Dieter Nuhr in Berlin: „Vom Verschwinden der Bilder“ – Neue Ausstellung in der Galerie Mond Fine Arts

19. November 2026 bis 31. Januar 2027

Vernissage: Mittwoch, 18. November 2026, 18 bis 20 Uhr. Der Künstler ist anwesend.

 Die Galerie Mond Fine Arts zeigt neue Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Dieter Nuhr. Ausgangspunkt seiner Bilder sind digitale Lochbildfotografien, deren Motive auf Reisen durch unterschiedliche Regionen der Welt entstehen. Florenz und Venedig, die Tempellandschaften Myanmars, die Gebirgswelten des Himalaya und Islands oder die Tierwelt Afrikas: Nuhr erkundet die Welt mit der Kamera, doch seine Bilder sind keine Reiseberichte. Sie erzählen davon, wie sich das Gesehene verwandelt, wenn es in die Erinnerung übergeht.

Nuhrs Arbeiten bewegen sich zwischen Fotografie und Malerei, digitaler Bildgenese und analoger Materialität. Selbst programmierte digitale Pinsel verbinden sich mit Acrylfarben und physischen Eingriffen in die Bildoberfläche. In einem vielschichtigen Prozess wird das fotografische Ausgangsmaterial überlagert, verdichtet, reduziert und teilweise ausgelöscht. Farbschichten, Verwischungen und Spuren lassen Landschaften, Bauwerke und Tiere aufscheinen, um sie zugleich wieder dem Blick zu entziehen. Das Gegenständliche bleibt erkennbar, verliert jedoch seine dokumentarische Eindeutigkeit. Es entsteht eine Bildwelt zwischen Figuration und Abstraktion, in der die Fotografie als Spur des Wirklichen fortlebt und zugleich in eine eigenständige malerische Wirklichkeit überführt wird.

Der Titel „Vom Verschwinden der Bilder“ bezeichnet diesen Prozess und verweist auf die Flüchtigkeit unserer Wahrnehmung: Auch die Erinnerung bewahrt kein vollständiges Abbild der Wirklichkeit. Sie wählt aus, verschiebt und überformt. Einzelheiten verblassen, während andere Eindrücke umso deutlicher hervortreten. Nuhrs Malerei macht diese Bewegung sichtbar. Das fotografisch Festgehaltene wird nicht einfach ausgelöscht, sondern verändert seine Gestalt. Aus dem dokumentierten Augenblick entsteht ein subjektives Bild: eine Erinnerung, die sich von ihrem Ursprung entfernt und gerade dadurch eine neue Präsenz gewinnt.

In diesen Arbeiten begegnet uns eine Sehnsucht nach der Schönheit und Erhabenheit der Welt, ohne dass sie ins Pathetische kippt. Landschaften, Natur und Architektur erscheinen als fragile Zeugnisse einer Wirklichkeit, die sich dem vollständigen Zugriff entzieht. Das Schöne wird nicht idealisiert, sondern als etwas Flüchtiges erfahrbar, dessen Fortbestand keineswegs selbstverständlich ist. Zwischen Sichtbarkeit und Auflösung, Gegenwart und Vergangenheit eröffnen Nuhrs Bilder einen Raum der Kontemplation. Sie laden dazu ein, innezuhalten und genauer hinzusehen. Gerade dort, wo das einzelne Motiv zu verschwinden beginnt, wird etwas vom großen Ganzen spürbar.

Galerie Mond Fine Arts
Bleibtreustraße 17
10623 Berlin-Charlottenburg

www.galeriemond-finearts.com

Über Marc Peschke 55 Artikel
Marc Peschke, 1970 geboren, Kunsthistoriker, Texter, Kulturjournalist und Künstler, lebt in Wertheim am Main, Wiesbaden und Hamburg. Er hat in Mainz Kunstgeschichte, Komparatistik und Ethnologie studiert. Seitdem schreibt der gebürtige Offenbacher unter anderem über Bildende Kunst, Fotografie, Fotokunst und Popmusik. Gelegentlich arbeitet er auch als freier Kurator, war Mitinhaber und Mitbegründer der Fotokunst-Galerie KUNSTADAPTER in Wiesbaden und Frankfurt am Main – sowie der Kultur-Bar WAKKER in Wiesbaden. In Wertheim am Main ist er Kurator des exklusiven Kunstraum ATELIER SCHWAB. Seit 2008 zahlreiche eigene Ausstellungen im In- und Ausland. Marc Peschkes künstlerische Arbeiten entstehen zumeist auf seinen zahlreichen Reisen und sind in verschiedenen nationalen und internationalen Sammlungen vertreten. Seit 2020 ist Marc Peschke unter dem Namen MASCHERA auch wieder als Musiker aktiv. Im Jahr 2022 wird er kuratorisch die Wiesbadener Fototage unterstützen. www.marcpeschke.de