Angela Stent: Putins Russland

Erschienen bei Rowohlt, Reinbek 2019

Vladimir Putin. Bild von klimkin auf Pixabay. Freie kommerzielle Nutzung.

Angela Stent: Putins Russland, Rowohlt, Reinbek 2019, ISBN: 978-3-498-06088-6, 25 EURO (D)

Nach einem Jahrzehnt postsowjetischem Dämmerungszustand ist Russland unter der Führung von Wladimir Putin dabei, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene liberale internationale Ordnung infrage zu stellen. 

Dieses Buch der Osteuropaexpertin Angela Stent bewertet Putins Einschätzung der Stellung Russlands in der Welt durch die Untersuchung der aktuellen Beziehungen zu Verbündeten und Gegnern sowie die Abwärtsspirale der Beziehungen Russlands mit der NATO, Europa und den USA. Außerdem thematisiert es die Beziehungen des eurasischen Staates zu China, Japan, Akteuren des Nahen Ostens, im Syrienkrieg sowie zu seinen Nachbarstaaten wie die Ukraine oder die baltischen Staaten.

Dabei stellt sie fest: Von der Annexion der Krim über die Intervention in der Ostukraine bis zur aufkeimenden Partnerschaft mit China und dem stetigen militärischen Aufbau in der Arktis stellt Russland die USA und ihre Partner auf der ganzen Welt vor neue Herausforderungen. Für sie hat Russland unter Putin mit ihrer Petroökonomie, wenigen engen Verbündeten und den nur von den USA übertroffenen Militärausgaben seinen Status als Supermacht der Sowjetunion wieder aufgenommen. 

Als US-Präsident Trump den Rückzug der USA aus dem Nahen Osten beschleunigt hat, nutzte Putin diese neuen Möglichkeiten schnell arbeitet ohne viele Einschränkungen seiner sowjetischen Vorgänger. Die USA müsse sich daran gewöhnen, mit einem klugen Rivalen um Einfluss im Nahen Osten zu kämpfen. Für Stent existieren  in Russland zurzeit keine wirklichen Verbündeten, die einen Gegenpol zu Putins internationaler Politik darstellen können. Sie stellt die Frage in den Mittelpunkt, wie sich Russlands Rolle in der Welt nach dem Rückzug der USA als Weltpolizist verändern wird. Außerdem spekuliert sie, was dem Land und seiner geopolitischen Identität nach dem Ende von Putins Amtszeit im Jahr 2024 passieren könnte und wie der Westen auf die weitere Entwicklung Russlands reagieren sollte.

Dieses Buch ist aus westlicher Sicht geschrieben und sieht Russland unter Putin durchgehend als Gegner und Gefahr im internationalen Rennen um weltpolitischen Einfluss. Sie beschreibt hier die Möglichkeiten, wie der Westen strategisch und machtpolitisch seine hegemoniale Stellung behalten könnte. Diese einseitige Sichtweise, das ein wenig an den Kalten Krieg erinnert, zieht sich durch das gesamte Buch. Provokationen des Westens gegenüber Russland mit Truppenübungen nahe den Grenzregionen oder verbale Drohungen werden hier nicht diskutiert. Berechtigte Kritik an Putin zu äußern, heißt nicht Möglichkeiten der Annäherung oder des Gesprächs zu suchen, die aber von westlicher Seite negiert oder zu wenig ausgeschöpft werden.

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.