Krausse, Dirk/Ebinger-Rist, Nicole: Das Geheimnis der Keltenfürstin. Der sensationelle Fund von der Heuneburg

Winterlandschaft, Foto: Stefan Groß

Krausse, Dirk/Ebinger-Rist, Nicole: Das Geheimnis der Keltenfürstin. Der sensationelle Fund von der Heuneburg, Theiss-Verlag, Darmstadt 2018, ISBN: 978-3-8062-2801-4, 39,90 EURO (D)

 

Die Heuneburg ist eine vor- und frühgeschichtliche Höhensiedlung am Oberlauf der Donau in Gemeinde Herbertingen etwa 14 km östlich von Sigmaringen in Baden-Württemberg. Besonders herausragend ist die hallstattzeitliche befestigte Siedlung. Um 600 v. Chr. entstand hier ein so genannter Fürstensitz der Hallstattkultur. Vorterrassen und umgebende Begräbnisplätze wie zum Beispiel der Fürstengrabhügel „Gießübel“, das Hügelgrab „Hohmichele“, das Grabhügelfeld „Hohmichele-Gruppe“ oder das Gräberfeld Bettelbühl verdeutlichen die Stellung der Heuneburg als einer der großen eisenzeitlichen keltischen Fürstensitze Süddeutschlands. Die bisherigen Ausgrabungsbefunde lassen keinen Zweifel daran, dass sich hier zwischen ca. 620 und 480 v. Chr. eines der bedeutendsten Siedlungs-, Wirtschafts- und Machtzentren der älteren Eisenzeit befand, das weit reichende Beziehungen bis nach Etrurien und zu den griechischen Kolonien unterhielt.

Am 28. Dezember 2010 wurde unweit der Heuneburg ein im Sommer 2010 entdecktes Kammerschachtgrab mit reichen Schmuckbeigaben vollständig geborgen; aufgrund der Grabbeigaben wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Fürstin aus dem Heuneburg-Adel handelt. Das Prunkgrab aus der frühen Keltenzeit ist rund 2600 Jahre alt. Die gesamte Grabkammer wurde als 7,5× 6 Meter großer und rund 100 Tonnen schwerer Erdblock geborgen. Denn es handelte sich um das Grab einer keltischen Fürstin, die 583 v. Chr hier bestattet wurde. Durch hervorragende Bodenbedingungen außergewöhnlich gut erhalten und mit reichen Beigaben aus Gold, Bernstein und Bronze ausgestattet, liefert das Grab einen in die Lebenswelt die frühantike Lebenswelt und in das Machtzentrum Heuneburg. Dieser Fund gehört „zu den spektakulärsten archäologischen Unternehmungen der letzten Jahre und hat auch international großes Aufsehen erregt.“ (S. 9)

In jahrelanger Feinarbeit wurde die Grabkammer und ihr Inhalt unter Laborbedingungen detailliert freigelegt, restauriert und ausgewertet. Anschließend wurden die Funde und ihre Geschichte in der Ausstellung „Das Geheimnis der Keltenfürstin“ in verschiedenen Städten der Öffentlichkeit präsentiert. Dies ist der wissenschaftliche Begleitband der Ausstellung. Dirk Krausse und Nicole Ebinger-Rist liefern eine auf wissenschaftliche Auswertung der Funde und zeichnen darüber hinaus ein genaues Bild der antiken Welt zur Lebenszeit der Fürstin.

Das Buch beginnt mit der Analyse der Lage und Entdeckungsgeschichte des Grabes. Dann werden die Grabkammer, der Inhalt und der Schmuck der Fürstin näher vorgestellt. Die Heuneburg gilt als einer der Entstehungsorte der keltischen Kunst und Kultur: Ihre Entstehung, ihre Geschichte, ihre Bedeutung die Bewohner und umgebende Höhenbefestigungen und Kultplätze werden danach vorgestellt. Im letzten Kapitel geht es um andere frühkeltische Fürstensitze und berühmte Zeitgenossen der Fürstin wie der Grieche Solon oder der indische Philosoph Siddharta, somit wird die keltische Heuneburg in einen größeren historischen Zusammenhang gesetzt. Im Anhang findet man noch eine Zeitschiene der wichtigsten Kulturen in der Zeit des Fundes, weiterführende Literatur sowie die Entstehungsgeschichte des Buches.

 

Die spannende Fundgeschichte mitsamt den 160 Abbildungen in diesem Buch macht aus der sonst trockenen Archäologie eine greifbare Erlebnisreise in die lokale Vergangenheit, so dass eine breite Öffentlichkeit erreicht werden kann. Das Buch liefert alle möglichen Hintergründe zur Ausstellung, ist unterhaltsam geschrieben und somit zu empfehlen.

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.