Vor seiner Tätigkeit als Kulturminister war Andreas Babler der Bürgermeister der niederösterreichischen Gemeinde Traiskirchen. Seine Medienpolitik soll Answer Lang besorgen. Von Johannes Schütz
„Kommunikationsarbeit ist: ein Job, den man der eigenen Oma nur sehr schwer erklären kann“, so das Bekenntnis von Answer Lang. Damit gefragt in seiner Partei. Einige Stationen seiner erstaunlichen Karriere waren Wahlkampagne für den späteren Kanzler Gusenbauer, verantwortlich für die Pressearbeit des Verteidigungsministers, Geschäftsführer für ATTAC Österreich. Jetzt ist Lang ein Chef im Kabinett des österreichischen Vizekanzlers Babler, dort zuständig für die Medienpolitik des Landes.
Die Journalistin Alexandra Bader kennt Lang bereits aus seiner Zeit im Verteidigungsministerium. Sie recherchierte damals über Korruption. Bader ist mit den Hintergründen der österreichischen Politik vertraut. Geschätzt wurde ihre Arbeit von Sozialminister Buchinger, der ihr einst den Auftrag gab, eine Studie über die Öffentlichkeitsarbeit seines Ministeriums zu erstellen.
Die Tätigkeit von Answer Lang betrachtet Bader in ihren Beiträgen kritisch:
„Answer Lang, damals Pressesprecher [von Verteidigungsminister Darabos], jetzt Vizekabinettschef von Babler, (…) [der] Darabos bei raren öffentlichen Auftritten wegscheuchte und ihm Worte in den Mund legte. Lang ist bei Babler für Medienpolitik zuständig, sodass [man]sich fragt, von wem Bablers Aktivitäten wirklich ausgehen“.
(Alexandra Bader, „Gegen Desinformationen: Wahrhaft ist auch wehrhaft!“, Ceiberweiber, 8. 11. 2025, https://alexandrabader.wordpress.com/2025/11/08/gegen-desinformationen-wahrhaft-ist-auch-wehrhaft)
Öffentlichkeitsarbeit als „raffinierter Schmäh“
Die „Oma“ steht bei Answer Lang wohl als Metapher für Geradlinigkeit und Offenheit in der Kommunikation, nur schwer erklärbar sind dann Manipulation und geheime Tücke. Man wird die Medienarbeit von Lang unter diesem Aspekt betrachten.
Lang begann seine Laufbahn als Sprecher der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH):
„Vielleicht ist alles nur ein raffinierter Schmäh. Vielleicht will die ÖH-Spitze nur die Zinsen kassieren und sich dann auf die Malediven vertschüssen, wie Pressesprecher Answer Lang witzelt“.
(Gerald John, „Treuhandeln“, Falter, 20. 6. 2001).
Mit dieser Stellungnahme wurde Answer Lang erstmals in der Öffentlichkeit bekannt. Die Hochschülerschaft wollte damit die Studiengebühren boykottieren, der Betrag sollte nicht dem Finanzamt bezahlt, sondern von den Studierenden auf ein Treuhandkonto überwiesen werden. Lang war ein Vertreter des VSStÖ, des Verbands der Sozialistischen Studenten Österreichs.
Lang als Kurator der Bundesgeschäftsführung
Damit begann der steile Aufstieg von Answer Lang. Im Mai 2003 endete sein Job bei der Hochschülerschaft, schon im Juni startete er mit der dort vorgeführten Attitude als vorlauter Sprecher in der SPÖ-Zentrale, um Bundesgeschäftsführer Darabos zu kuratieren, der zu diesem Zeitpunkt überraschend aus dem biederen Burgenland, dort Vorsitzender des Landtagsklubs, nach Wien berufen wurde, um die marode Bundespartei zu sanieren.
Für die Bundespräsidentenwahl am 25. April 2004 zählte Lang zum inneren Kreis der Wahlstreiter für Heinz Fischer.
„Eine andere Leihgabe für den Fischer-Wahlkampf, Answer Lang, der in der Wahlkampagne engagiert war, wechselt auf seinen alten Arbeitsplatz in der SPÖ-Zentrale Löwelstraße zurück und betreut wieder SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos“ [Anm.: Markierung mit Fettschrift nicht im Original].
(„Das Heinz-Fischer-Team macht sich zum Jobwechsel bereit“, Der Standard, 7. 5. 2004)
Bei den hart umstrittenen Nationalratswahlen 2006, die Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ sollte abgelöst werden, agierte Lang als Pressesprecher und Darabos als sein Wahlkampfleiter. Ihr Spitzenkandidat Alfred Gusenbauer wurde Kanzler und Norbert Darabos, der 1988 noch seinen Zivildienst bei der Jungarbeiterbewegung leistete, zum Bundesminister für Landesverteidigung gekürt. Am 12. Januar 2007 wurde Darabos in der Wiener Roßauer-Kaserne das Amt des Verteidigungsministers feierlich übergeben.
Karnevalesker Umzug ins Verteidigungsministerium
Answer Lang begleitete Darabos in das Bundesministerium für Landesverteidiung, um dort die Pressearbeit zu übernehmen.
„Medialer Zugang zum neuen Ressortchef erfolgt in Hinkunft über Mag. Answer Lang (…) auch stets um Norbert Darabos in dessen Zeit als Bundesgeschäftsführer„, wurde im treuen Journal für Militärluftfahrt vermittelt.
(Georg Mader, „Wachablöse oder Zeitenwende?“, Airpower.at, 13. 1. 2007)
Hätte Lang zu diesem Zeitpunkt wenigstens schon zehn Jahre für die Arbeiterkammer als Pressesprecher sich bewährt, so wäre eine solche Berufung in das Verteidigungsministerium eventuell gerechtfertigt und argumentierbar gewesen. Doch genügten die plakativen Auftritte in Wahlkämpfen und seine oft bizarre Tätigkeit für die Österreichische Hochschülerschaft dafür keinesfalls als Qualifikation. Offensichtlich sollte Answer Lang in dieser Typenkomödie die Groteske des Zivildieners als Verteidigungsminister, wie bei einem karnevalesken Umzug, als eine allegorische Figur im Hintergrund begleiten, ein schwadronierender Miles Gloriosus der Commedia erudita.
Dabei versetzte Lang mit seinem Stil der Kommunikation offfenbar nicht nur seine Oma, sondern auch Experten in Erstaunen. Lang sprach mit Qualitätsmedien aus Deutschland wie ein Studentenvertreter, der mit den Schreibern österreichischer Provinzblätter redet. So wurde er von der Süddeutschen Zeitung in einem Beitrag ausführlich zitiert:
„Absoluter Schwachsinn“, sagt Answer Lang, der Sprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ)“.
(Carolin Gasteiger, „Besseren belehrt – und fliegt tatsächlich selbst“, Süddeutsche Zeitung, 17. 5. 2008)
Schließlich wurde entdeckt, dass das Festnetz-Telefon von Lang im Verteidigungsministerium mit einer sogenannten Wanze abgehört wurde, später erklärt als eine manipulierte Freisprechanlage.
(vgl. dazu „Affäre: Wie beim Heer bespitzelt wurde“, Die Presse, online 25. 3. 2009, print 26. 3. 2009, www.diepresse.com/464418/affaere-wie-beim-heer-bespitzelt-wurde).
In der Folge beendete Lang seine Tätigkeit im Verteidigungsministerium, nach nur etwas mehr als zwei Jahren, bereits am 31. März 2009. Darabos blieb, bis März 2013, noch vier weitere Jahre Verteidigungsminister.
Rechtswissenschaft mit Rolltreppenparty
Ein Versorgungsplatz für Lang wurde noch im November 2009 bei den Wiener Linien gefunden, als Pressesprecher für den Verkehrsbetrieb der Stadt. Dort unterstützte er sogenannte „Rolltreppenpartys“, die in einer U-Bahn-Station gefeiert wurden, dabei posierte der geschminkte Lang sichtlich aufgeregt für Fotos.
(Vgl. „Station wegen Rolltreppenparty gesperrt“, ORF Wien, 1. 12. 2015, https://wien.orf.at/v2/news/stories/2745154)
Bei den Wiener Linien bekam Lang ansonsten noch die Zeit für ein Studium der Rechtswissenschaften, das ihn für höhere Weihen in seiner Partei qualifizieren sollte. Es dürfte ihm der Magister iuris überreicht worden sein und er wurde damit umgehend im Oktober 2019 der Leiter für Kommunikation der Arbeiterkammer. Dazu schrie Lang „Yippie“ auf Twitter:
„Jetzt geht’s los! Ab heute bin ich der neue Kommunikationschef der Arbeiterkammer in Wien. Yippie!“
(Answer Lang, X.com, @answerlang, 7. 10. 2019)
Schnapp-Skandieren ist irgendwie dings
In seiner Zeit bei der Arbeiterkammer führte Answer Lang mit exzessiven Postings in fragmentarischer Sprache vor, dass er Öffentlichkeitsarbeit als „irgendwie dings“ betreiben möchte:
„Zigtausende Euro für Loge und Schampus beim #opernball aber schon beim bloßen Wort „Vermögenssteuer“ Schnappatmung kriegen, ist schon irgendwie dings“.
(Answer Lang, X.com, @answerlang, 22. 2. 2020)
Dabei ist die Wahl der Begriffe bei Lang nicht distinguiert und entspricht auch nicht den Grundlagen, die an der Universität Wien im Proseminar zum wissenschaftlichen Arbeiten für Juristen vermittelt werden sollten, wie man beispielsweise im Zusammenhang mit der Jungen ÖVP (JVP) erkennen konnte:
„Nächstes Mal, wenn ich einen dieser blunzenfetten [Anm.: vollbetrunkenen] JVPler des Abends halb komatös vorm Volksgarten liegen seh, ruf ich mal besser nicht die Rettung sondern – Karl Mahrer“.
(Answer Lang, X.com, @answerlang, 13. 7. 2023)
Da soll auch nicht die Österreich-Beschimpfung fehlen, ob bei solcher Beleidigung der Republik das Gesetz gegen Hass im Netz zur Anwendung kommen sollte, das müssten die Gerichte klären:
„Ist Österreich #normal?
In Ö halten sich ein paar Superreiche ein Lobbyorganisation. Den Menschen wird eingeredet, dass ihre Interessen ident sind mit denen der Reichen.
In kaum einem anderen #EU-Land werden die Bürger:innen auf diese Art für dumm verkauft.
Ö ist anders“.
(Answer Lang, X.com, @answerlang, 21. 7. 2023)
Von ATTAC zum Vizekanzler
Passender für Answer Lang geeignet, bei solcher Öffentlichkeitsarbeit, war wohl eine Tätigkeit für ATTAC Österreich und er übernahm im September 2024 die Geschäftsführung der systemkritischen Bewegung.
„Hallo, @AttacAustria! Ab jetzt gehöre ich fix dazu! Als neuer @AttacAustria-Geschäftsführer. Der Einsatz von Attac für ein faires Wirtschaftssystem, Geschlechtergerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Demokratisierung und mein Wertekompass – einfach ein perfect match!“
(Answer Lang, X.com, @answerlang, 2. 9. 2024)
Doch kaum bei ATTAC in führender Position, da wurde sein Babler auch schon Vizekanzler und Minister für Kultur und Medien. Answer Lang wurde von ATTAC unverzüglich im März 2025 als stellvertretender Kabinettschef zum neuen Vizekanzler geholt. Dort soll Lang die österreichische Medienpolitik dirigieren.
