rolle in der Phase der Konstituierung des französischen Hegelianismus, die wichtigsten Thesen der einzelnen Aufsätze und die Zeit nach dem Erscheinen des Werkes.
Information zur Edition mit Textgrundlage, Fußnoten und Endnoten, Siglen und Zitierweise und editorische Notizen folgen danach. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet den ersten Teil ab.
Danach wird Études sur Marx et Hegel abgedruckt. Anmerkungen am Ende beschließen den Band.
Hyppolite zeigt, wie Hegel das Gewisse mit der Wahrheit verbindet und dabei dialektisch das Transzendente mit dem Immanenten verbindet. Als einer der führenden Hegelkenner Frankreichs dürfte das nicht überraschen.
Entfremdung, das Andere, die Negation der Negation, das in sich selbst und für sich selbst, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Selbstbewusstsein und Sein sind allesamt vertraute Themen innerhalb der ‚Phänomenologie des Geistes‘ und Teil der marxistischen Dogmatik auf die eine oder andere Weise.
Hyppolite will anhand von Beispielen nachweisen, wie Marx die Konzepte anpasst und sie zu seinen eigenen Zwecken und seiner eigenen Theorie macht.
Dies ist eine neue Interpretation über die Beziehung von Hegel zu Marx, umfangreich und kenntnisreich eingeleitet durch die Herausgeber. Ganz gleich, wie man zu dieser Interpretation stehen mag.
Thomas Ebke/Sabina Hoth/Frank Müller (Hrsg.): Jean Hyppolite: Studien über Marx und Hegel, Meiner, Hamburg 2025, ISBN: 978-3-7873-4884-8, 78 EURO (D)
