Dass die Arbeit der Bundesregierung mehrheitlich schlecht bewertet wird, ist keine neue Nachricht. Die Möglichkeit, dass sich in Zukunft tragfähige Regierungsmehrheiten, zum Beispiel nach den Landtagswahlen im September, ergeben, gilt vielen derzeit als unwahrscheinlich. Dies ist eng verbunden damit, ob erwartet wird, dass sich die CDU auf Dauer an ihr Vorhaben halten wird, keine Koalition mit der AfD sowie der Linkspartei einzugehen. Fast jeder Dritte (31 Prozent) glaubt der diesbezüglichen Unionszusage nicht. Weitere 16 Prozent gehen davon aus, dass die CDU die Brandmauer nur gegenüber der AfD hält und zehn Prozent, dass sie die Brandmauer nur gegenüber der Linkspartei hält. Anders ausgedrückt: 41 Prozent glauben, dass die CDU die Brandmauer gegenüber der AfD einreißt, 47 Prozent glauben, dass sie sie gegenüber der Linkspartei einreißt. Selbst innerhalb der Unionswählerschaft glauben nur noch 37 Prozent, dass die CDU weder eine Koalition mit der Linkspartei noch mit der AfD eingehen wird. Unter den Wählern der anderen Parteien glauben nur zwischen neun und 21 Prozent, dass sich die CDU an ihr doppeltes Koalitionsverbot hält. Ich weiß nicht, wie lange Brandmauern noch propagiert werden, ich weiß nur, dass immer weniger Befragte daran glauben, dass sie eingehalten werden.
Dazu passt, dass nur noch jeder Zwanzigste (5 Prozent) sich absolut wünscht, Friedrich Merz möge auch in der kommenden Legislaturperiode Bundeskanzler bleiben. Weitere elf Prozent sagen, dass sie sich eine Kanzlerschaft von Friedrich Merz über 2029 hinaus zumindest „eher“ wünschen. Dass sich nur noch etwa jeder Sechste (16 Prozent) Friedrich Merz nach 2029 als Kanzler wünscht, stärkt wahrscheinlich nicht die Autorität des Kanzlers im Blick auf die dringend notwendigen Reformen. Selbst unter den Unionswählern gibt es eine knappe relative Mehrheit (42 Prozent ja zu 45 Prozent nein), die nicht wünscht, dass Friedrich Merz auch in der kommenden Legislaturperiode Bundeskanzler bleibt. Aber trotzdem wünschen sich zwei Drittel der Unionswähler (67 Prozent) auch in Zukunft einen Kanzler aus den eigenen Reihen. Eine solche Stimmung ist oft der Vorbote von Personaldebatten. Mit einem „weiter so“ wird Friedrich Merz die Trendwende eher nicht gelingen.
