Wie sich im westlichen Europa der Russen-/Russlandhass etablierte – Teil 1

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Grenzen Land Karte Russland, Quelle: OpenClipart-Vectors, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Mit dieser Einleitung beginnt eine vierteilige Reihe über die Entstehung und politische Instrumentalisierung des Russen- und Russlandhasses im westlichen Europa. Der Auftakt spannt den Bogen vom Großen Schisma über Napoleon und das British Empire bis zu den Konflikten der Gegenwart und erläutert die Leitfrage der folgenden Kapitel.

Einleitung

Der Russen- und Russlandhass ist im heutigen westlichen Europa, besonders in Deutschland, wieder gesellschaftsfähig geworden.

Dieser Hass entstand nicht rein zufällig. Seine Ursprünge liegen weit zurück und sind in kulturellen und religiösen Unterschieden begründet. Der Höhepunkt dieser Dissense war das Große Schisma im Jahre 1054. Der Russen- und Russlandhass in seiner jetzt bekannten Form wurde in Europa (als ein staatliches Instrument der Propaganda und Militärstrategie) erstmals durch Napoleon eingeführt, um seinen geplanten Russlandfeldzug zu rechtfertigen. Gegen 1820 schwappte dieser Hass auch auf das British Empire über. In Deutschland kam dieser Ende der 1930erJahre zur Anwendung, bevor die Sowjetunion überfallen wurde. Die brachiale Abtrennung der Ostgebiete nach 1945, verbunden mit der Vertreibung von circa 13 Millionen Deutschen, sowie die Unterdrückung während der Zeit der Besetzung Ostdeutschlands und Osteuropas durch die Sowjetarmee zwischen 1945 und 1990 sorgten dafür, dass der Russen- und Russlandhass bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten anhielt.

Mit Michael Gorbatschow, Boris Jelzin und mit dem frisch ins Amt gewählten Wladimir Putin gab es eine Epoche der großen Annäherung. Jedoch seit ungefähr Mitte des ersten Jahrzehnts der 2000erJahre begann sich das Verhältnis zwischen dem westlichen Europa und Russland immer mehr einzutrüben. Der Ausbruch des Ukraine-Krieges führte dann das Verhältnis zwischen dem westlichen Europa und Russland auf einen noch nie da gewesenen Tiefpunkt.

Auch wenn Russlands Überfall auf die Ukraine zu verurteilen ist, so rechtfertigt es längst nicht die Doppelmoral des westlichen Europas, die Kriegshysterie und den Umstand, wie der Russen-/Russlandhass zunehmend gesellschaftsfähig geworden ist. Viele Regierungen in der EU sind bei ihren Völkern zutiefst unbeliebt. Sie kämpfen allerdings nicht nur gegen den Vertrauensverlust an, sondern sind auch mit tiefgreifenden Problemen in ihrer Wirtschaft konfrontiert. Insofern gelten Russen-/Russlandhass und Kriegshysterie für die Machthaber als willkommenes Mittel, um ihre Völker von den geschilderten Problemen abzulenken und Russland für vieles, was schiefgelaufen ist, verantwortlich zu machen. Die von den Römern praktizierte Formel „Divide et impera“ zwecks Machterlangung und erhaltung hat bis zum heutigen Tag nicht an Aktualität verloren.

Äußerst bedenklich ist, dass der ÖRR, einige Zeitungen und führende Politiker Deutschlands, dem unterschwelligen Russland-/Russenhass geschuldet, dem eigenen Volk eins zu eins die Kriegspropaganda der ukrainischen Regierung als Wahrheit präsentieren. Dabei weiß doch jeder gebildete Mensch, dass im Krieg die Wahrheit das erste Opfer ist, und das auf beiden Seiten der Front. Tatsache ist auch, dass Wolodimir Selenski den Westen in einen Krieg hineinziehen will. Wenn es überhaupt zu Dementis kommt, dann sind sie beim ÖRR entweder verklausuliert formuliert oder an Stellen untergebracht wie etwa im Videotext, wo kaum jeder nachschaut. Seitens der Politik sind überhaupt keine Richtigstellungen zu vernehmen. Insofern bleibt zu hoffen, dass es zumindest in dem innersten Zirkel der Macht Personen gibt, die sich allein der Wahrheit verpflichtet fühlen. Ansonsten gleitet Europa in einen Weltkrieg, ähnlich wie beim Ersten Weltkrieg, den wohl die Protagonisten nicht wollten, bei dem sie sich aber immer mehr in einer Eskalationsspirale verstrickten, bis sie nicht mehr aus dieser herauskamen und die Katastrophe geschah.

Dieser Artikel beschreibt in mehreren Kapiteln, wie der Russen-/Russlandhass in Europa Fuß fasste, beginnend mit der Kirchengeschichte bis zum heutigen Europa. Er zeigt auch, wie dieser in Frankreich und im British Empire des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aus der politischen Trickkiste geholt wurde und wieder dort verschwand, je nachdem, ob er den Herrschenden nützte oder nicht. Der Leser wird sich wundern, wie ähnlich die Vorwürfe und Behauptungen gegenüber Russland von damals und heute sind …

Hier folgen weitere Teile