Vom Turnplatz zum Calisthenics Park, eine kurze Kulturgeschichte des Trainings im Freien

Der Calisthenics Park als kultureller Treffpunkt

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Training unter freiem Himmel ist keine Erfindung des Fitnesszeitalters. Schon lange bevor Studios, Hantelbänke und Wearables den Alltag prägten, gab es organisierte Bewegung im öffentlichen Raum. Der heutige Calisthenics Park in vielen deutschen Städten steht damit in einer langen Traditionslinie, die sich vom Turnplatz des frühen 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zieht.

Die Anfänge, Friedrich Ludwig Jahn und der erste Turnplatz

Als Friedrich Ludwig Jahn 1811 in der Berliner Hasenheide seinen ersten Turnplatz eröffnete, wollte er gleichzeitig zwei Dinge erreichen: Die körperliche Ertüchtigung breiter Bevölkerungskreise und ein gemeinsames und nationales Bildungsideal verwirklichen. Auf dem freiem Gelände entstanden Reck, Barren, Klettergerüst und Sprunggeräte. Viele Grundübungen, die wir auch heute im Street Workout praktizieren, reichen bis in diese frühe Turnkultur zurück. Klimmzüge, Stemmen am Barren und Hangvarianten wurden dort systematisch geübt und dokumentiert. Der Platz war kostenlos, öffentlich und allen zugänglich, ein Prinzip, das sich auch heute noch in vielen heutigen Sportanlagen wiederfindet.

Nach dem Verbot der Turnbewegung während der sogenannten Turnsperre kam es wieder zum Vereinsturnen, ab den 1840er Jahren allerdings zunehmend in Hallen. Der öffentliche Raum als Trainingsort verlor an Bedeutung, blieb aber in Form von Spiel- und Schulplätzen erhalten.

Sowjetische Höfe, Prison Workout und die Wiederentdeckung des Eigengewichts

Parallel entwickelte sich in Osteuropa eine andere Kultur des Trainings im Freien. In den Innenhöfen sowjetischer Wohnblocks, den sogenannten Dvory, standen ab den 1960er Jahren einfache Reckstangen und Barren. Sie waren robust, wetterfest und wurden von mehreren Generationen genutzt. Diese Anlagen prägten den Trainingsstil, der später als Ghetto Workout oder Street Workout international bekannt wurde. Die Ästhetik ist bis heute erkennbar, klare Stahlkonstruktionen, wenige bewegliche Teile, Fokus auf statische und dynamische Übungen wie Muscle Up, Human Flag oder Front Lever.

In den USA verbreitete sich das Eigengewichtstraining zusätzlich über die Hofkulturen amerikanischer Großstädte und über das sogenannte Prison Workout. Auch hier war die Ausgangslage ähnlich, wenig Ausrüstung, viel Kreativität, hoher sozialer Charakter. Ende der 2000er Jahre trafen sich die Strömungen im Internet. Videoplattformen sorgten dafür, dass Übungen, Trainingspläne und Wettkampfformate international geteilt wurden.

Die moderne Ausstattung öffentlicher Anlagen orientiert sich an diesen Wurzeln. Robuste Calisthenics Geräte aus verzinktem oder pulverbeschichtetem Stahl, kombiniert mit fallschutzgerechten Böden, bilden heute den Standard vieler kommunaler Trainingsplätze.

Der Calisthenics Park als kultureller Treffpunkt

In Deutschland sind in den letzten fünfzehn Jahren Hunderte solcher Parks entstanden, häufig in Zusammenarbeit mit Kommunen, Sportvereinen und lokalen Communitys. Sie erfüllen gleiche Funktionen. Sportlich sind sie ein niedrigschwelliges Angebot ohne Mitgliedschaft, Öffnungszeiten und Vorkenntnisse. Sozial sind sie Treffpunkte, an denen Jugendliche mit Erwachsenen und Älteren gemeinsam trainieren, sich austauschen und Übungen weitergeben. Städtebaulich verdichten sie Grünflächen, die kaum genutzt werden.

Bemerkenswert ist die Kontinuität zur Turnbewegung des 19. Jahrhunderts. Auch damals ging es um Zugänglichkeit, Gemeinschaft und einfache Geräte, die viele Übungsvarianten zulassen. Die didaktische Idee, Bewegung an den öffentlichen Raum anzubinden, ist geblieben. Verändert haben sich Materialien, Trainingswissenschaft und die Vielfalt der Zielgruppen. Aktuelle Anlagen enthalten häufig Parallettes, Multi-Grip-Stangen, Schrägbänke und Ringkonstruktionen, die auch Kraftdreikampf- und Mobilitätsübungen erlauben.

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