Gar schrecklich, streitsüchtig und rachelüstern ist die Königin der Nacht in derr „kleinen Zauberflöte“ wie in der „großen“. Die Herrscherin schwebt auf tintenblauer Wolke. Braucht ihre Tochter Pamina, um sie zum Mord am verhassten Zauberer Sarastro anzustiften. Der soll endlich den Schatz herausrücken, den der Königin verstorbener Mann ihm, nicht aber ihr, seiner Gattin – sie ist ja „nur“ eine Frau! – vermachte. Im goldenen Bibliothekssaal des auch golden gekleideten weißhaarigen Sarastro trifft sich am Ende das ganze Ensemble. Und feiert gemeinsam. Die rüde Königin darf schlussendlich auch dabei sein. Und es darf applaudiert werden – den Spielenden und Singenden, dem Dirigenten und den Mitgliedern des Mozarteum-Orchesters.
Die mindestens sieben Schulklassen aus oder um Salzburg herum sind erfreut. Sie haben sich für die auf 70 Minuten Dauer eingedampfte, eigentlich dreieinhalb Stunden beanspruchende Super-Oper Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ mit lange anhaltendem Applaus bedankt. Und waren brav. Nein: diszipliniert. Ohne auf die gar nicht nötig gewordenen „Psts!“ und „Schts!“ der begleitenden Lehrkräfte reagieren zu müssen. Sie haben es sichtlich und hörbar genossen, mit der für sie „modern“ zur Freundschaftsgeschichte mit einem lustig-lieben grünen Drachen und sich durchwegs blendend bei Stimme zeigenden Figuren – Librettist Emanuel Schikaneder hätte sich bestimmt gefreut, Mozart, der so viele wunderschöne Arien und Duette erfand, vielleicht weniger – in die Welt der Oper eingeführt zu werden.
Regisseur und „Verkleinerer“ Marco Dott und Dirigent Tobias Meichsner konnten ihre Freude an der positiven Reaktion ihres blutjungen Publikums – Erwachsene inklusive – haben. Die frei erfundene Zauberflöten-Trägerin Anna spielte Alea Hagedorn nicht weniger respektabel als Drachen-“Führer“ Aaron Röll. Und es gab unter den Youngsters der nachwachsenden Salzburger Mozart-Stimmen einige, die durchaus das Zeug dazu haben, sich in der Langversion Meriten zu holen: „Pamina“ Marlene Metzger, „Tamino“ Ilia Skvirskii, auch die drei auf einem Luftschiff rein-und-wieder-raus schwebenden „Knaben“ Matthias Schorn-Roubin, Anna Schachner und Aaron Kang.
Ganz besonders gelang es dem „Papa“-Duo „-gena“ und „-geno“ Hazel McBain und Yevheniy Kapitula sowohl „singspielend“ als auch gesanglich voll zu überzeugen. Herrlich bunten Bühnenzauber mit einigen kleinen optischen Überraschungseffekten schuf Matthias Kronfuss. – Eine Produktion des Salzburger Landestheaters, die sich auch für große Leute lohnt, die allerdings gewarnt seien: Sarastro (Christoph Wieschke) redet nur, singt keinen Ton. Letztlich darf auch die Königin der Nacht (Judith Spießer) nur zwei kurze Kostproben ihrer Kunst der Koloratur geben – das allerdings so trefflich, dass ihr, wenn auch von einem Erwachsenen angeregt, der erste Szenen-Beifall zuteil wurde. – Am 15. Mai und am 6. Juni steht das Stück, das im April Premiere hatte, wieder auf dem Spielplan, dann erst wieder im März nächsten Jahres. – www.salzburger-landestheater.at, Schwarzstr.22, Tel.+43 662 – 871512 – 222
