Die Rentenkommission will die Finanzierung der Rentenversicherung stärken. Doch die Abschaffung von Minijobs könnte den Arbeitsmarkt schwächen, Dienstleistungen verteuern und vielen Betrieben, Vereinen und Beschäftigten dringend benötigte Flexibilität nehmen.
„@Rente ist nicht alles
Der Vorschlag der Rentenkommission, Minijobs abzuschaffen, ist aus ihrer Perspektive durchaus logisch. Ihr Auftrag ist es, Wege zu finden, die Finanzierung der Rentenversicherung zu verbessern. Wer ausschließlich auf die Rentenkasse schaut, kommt schnell zu dem Schluss, dass möglichst jede Arbeitsstunde sozialversicherungspflichtig sein sollte.
Das Problem ist: Deutschland besteht nicht nur aus der Rentenversicherung.
Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viele zusätzliche Beiträge theoretisch eingezogen werden könnten. Die entscheidende Frage lautet, was mit dem Arbeitsmarkt insgesamt passiert.
Minijobs wurden in einer Zeit eingeführt, als Deutschland unter Massenarbeitslosigkeit, hohen Arbeitskosten und einem schwachen Dienstleistungssektor litt. Die Arbeitsmarktreformen haben dazu beigetragen, dass aus dem „kranken Mann Europas“ eines der Länder mit der höchsten Beschäftigung in Europa wurde.
Wer heute Minijobs abschaffen will, sollte nicht so tun, als gäbe es keine Risiken.
Denn wenn Arbeit immer teurer und unflexibler wird, entstehen nicht automatisch mehr reguläre Jobs. Gerade in Gastronomie, Einzelhandel, Kultur, Vereinen oder bei einfachen Dienstleistungen werden viele Tätigkeiten dann schlicht nicht mehr angeboten. Öffnungszeiten werden reduziert, Angebote verschwinden, Veranstaltungen finden nicht statt, Dienstleistungen werden unbezahlbar.
Deutschland leidet schon heute darunter, dass viele Dienstleistungen gar nicht mehr verfügbar sind. Wer versucht, jedes Problem der Sozialversicherung durch höhere Belastungen auf Arbeit zu lösen, verschärft genau dieses Problem weiter.
Die Rentenkommission betrachtet verständlicherweise die Rentenkasse. Politik muss aber das Ganze betrachten.
Wenn am Ende einige zusätzliche Rentenbeiträge eingenommen werden, gleichzeitig aber das Arbeitsvolumen sinkt, die Beschäftigung zurückgeht und noch mehr Dienstleistungen verschwinden, dann entsteht volkswirtschaftlich ein deutlich größerer Schaden als der Nutzen für die Rentenversicherung.
Deshalb wäre es auch falsch, die Vorschläge der Kommission nach dem Motto „Friss Vogel oder stirb“ einfach komplett umzusetzen. Die Kommission hat einen wichtigen, aber eben begrenzten Auftrag. Sie soll Lösungen für die Rente entwickeln, nicht die Folgen für den gesamten Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenversicherung, das Ehrenamt, die Gastronomie oder die Versorgung mit Dienstleistungen bewerten.
Genau das ist aber die Aufgabe der Politik: verschiedene Ziele gegeneinander abzuwägen. Eine Maßnahme wird nicht dadurch richtig, dass sie einem einzelnen Sozialversicherungssystem hilft. Sie muss sich daran messen lassen, ob sie dem Land insgesamt nützt.
Eine alternde Gesellschaft braucht mehr Arbeit, mehr Flexibilität und mehr wirtschaftliche Aktivität. Sie braucht nicht weniger davon.
Deshalb sollte die Antwort nicht lauten: Minijobs abschaffen.
Die Antwort sollte lauten: Mehr Menschen in Arbeit bringen, bessere Übergänge in reguläre Beschäftigung schaffen und dafür sorgen, dass sich jede zusätzliche Stunde Arbeit lohnt.“
Quelle: Facebook
