Mozarts „Zauberflöte“ für Kinder: 70 Minuten Opernzauber im Salzburger Landestheater

Die eingedampfte „Zauberflöte“

Für Kinder auf 70 Minuten Dauer gekürzt: W. A. Mozarts „Zauberflöte“ im Landestheater Salzburg. Hier kurz vor dem von einigen Kindern bedauerten Schluss. Foto: Hans Gärtner

Gar schrecklich, streitsüchtig und rachelüstern ist die Königin der Nacht. Sie schwebt auf tintenblauer Wolke. Braucht ihre Tochter Pamina, um sie zum Mord am verhassten Zauberer Sarastro anzustiften. Der soll endlich den Schatz herausrücken, den ihr verstorbener Mann ihm, nicht aber ihr, seiner Gattin – sie ist ja „nur“ eine Frau! – vermachte. Im goldenen Bibliothekssaal des auch golden gekleideten weißhaarigen Sarastro trifft sich am Ende das ganze Ensemble. Und feiert gemeinsam. Die rüde Königin darf schlussendlich auch dabei sein. Und es darf applaudiert werden – den Spielenden und Singenden, dem Dirigenten und den Mitgliedern des Mozarteum-Orchesters.

Die mindestens sieben Schulklassen aus oder um Salzburg herum sind erfreut. Sie haben sich die für sie und ihre Nachfolgenden (am 10. Mai, 7. Juni, 6. März und 14. März nächsten Jahres) auf sage und schreibe 70 Minuten Kürze eingedampfte, eigentlich dreieinhalb Stunden dauernde Super-Oper Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ lang anhaltend bedankt. Und waren brav. Nein: diszipliniert. Ohne auf die gar nicht nötig gewordenen „Psts!“ und „Schts!“ ihrer sie begleitenden Lehrkräfte reagieren zu müssen. Sie haben es sichtlich und hörbar genossen, mit der für sie „modern“ zur Freundschaftsgeschichte mit einem lustig-lieben grünen Drachen und sich durchwegs blendend bei Stimme zeigenden Figuren – Schikaneder hätte sich gefreut, Mozart vielleicht weniger – in die Welt der Oper eingeführt zu werden.

Regisseur Marco Dott und Dirigent Tobias Meichsner konnten ihre Freude an der positiven Reaktion ihres blutjungen Publikums – Erwachsene inklusive – haben. Die frei erfundene Zauberflöten-Trägerin Anna spielte Alea Hagedorn nicht weniger respektabel als Drachen-“Führer“ Aaron Röll. Und es gab unter den Youngsters der Salzburger Mozart-Stimmen einige, die durchaus das Zeug dazu haben, sich in der LangversioMeriten zu holen: „Pamina“ Marlene Metzger, „Tamino“ Ilia Skvirskii, auch die drei auf einem Luftschiff rein-und-raus schwebenden Knaben Matthias Schorn-Roubin, Anna Schachner und Aaron Kang.

Ganz besonders gelang es dem Papa-Duo „-gena“ und „-geno“ Hazel McBain und Yevheniy Kapitula sowohl „singspielend“ als auch gesanglich voll zu überzeugen. Bunten Bühnenzauber mit kleinen Überraschungseffekten schuf Matthias Kronfuss. – Eine Produktion des Salzburger Landestheaters,  die sich auch für große Leute lohnt, die allerdings gewarnt seien: Sarastro (Christoph Wieschke) redet nur, singt keinen Ton. Letztlich darf auch die Königin der Nacht (Judith Spießer) nur zwei kurze Kostproben ihrer Kunst der Koloratur nur andeuten – das allerdings so trefflich, dass ihr, wenn auch von einem Erwachsenen angeregt, der erste Szenen-Beifall zuteil wurde.

 

Über Hans Gärtner 550 Artikel
Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.