Nach Corona haben Lehrer Null Bock auf Unterricht – Darum war die Verbeamtung ein Fehler

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Eines vorweg: als wir für unseren Nachwuchs die passende Grundschule suchten, entschieden wir uns bewusst. Wir bereuen diesen Schritt nicht, im Gegenteil fühlen wir uns mit unserer Wahl bestätigt. Die Lehrer dieser Schule nehme ich ausdrücklich von der folgenden Kritik aus. Es war nicht nur eine Entscheidung für diese Grundschule, sondern auch eine gegen viele andere.

Schulwahl

Es war 2018, als wir unser Kind an einer ausgewählten und leistungsorientierten Schule einschrieben. Ein Bekannter, der Lehrer ist, fragte mich, warum ich mich nicht für seine Grundschule entschlossen hätte, schließlich liege die doch viel näher als die unserer Wahl. Seinerzeit wusste ich mich herauszureden, da ich keinen offenen Streit vom Zaun brechen wollte. So tat ich so, als hätte ich seine Schule ganz in meinen Erwägungen vergessen. Dabei war es eine bewusste Entscheidung. Viele Eltern machen sich Gedanken und nehmen nicht die erstbeste Grundschule. Nicht zuletzt weiß man oft besser um die Qualität der Ausstattung und die Motivation des Lehrpersonals Bescheid, als dass dies den Lehrkräften offen ins Gesicht gesagt wird. Jede Schule hat ihren Ruf, ob sie will oder nicht. Nicht zuletzt die unterrichtenden Lehrer tragen für ebendiesen Ruf Verantwortung.

Corona

Im Nachhinein fühlte ich mich gerade durch Corona bestätigt. Gerade jetzt kann man sehr genau beobachten, welche Schulen taugen und welche nicht. Der Kabarettist Volker Pispers hatte sich in einem seiner Programme dahingehend geäußert, dass 30% der Lehrer mitgeschleppt würden, als Unterrichtskräfte eigentlich untauglich wären. Schlimm ist, dass weitere 20%, so sehe ich es, auch eher nicht in der Lage sind, diese Ausfälle mitzutragen, weil sie auch nicht mit dem Herzen bei der Sache sind und Dienst nach Vorschrift ableisten. Ich muss dies leider bestätigen, allerdings nehme ich da die Schule meines Nachwuchses aus. Sonst hätte ich mich nicht für sie entschieden. Eine Schule mit durchweg motivierten Lehrern muss man mit der Lupe suchen. Zwar ist es in vielen Berufen so, aber die Verbeamtung von Lehrern wirkt eher hemmend auf die Bereitschaft, sich zu engagieren.

So seien hier Beispiele genannt für Gespräche, die ich in den letzten Wochen mit Lehrern führte, die ich aus dem Bekanntenkreis her kenne. Es mag eine subjektive Auswahl sein. Dennoch vermittelt sich mir der Eindruck, dass zumindest eine starke Minderheit von Lehrern Dienst nach Vorschrift schiebt und Corona als Grund anführt, warum man jetzt auf keinen Fall zur Normalität an Schulen zurückkehren kann.

Beispiele

Als ich zufällig in ein Gespräch darüber geriet, warum ich es für unverantwortlich halte, Schulen bis zum Sommer weitgehend lahmzulegen, antwortete mir ein 54jähriger Lehrer, die Schulen kehrten auf gar keinen Fall bis zum Jahresende zum Normalbetrieb zurück. Mit Jahresende meinte er nicht das Ende des Schuljahres im Juni 2020, sondern Dezember 2020. Das bedeutet, dass in zwei ganzen aufeinanderfolgenden Schuljahren der Unterricht weitgehend ausfalle, wobei Sitzenbleiben zurzeit ja schwer möglich sei. Eine Katastrophe für leistungsschwache Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern.

Warum das so sein solle, fragte ich ihn. Er antwortete mir, es sei richtig, weil eine Schulöffnung zum Normalbetrieb in 2020 „unverantwortlich“ sei. Dieses Wort, nämlich unverantwortlich, ist zur Totschlagsvokabel aller geworden, die zurzeit Diskussionen unterbinden wollen. Er sei ja als 54jähriger in einer Risikogruppe und habe einen 85jährigen Vater, den er auch oft zu Besuch habe.

Weiters hat ebendieser Lehrer selbst eine Tochter, die selbst eine Lehramtskarriere gestartet hatte und bereits verbeamtet ist. Auch sie ist nicht bereit, bis Ende 2020 mehr als zwei bis höchstens vier Stunden täglich in der Schule zu erscheinen.

Das Fass zum Überlaufen brachte ein Gespräch letzte Woche mit einer Lehrerin (38) aus dem Nachbarort. Ich sagte ihr, es sei verantwortungslos, wenn Schüler von Mitte März bis Mitte August, also in einem Zeitraum von 5 Monaten, lediglich 7 (!) Unterrichtstage hätten und ansonsten vor Spielekonsolen verblödeten. Mein Vorschlag, man sollte, die Sommerferien auf drei Wochen halbieren, fand keine Gegenliebe. Schließlich hätte sie ja schon ihren Sommerurlaub gebucht. Als ich dann noch lobend die Lehrer meines Kindes erwähnte, wie gut das E-Learning an der Schule funktioniere, hatte sie nur Spott übrig. Solche Lehrer hätten wohl zu viel Zeit und keine eigenen Kinder, um die sie sich jetzt kümmern müssten. Unglaublich. Es war eine Schande, fügte sich aber ins Bild.

Verbeamtung von Lehrern als Fehler

Derlei Ausreden hatten sich aber die systemrelevanten Supermarktkassiererinnen, Ärztinnen und Krankenpfleger nicht überlegt. Dort wurden keine Gründe wie gebuchte Urlaube oder kranke Eltern vorgeschoben, um nicht zur Arbeit zu erscheinen. Sie sind dazu auch zu sehr mit ihrer Aufgabe beschäftigt, deshalb schlechter organisiert und vor allem nicht verbeamtet.

Überhaupt fällt ja auf, dass Beamte jetzt viel weniger systemrelevant sind, als man es zu Normalzeiten behauptet hatte. Zum Thema Normalzeit siehe mein Buch zur Normalität:

Vor allem ist ja jetzt von der Notwendigkeit einer breitangelegten Verbeamtungswelle die Rede. Vom weiteren Ausbau der Ganztagsschulen, die ich übrigens sehr befürworte, war stets die Rede. Besonders weil man in den letzten 5 Jahren Millionen von jungen Menschen ins Land bekommen hatte, die man gründlich ausbilden muss, damit sie einmal zu steuerzahlenden Fachkräften werden. Hatten linke Politiker lange Ganztagsschulen aus sozialen Gründen, um Benachteiligungen aufzubrechen, gefordert, ist zurzeit keine Rede davon. Im Grunde müssen liberale Kräfte die Schulöffnung gegen oft sehr gut organisierte Verbände fordern, die das ganze Jahr 2020 und damit zwei Schuljahre nonchalant abgeschrieben hatten, bevor es überhaupt Sommer ist. Das alles geht massiv zulasten der unterprivilegierten Kinder.

Folgen

Die soziale Spreizung wird zunehmen, das ist klar. Es liegt daran, dass bildungsbeflissene Eltern ihren Kindern privat Kenntnisse vermitteln können. Dass dort Musikinstrumente und große Mengen Bücher in diesen Haushalten vorhanden sind, kommt hinzu. All das fehlt jedoch in den abgehängten, oft kinderreichen Haushalten meist. Deshalb gibt es ja die Ganztagsschulen, um hier zu fördern. Hier geht es darum, Defizite aufzufangen, die in einer wachsenden Zahl von Elternhäusern nicht angegangen werden.

Fünf Tage die Woche bis mittags hatten zu Normalzeiten Lehrer Zeit, das Rüstzeug an Bildung zu vermitteln. Dass diese fünf Tage bis mittags nicht ausreichen und deshalb bis in den späten Nachmittag Unterricht an Ganztagsschulen stattfand, zeigt, wie nötig eigentlich gute Lehrer wären. Durch diese Ganztagsschulen wurden viele Beamtenstellen geschaffen. Aber kaum waren die Lehrkräfte verbeamtet, reicht oft die Motivation nicht mehr aus, auch nur einen Unterricht zu gewährleisten, der mehr als einmal die Woche stattfindet. „So, wie es jetzt ist, könnte es bleiben“ sagte mir ein weiterer Lehrer, vorgeblich im Scherz. Der ganze ideologische Überbau mit der Notwendigkeit von Ganztagsschulen entfällt, sobald die Lehrkräfte verbeamtet sind. Dann wird oft nur noch stur auf die Pension geschaut, die zu fördernden Kinder werden zunehmend egal.

Jetzt sind die dominanten Themen eigene Gesundheit und schülerfreie Sommerferien. Warum sollte man denn auch nur auf einen Tag der Ferien verzichten? Um benachteiligte Schüler zu unterrichten!

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