Wer die Geschichte Estlands und die Stimmungen seines Volkes verstehen will, dem sei ein Besuch in dem vor 20 Jahren eröffneten Kumu Museum in Tallinn empfohlen (https://kumu.ekm.ee/en/). Im Umgang mit und Widerstand gegen russische und deutsche Besatzung und in den Zeiten der Unabhängigkeit hat sich ein Selbstbewusstsein entwickelt, das in den Gebieten der ehemaligen DDR kaum zu finden ist. Oder eine Erzählung, wie man heute sagen würde, die auch in der Gegenwart Bestand hat.
In vielen Arbeiten spiegeln sich die Stimmungen und Einstellungen der jeweiligen Zeit wider.
Das 1947 entstandene Bild „Discussion at the Artists`Union wenige Jahre nach der erneuten sowjetischen Besetzung Lettlands handelt von einer Diskussion im sowjetisch organisierten Künstlerverband. Elmar Kits malt nichts Heroisches, die Männer wirken eher müde, skeptisch. Nirgendwo dominiert ein Anleiter. Eine Gemeinschaft von denkenden Künstlern, keine „Kulturarbeiter des Sozialismus. 20 Jahre später wird der Maler die moderne Malerei in Estland wieder vorantreiben.
Das 1956 gemalte Bild von Leili Muuga „In a Café, die Unentschlossenen“ zeigt Menschen die aus einem Cafe hinausblicken auf eine Strasse, in der unter roten Fahnen demonstriert wird. Mitte der fünfziger Jahre brachten estnische Künstler Individualität, Alltag und Zwischentöne in die Malerei zurück.
Ein Jahrzehnt später, 1968/69, entsteht „Lenin“ von Ilmar Malin, ein Lenin als Sonne des Fortschritts, aber zugleich ein Leninkopf ohne Körper, müde, skeptisch oder nachdenklich blickend, fernab jeder triumphaler Darstellung. Sein Freund Ain Kaleb erklärt den Hintergrund unten als ein Durcheinander von Maschinen, Waffen und Fabriken, als das Chaos, das Lenin in die Weltgeschichte gebracht habe.
