Anna Halm Schudel: Blossom, Scheidegger & Spiess

Blumen, Foto: Tine Vogeltanz

Anna Halm Schudel: Blossom, Scheidegger & Spiess, Zürich 2019, ISBN: 978-3-85881-621-4, 48 EURO (D)

Dieses Buch über die Zürcher Fotografin Anna Halm Schudel widmet sich der Darstellung von Blumenstilleben. Sie zelebriert die leuchtende Farbenpracht und Formenvielfalt und damit die Verführungskunst der Blumen, aber auch  leidenschaftlich verfolgt die Fotografin den Prozess des Ausbleichens, Verdorrens und Welkens. Das Buch erscheint gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache.

In ihren Arbeiten vereint sie damit das Erblühen und die üppige Pracht mit einem Memento mori. Der Ausdruck Memento mori („Sei dir der Sterblichkeit bewusst‘) entstammt dem mittelalterlichen Mönchlatein. Er ist ein Symbol der Vanitas, der Vergänglichkeit, und war wesentlicher Bestandteil der Mönchsliturgie. Das Memento-mori-Motiv verblich mit der Zeit zum rein formalen Motto auf Grabsteinen, zum Sinnspruch in Todesanzeigen und erscheint schließlich nur noch als rein künstlerisches Motiv von Stillleben. Als Stilmotiv findet es sich in allen Epochen der Kunst. 

In ihrem Essay über die Arbeitsweise Halm Schudels und deren Bezüge zur Geschichte des Blumenstilllebens schreibt die Fotopublizistin Nadine Olonetzky: „Ihr geht es um die Materialität der Blüte, ihre Farben und Formen, um ihre Expressivität und Vitalität selbst im Verfall. Sie betrachtet mit ihrer Kamera nicht nur frische Blumen, sondern vor allem jene, die ihren Zenit überschritten haben.“ (S. 4)

Neben diesem Essay findet sich ein weiteres der Kunst- und Fotohistorikerin Franziska Kunze am Ende des Buches. Eingerahmt davon sind die oft jahrelang entstandenen Fotoserien Blumenporträts, Tanzende Tulpen, Nature morte, Nature morte vivantes, Uralte Tulpen, Schöner Schein, Blumenmeer oder Trash Flowers. Dort werden die Gleichzeitigkeit von der strahlenden Schönheit und ihre Vergänglichkeit als Symbol für den Kreislauf von Aufblühen und Verwelken in Augenblicken dargestellt. Die Künstlerin lässt Bilder mit der Digitalfotografie in allen Farben und Formen mit exakter Genauigkeit der Blumen und Blüten entstehen. Ihre dabei entstandenen Blumenporträts haben einen naturalistischen Charakter, der das Motiv des memento mori besonders herausstellt und damit Verbindungen zum menschlichen Leben und Sterbens herausstellt. Eine Ode an den immerwährenden Kreislauf der Natur, der in Momenten eingefangen wird. 

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Michael Lausberg
Über Michael Lausberg 327 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.