Hohe Energiepreise bedrohen Bayerns Industriestandort

vbw-Energiepreisindex sinkt im Mai leicht – Kosten liegen weiterhin mehr als 60 Prozent über dem Vorkrisenniveau

Eine energieintensive Industrieanlage oder Produktionshalle mit Hochspannungsleitungen und Strommasten im Hintergrund. Quelle: ChatGPT

Die Energiekosten für die bayerische Wirtschaft sind im Mai 2026 erstmals seit zwei Monaten leicht gesunken. Von einer Entspannung könne dennoch keine Rede sein, warnt die vbw: Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2019 lagen die Preise weiterhin mehr als 60 Prozent höher. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt fordert eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer und ein Aussetzen des nationalen CO₂-Preises.

Der Energiepreisindex der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. ist im Mai 2026 um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 135,5 Punkte zurückgegangen. Dies war der erste leichte Rückgang, nachdem der Index in den beiden Vormonaten infolge des Irankriegs um gut 25 Prozent in die Höhe geschnellt war. Das Niveau des Vorjahresmonats Mai 2025 wurde aber noch immer um fast ein Viertel (23,8 Prozent) überschritten. Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2019 – dem letzten Vorkrisenjahr – lagen die Energiepreise für die bayerische Wirtschaft sogar um über 60 Prozent höher. „Die Preise bewegen sich weiterhin auf existenzbedrohendem Niveau für unsere Unternehmen. Wir hoffen, dass trotz des wiederaufflammenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran schnell eine dauerhafte stabile Lösung gefunden werden kann. Wie schnell dies gelingt und wie schnell sich die Märkte erholen, ist aber unklar. Fakt ist: Hohe Energiekosten sind einer unserer größten Standortnachteile“, erläutert vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Entgegen dem allgemeinen Trend stieg der Teilindex für Primärenergie im Mai erneut an. Im Vergleich zum Vormonat legte der Index um 1,0 Prozent auf 139,8 Punkte zu. Das Vorjahresniveau wurde um fast 40 Prozent überschritten. Gegenüber April verzeichneten in Deutschland gefördertes Erdöl sowie heimische Braunkohle mit einem Plus von 11,9 beziehungsweise 7,8 Prozent die stärksten Preisanstiege. „Verglichen mit dem Vorjahr lagen insbesondere die Ölpreise deutlich höher. Für importiertes Erdöl wurden 59,3 Prozent mehr verlangt, der Preis für in Deutschland gewonnenes Erdöl stieg sogar um 65,8 Prozent. Auch hier wird der Einfluss des Iran-Kriegs deutlich“, so Brossardt.

Der Teilindex für Sekundärenergie ging im Mai um 2,3 Prozent gegenüber April auf 131,1 Punkte zurück. Das Vorjahresniveau wurde zugleich um 10,9 Prozent überschritten. Verantwortlich für den Rückgang im Vergleich zum Vormonat waren vor allem auf Erdöl basierende Sekundärenergieträger. So gingen die Erzeugerpreise für Leichtes Heizöl (-3,4 Prozent) moderat, für Flüssiggas (-6,6 Prozent) merklich und für Diesel (-10,9 Prozent) stark zurück. „Für die niedrigeren Dieselpreise war vor allem die temporäre Absenkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel verantwortlich. Mit dem Ende der Steuersenkung sind die Spritpreise an den Tankstellen wieder angestiegen, was eine erneute zusätzliche Belastung für die Betriebe bedeutet“, sagt Brossardt.

Um die Unternehmen zu entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern, fordert die vbw eine Senkung der Energiekosten etwa durch eine dauerhafte Absenkung der Stromsteuer für die gesamte Wirtschaft und das Aussetzen des nationalen CO2-Preises. „Hohe Energiekosten belasten unsere Unternehmen massiv und schwächen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit. Eine zügige Entlastung der Industrie – angefangen bei den Energiepreisen – ist daher zwingend erforderlich. Anderenfalls droht eine weitere Beschleunigung der bereits voranschreitenden Deindustrialisierung“, mahnt Brossardt.

Basisjahr für den vbw Energiepreisindex ist 2021 (2021=100). Weitere Erläuterungen zum vbw Energiepreisindex finden Sie unter www.vbw-bayern.de/Energiepreisindex